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Langer Atem gefordert

Brotexperten (von links): Peter Becker, Stephan Becker-Sonnenschein,
Andrea Fadani und Michael Kleinert.  (Quelle: Schlag)+
Brotexperten (von links): Peter Becker, Stephan Becker-Sonnenschein, Andrea Fadani und Michael Kleinert. (Quelle: Schlag)

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Frühestens 2017 kann Brot Unesco-Weltkulturerbe werden / Breite Unterstützung

Die Bäcker haben die Anerkennung der Brotkultur als immaterielles schon lange im Visier. Doch erst im vergangenen Jahr trat Deutschland der 2003 verabschiedeten Unesco-Konvention bei. Jetzt ist der Weg frei, sich um den begehrten Status zu bewerben.

Im November reichte der des Deutschen Bäckerhandwerks (ZV) den Antrag bei der Berliner Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten ein. Im April will das Land über die Aufnahme entscheiden. Dann geht das langwierige Verfahren auf nationaler Ebene weiter. Frühestens 2017 ist mit der internationalen Anerkennung zu rechnen. Damit würde die Rolle des deutschen Brotes als „Aushängeschild für Deutschland in der Welt“ weiter gestärkt, begründete ZV-Präsident Peter Becker das Engagement.

Trotz weiterer 128 Mitbewerber um den Titel aus dem eigenen Land ist das Bäckerhandwerk optimistisch. „Wir sind stolz auf unsere jahrhundertealte Tradition der deutschen Brotkultur, die ganz klar zu den berühmtesten und ältesten Kulturgütern zählt“, sagt Becker. Außerdem sei die Sortenvielfalt einzigartig. „Das Wissen um das Bäckerhandwerk ist ein Stück Kultur und stiftet Identität. Das ist es, was die Deutschen an ihrem schätzen und lieben und was es für die zukünftigen Generationen zu bewahren gilt“, ergänzte ZV-Hauptgeschäftsführer Amin Werner.

Unterstützung für den Eintrag in die Unesco-Liste erhält die Backzunft von namhaften Experten. Nach Ansicht von Andrea Fadani, Leiter des Brotmuseums der Brotkultur in Ulm, ist das Brot mit seiner 6000-jährigen Historie nicht nur Lebensmittel, sondern beschreibt auch Zivilisationsgeschichte. Für die ausgeprägte Entwicklung regionaler Vielfalt seien die bodenkundlichen und klimatischen Voraussetzungen mit Roggen- und Weizenanbau ebenso förderlich gewesen wie die „notorische Kleinstaaterei“ in Deutschland.

Dem dominanten Genusswert von Brotqualitäten ist auch Prof. Michael Kleinert auf der Spur. Der Bäckermeister und Leiter des Instituts für Lebensmittel- und Getränkeinnovation an der Züricher Hochschule für Angewandte Wissenschaften forscht zum charakteristischen Aroma des Brotes im Zusammenhang mit einer speziellen Kommunikationsansprache. Ähnlich wie beim Wein plädierte er für den Einsatz bestimmter Signalwörter und Beschreibungen wie „feinherb-nussig“, „typische Säure“ oder die „langanhaltende Feuchte der Brotkrumen“.

Einen weiteren Verbündeten hat das deutsche Backhandwerk in Stephan Becker-Sonnenschein, Geschäftsführer „Die Lebensmittelwirtschaft“. Der Verein hat einen neuen Website-Auftritt zum Thema „Vielfalt der Esskultur“ gestartet. In der Beitragsreihe werden die unterschiedliche Wurzeln und Einflüsse dazu behandelt.

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