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Langwieriger Prozess

Brotexperten (von links): Peter Becker, Stephan Becker-Sonnenschein, Andrea Fadani und Michael Kleinert.  (Quelle: Schlag)+
Brotexperten (von links): Peter Becker, Stephan Becker-Sonnenschein, Andrea Fadani und Michael Kleinert. (Quelle: Schlag)

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Kulturerbe

Brot soll Unesco-Weltkulturerbe werden. Das Verfahren zieht sich hin. Die erste Hürde auf dem Weg dorthin ist nationaler Art …

Berlin (schl). Die Bäcker haben die Anerkennung der Brotkultur als immaterielles schon lange im Visier. Doch erst im vergangenen Jahr trat Deutschland der 2003 verabschiedeten Unesco-Konvention bei. Jetzt ist der Weg frei, sich um den begehrten Status zu bewerben. Im November reichte der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks  (ZV) den Antrag bei der Berliner Senatsverwaltung für Kulturelle Angelegenheiten ein. Im April 2014 will das Land über die Aufnahme entscheiden. Dann geht das langwierige Verfahren auf nationaler Ebene weiter. Frühestens 2017 ist mit der internationalen Anerkennung zu rechnen. Die Aussichten, dass künftig auch  Vorschläge aus Deutschland international erfolgreich sein könnten, stehen nicht schlecht. Der türkische Kaffee, die japanische Küche und die Mittelmeerdiät haben den Sprung auf die Liste bereits geschafft.

Einzigartige Sortenvielfalt

Damit würde die Rolle des deutschen Brotes als „Aushängeschild für Deutschland in der Welt“ weiter gestärkt, begründete ZV-Präsident das Engagement. Trotz weiterer 128 Mitbewerber um den Titel  aus dem eigenen Land ist das Bäckerhandwerk optimistisch. „Wir sind stolz auf unsere jahrhundertealte Tradition der deutschen Brotkultur, die ganz klar zu den berühmtesten und ältesten Kulturgütern zählt,“ sagt Becker. In den Backstuben und an den  Akademien des Deutschen Bäckerhandwerks wird das Wissen und Können tagtäglich weitergegeben, oft auch an Bäcker aus dem Ausland. „Außerdem ist  unsere Sortenvielfalt  einzigartig. Kein anderes Land hat das zu bieten,“ betonte   Becker. „Das Wissen um das Bäckerhandwerk ist ein Stück Kultur und stiftet Identität. Das ist es, was die Deutschen an ihrem Brot schätzen und lieben und was es für die zukünftigen Generationen zu bewahren gilt“, ergänzte ZV-Hauptgeschäftsführer Amin Werner.

Starke Unterstützung

Unterstützung für den Eintrag in die Unesco-Liste erhält die Backzunft von namhaften  Experten. Nach Ansicht von Andrea Fadani, Leiter des Deutschen Brotmuseums in Ulm, ist das Brot mit seiner 6000-jährigen Historie nicht nur Lebensmittel, sondern beschreibt auch Zivilisationsgeschichte. Für die ausgeprägte Entwicklung regionaler Vielfalt  seien die bodenkundlichen und klimatischen Voraussetzungen mit Roggen- und Weizenanbau ebenso förderlich gewesen wie die „notorische Kleinstaaterei“ in Deutschland. Dem dominanten Genusswert von Brotqualitäten ist auch Prof. Michael Kleinert, gelernter Bäckermeister und Leiter des Instituts für Lebensmittel- und Getränkeinnovation an der Züricher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, auf der Spur. Er forscht  zum charakteristischen Aroma des Brotes im Zusammenhang mit einer speziellen Kommunikationsansprache. Ähnlich wie beim Wein plädierte er für den Einsatz bestimmter Signalwörter und Beschreibungen wie „feinherb-nussig“, „typische Säure“ oder die „langanhaltende Feuchte der Brotkrumen“.

Einen weiteren Verbündeten hat das deutsche Backhandwerk  in  Stephan Becker-Sonnenschein, Geschäftsführer des Vereins „Die Lebensmittelwirtschaft“. Die Bewerbung des deutschen Brotes zum immateriellen Weltkulturerbe war zugleich der Start eines neuen Website-Auftritts zum Thema „Vielfalt der Esskultur“. In der Beitragsreihe des Vereins werden in den kommenden Wochen die unterschiedliche Wurzeln und Einflüsse dazu behandelt.

Sie rücken Brot ins Zentrum: Tim Mälzer (links) an der Seite von Peter Becker.
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