ABZ - Das Fachportal für Bäcker


Ist der Pappbecher besser als sein Ruf?

In Bäckereien ist Kaffee zum Mitnehmen ein wichtiger Umsatzbringer. (Quelle: Ulrich C. Leopold/Pixelio.de)+
In Bäckereien ist Kaffee zum Mitnehmen ein wichtiger Umsatzbringer. (Quelle: Ulrich C. Leopold/Pixelio.de)

Weitere Artikel zu


Stellungnahme

Der Deutsche Kaffeeverband schaltet sich in die Diskussion um Einwegbecher ein. Hauptgeschäftsführer Holger Preibisch bricht eine Lanze für den viel gescholtenen Pappbecher.

Hamburg (abz). Bei der Diskussion um die Nutzung von Einweg- oder Mehrwegbechern sind mehrere Aspekte zu betrachten, heißt es in einer Pressemitteilung des Deutschen Kaffeeverbands. Der Verband stellt die Aspekte Hygiene, Extra-Steuer auf Einwegbecher und Ökologie in den Mittelpunkt. , Hauptgeschäftsführer des Verbands, sieht Bestrebungen, dem verursachenden Einwegbecher den Kampf anzusagen, eher skeptisch: „Keiner schleppt einen Mehrwegbecher zum Bahnhof oder beim Einkaufen durch die Stadt, weil er sich dort vielleicht einen Coffee kaufen will. Das vom Konsumenten zu fordern, ist weltfremd.“

Hygiene

Die Befüllung eines selbst mitgebrachten Mehrwegbechers anstelle eines Einwegbechers kann zu hygienischen Problemen in ausschenkenden Betrieben führen, so der Kaffeeverband in seiner Stellungnahme. „Ich möchte nicht an Lippenherpes erkranken, nur weil die Bedienung in einem Café kurz zuvor den schlecht gereinigten Mehrwegbecher eines Kunden befüllt hat“, sagt Holger Preibisch. Die Gründe könnten sein: Verunreinigung mit Bakterien durch den Transport in einer nicht sterilen Verpackung wie Rucksack oder Handtasche. Auch sei der Tresenbereich in Cafés, Bäckereien und Kaffeebars ein hygienisch sehr sensibler Bereich. Durch einen mitgebrachten Mehrwegbecher könne die Verkeimung der dortigen Schankanlagen und Kaffeemaschinen drohen, gibt der Verband zu bedenken. Deshalb untersagten viele Unternehmen „aus Verantwortung gegenüber ihren Kunden“ das Befüllen von Mehrwegbechern durch ihre Mitarbeiter.

Extra-Steuer auf Einwegbecher

Im Zuge der Diskussion um die Reduzierung von Verpackungsmüll wird vereinzelt die Forderung nach einer Besteuerung von Einwegbechern diskutiert. Der Deutsche Kaffeeverband lehnt eine solche Forderung aus folgenden Gründen ab: Eine Reduktion des Becherkonsums aufgrund einer Abgabe erscheint insgesamt zweifelhaft. Vielmehr sei damit zu rechnen, dass der Konsum unverändert bleibt oder eine Abwanderung zu anderen Getränkegruppen stattfindet, die ebenfalls nicht dem Mehrwegsystem angehören wie Getränke in Plastikbechern oder in Einwegverpackungen. Im Sinne der Gleichbehandlung müssten nicht nur Einwegbecher, sondern auch sämtliche andere Einwegverpackungen wie Bäckertüten, Pizzakartons oder Erdbeerschalen von einer Besteuerung erfasst werden. Preibisch: „Eine Zwangsabgabe auf den Coffee to go, der verkauft wird, ist eindeutig rechtswidrig. Das lese ich auch aus dem Rechtsgutachten des Anwalts, den die Deutsche Umwelthilfe zitiert.“

Ökobilanz

Bei der Diskussion sei auch die jeweilige Ökobilanz zu betrachten. Dabei sollten verschiedene Kriterien berücksichtigt werden, so der Kaffeeverband. Zum Beispiel: die Anzahl der Nutzungen eines Mehrwegbechers, Ressourcenaufwand bei der Herstellung des Mehrwegbechers, Reinigungsfrequenz der Mehrwegbecher, Energieverbrauch des Geschirrspülers, Wasser- und Energieverbrauch beim Abwasch des Mehrwegbechers, Gewicht des Einwegbechers, Recycling des Einwegbechers. Je nach Verbraucherverhalten könnten diese Kriterien variieren.

Der Verband zitiert eine Studie der niederländischen Organisation für angewandte Wissenschaft TNO. Diese habe die sogenannten Schattenkosten von Einweg- und Mehrwegbechern untersucht. Schattenkosten drückten die Umweltbelastung eines Produktes oder Systems in Euro aus. Demnach liegen die Schattenkosten für wiederverwertbare zwischen 2,52 Euro und 4,67 Euro. Der Einwegbecher schwanke zwischen 0,85 Euro und 1,45 Euro. Diese Schwankungen in der Umweltbelastung beruhten insbesondere auf der unterschiedlichen Nutzung und Reinigung der Mehrwegbecher und auf der unterschiedlichen Materialqualität des Einwegbechers. Der Berechnung liegt zugrunde, dass Mehrwegbecher zwischen 500 und 3000 Mal genutzt werden.


Lesen Sie hierzu folgende Bücher


  • Snacks
    Werner Kräling | Jürgen Rieber

    Snacks

    Das Spektrum der Snacks ist riesig: Belegte Brötchen, Brote, Sandwiches, Bagels, Seelen, Waffeln, Muffins, Fladenbrote, gebackene Snacks, Panini, Pizza, Strudel, Zwiebelkuchen, Quiches, Flammkuchen und kleine Gerichte.

    mehr...

Die Kehrseite des bequemen To-go-Geschäfts ist der Müll.
Auch interessant

Alternative zum Pappbecher

Kaffee zum Mitnehmen ist ein wichtiger Umsatzbringer, verursacht aber eine Menge Müll. Setzen Bäcker künftig auf den Mehrwegbecher? mehr...

Lesen Sie hierzu auch folgende Artikel:

 

Bisher keine Leser-Kommentare zum Artikel