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Inklusion ist eine Chance

Matthias Anderle (l.) und sein Chef, Konditormeister Johann Weber in der Backstube. (Quelle: privat)+
Matthias Anderle (l.) und sein Chef, Konditormeister Johann Weber in der Backstube. (Quelle: privat)

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Matthias Anderle ist Bäcker. Und er hat das Downsyndrom. Im Jahr 2003 hat er seine Lehre in der Konditorei Weber in Ammerthal begonnen. „Das wollte ich schon immer machen“, sagt der heute 34-Jährige.

Bäckerlehre

mit Downsyndrom

Also fasste er sich damals ein Herz und ging auf Konditormeister Johann Weber (61) zu, denn „Johann Weber ist mein Freund“, sagt Anderle. „Ich habe ihn gefragt, ob ich eine Lehre bei ihm machen kann.“ Das durfte er. Mit 19 begann er die Ausbildung zum Bäcker. Nach drei Jahren legte er die Prüfung ab und bestand.

„Matthias ist der einzige Bäckerlehrling mit Handicap, der in einem normalen Handwerksbetrieb gelernt und die Ausbildung erfolgreich beendet hat“, sagt Johann Weber. „Ohne Hilfen, spezielle Vorkehrungen oder einen besonderen Arbeitsbereich.“ Ob das manchmal Probleme bereitet hat? „Nein, gar keine“, sagt Anderle.

Auch (56) arbeitet seit 2016 mit Menschen mit Behinderung in seinem Inklusionsbetrieb zusammen. „Wir bilden die Behinderten insofern aus, dass wir sie zu vollwertigen Hilfsarbeitern ausbilden“, erklärt der Bäckermeister. In seinem Betrieb in Karlsruhe arbeiten 17 Angestellte, sieben davon mit Behinderung.

„Alle Behinderten, die bei uns arbeiten, sind von Anfang an da oder sie sind dazugekommen“, sagt Schmidt. „Das spricht für das Konzept und für unsere Zufriedenheit mit ihrer Arbeit.“

Betriebe, die mit Schwerbehinderten zusammenarbeiten oder sie ausbilden möchten, können sich an die Agentur für Arbeit wenden. „Die Agentur für Arbeit schlägt Behinderte vor, die sich als Mitarbeiter für uns eignen“, sagt Schmidt.

Beratung vom

Integrationsfachdienst

Im Anschluss wird gemeinsam mit dem Integrationsfachdienst (IFD) der passende Kandidat ausgesucht. Fachdienste arbeiten im Auftrag der Integrationsämter. „Wir haben einen Betreuer vom Fachdienst zur Seite gestellt, der regelmäßig zu uns kommt.“ Neben Routinegesprächen helfe der Betreuer bei akuten Problemfällen.

„Die größte Hürde ist die Bürokratie“, sagt Schmidt. Alle zwei Jahre müssten alle Behinderten erneut geprüft werden, ob es von den Anforderungen passt.

Die Behinderten arbeiten in Schmidts Betrieb nie alleine. In Sachen Hygiene muss alles geregelt sein.

„Das ist in jedem Betrieb so, völlig unabhängig von Behinderung oder nicht“, sagt Schmidt. Wie er sich auf die Arbeit mit Menschen mit Behinderung vorbereitet hat? „Das Leben war meine Vorbereitung“, sagt er. „Ich bin praktizierender Christ. Das, was ich in der Kirche höre und selbst predige, kann ich leben – auch mit Behinderten.“

„Grenzen sehen

und akzeptieren“

Johann Weber sieht großes Potenzial darin, Behinderte für das Handwerk zu begeistern. Sie seien häufig praktisch begabt. „Von der Arbeit her sind nur wenige Abstriche zu machen“, sagt Weber. „Ich hoffe, dass mehr Kollegen jungen Menschen mit Behinderung eine Chance geben, in ihrem Betrieb zu arbeiten“, sagt er. Der Branche mangele es an Arbeitskraft, die sie bei Schwerbehinderten finden könnte. „Nach meinen Erfahrungen wird man von diesen Menschen nicht enttäuscht“, sagt Weber.

Auch Thomas Schmidt macht sich dafür stark: „Behinderte sind keine zweitklassigen Menschen. Jeder hat Grenzen, an die er kommen kann. Die muss man sehen und akzeptieren. Ich kann zum Beispiel kein Englisch.“

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