ABZ - Das Fachportal für Bäcker

Klasse statt Masse

Britta Wüst aus Echterdingen möchte in der Bäckerei +Zur Fotostrecke
Britta Wüst aus Echterdingen möchte in der Bäckerei "Klasse statt Masse".

Weitere Artikel zu


Umfrage

Ein breites Sortiment schon ab Ladenöffnung – ist weniger manchmal mehr? Was erwarten die Kunden?

Stuttgart (uls). Heutzutage übertreffen sich die Betriebe, eine immer gigantischere Vielfalt in Regal und Theke zu präsentieren, und das am besten schon früh am Morgen ab Öffnung des Ladens: 15 Sorten Brote, 18 Plundervarianten und so weiter. Erfüllt man so aber ohne Beschränkung alle denkbaren Kundenwünsche? Oder gehen fast nicht mehr überschaubare Sortimente eher ins Negative, vergleichbar mit zu umfangreichen Speisekarten in Restaurants: „Das kann doch gar nicht alles selbst gemacht sein!“. ABZ-Autor Ulrich Stökle hat sich dazu bei Kunden umgehört:

Bärbel Strasser, Stuttgart, Angestellte:

Einen normalen Bäcker zu finden – das wird immer schwerer! Man sieht nur noch Filialisten, und die zähle ich nicht zu den Handwerksbetrieben! Mir selbst würde eine recht kleine Auswahl reichen. Ganz aus dem Bauch: Zehn oder fünfzehn Sorten könnten mir durchaus genügen, wenn die dafür perfekt hergestellt sind. Es müssen aus meiner Sicht nicht zu jedem Korn sieben Varianten angeboten werden! Lieber öfter abwechseln und nicht immer 100 Sorten gleichzeitig, denn die wird man sowieso nicht alle durchprobieren!

Britta Wüst, Echterdingen, Rechtsanwältin:

Beantworten wir es philosophisch: Weniger ist mehr! Bei Bäckereiketten bin ich sowieso misstrauisch, was die Qualität angeht. Umso mehr, wenn die massenhaft verschiedene Produkte anbieten. Handwerkliche Betriebe werden leider immer weniger. Wenn dort wenige Stammprodukte richtig gut hergestellt und nirgendwo anders so zu erhalten sind, dann genügt ein relativ kleines Sortiment solcher Topartikel ohne weiteres. Klasse statt Masse eben!


Hannelore Hoffmann, Stuttgart, Schneiderin:

Mir ist vor allem wichtig: Qualität und keine Zusatzstoffe! Auf ein aufgeblähtes Sortiment bin ich nicht scharf. Lieber wenig und dafür alles komplett frisch, ganz ohne Backmischungen, sondern handwerklich hergestellt – darauf lege ich Wert! Für ein wenig Abwechslung sollten Bäcker eher wöchentlich oder monatlich ihr Sortiment variieren, anstatt jeden Tag alles miteinander anzubieten.

Jann Steinmetz, Stuttgart, Lehrer:

Mir ist eine Vielfalt schon wichtig. Immer nur dasselbe in relativ geringer Auswahl, das wäre mir zu wenig, das wird langweilig und dann würde ich irgendwann nicht wieder kommen. Allerdings gibt es auch bei der Vielfalt Grenzen: Wenn es zu viel wird, verliert man schnell den Überblick. Und die Qualität der Waren ist mir beim Einkauf natürlich auch wichtig. Ein knackiges Sortiment, das mich anspricht, das ist letztlich das Entscheidende.

 

Susanne Bock, Stuttgart, Lehrerin:

Eine gewisse Vielfalt ist mir nicht übermäßig wichtig, denn ich bin nicht der typische Wechsel-Käufer. Wert lege ich in erster Linie auf Vollkornprodukte, zumindest was das Brot anbelangt. Die süßen Stückchen sollten für mich vor allem von Hand selbst gemacht sein, keine solchen 08/15-maschinell gestanzten Teile. Dann reichen mir hier auch wenige, aber dafür richtig gute Produkte! Wenn mir ein Bäcker ein einziges Teil, beispielsweise einen Flachswickel anbieten kann, reicht mir das und ich brauche nichts anderes mehr.


Walter Ziegler, Stuttgart,  Verwaltungsangestellter:

Beim Brot ist es mir in der Tat manchmal zu viel. Ein zu großes Angebot erschlägt mich und ich weiß fast nicht mehr, was ich kaufen soll. Um eine Zahl zu nennen: Sechs verschiedene Brottypen würden mir locker reichen, schließlich wechsle ich in der Regel sowieso immer nur zwischen drei Sorten. Bei den süßen Sachen sieht es allerdings anders aus. Die stehen meist nicht auf dem Einkaufszettel, die nehme ich nämlich spontan mit. Hier muss man nach Gusto wählen können. Da sollten deshalb richtig viele zur Auswahl sein. Die Brötchen sehe ich, was die Anzahl angeht, irgendwo zwischen den Broten und den Süßen Stückchen.

Weitere Artikel aus Fokus vom 22.11.2011:

 

Bisher keine Leser-Kommentare zum Artikel