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„Hinterher sein, dass du alles lernst“

Fortbildung macht auch Spaß, wie hier bei einem Seminar in Weinheim. (Quelle: ADB)+
Fortbildung macht auch Spaß, wie hier bei einem Seminar in Weinheim. (Quelle: ADB)

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Lebenslanges Lernen als Konzept hat sich schon lange in der Arbeitswelt etabliert. , die den wandelnden Anforderungen im Beruf gerecht werden möchten, bilden sich weiter.

Fortbildungen helfen aber auch, sich von Kollegen abzuheben sowie qualifizierter und schneller zu arbeiten. Das kann beim Arbeitgeber positiv auffallen und später bei Gehaltsverhandlungen oder gar für eine Beförderung relevant sein. Doch nicht jeder hat den Anspruch an sich – obwohl es sich lohnt.

Fortbilden

– auch auf eigene Kosten

Warum das so ist, hat „next“ Turhan Carkacioglu (25) gefragt. Er arbeitet jetzt als Geselle in der Produktion einer größeren Bäckerei bei Stuttgart und hat während seiner Ausbildung Fortbildungen auf eigene Kosten besucht.

Seine Motivation dabei ist klar: „Ich habe einen gewissen Ehrgeiz“, sagt Turhan. „Ich möchte immer alles wissen und am liebsten auch immer der Beste sein – zumindest besser als meine Arbeitskollegen. Daher habe ich den Willen, mich ständig fortzubilden.“

Während der Ausbildung besuchte er die Fortbildung „Top Ten“ in Stuttgart. In dem Kurs konnte er sein Wissen rund um Teige und Brot vertiefen und lernte alles zu Sauerteig, Vorteigen, Aufarbeitung von Brot, verschiedene Brotsorten, Roggensauer. Außerdem besuchte er einen Blätterteig- und einen Plunderkurs.

Finanzielle Unterstützung

von den Eltern

Die Kosten zahlte er, so weit es möglich war, selbst. „Die Kurse zum Blätterteig und zum Plunderteig konnte ich noch selbst bezahlen“, sagt Turhan. „Der Top Ten-Kurs jedoch war teurer. Er hat 250 Euro gekostet, da haben mich meine Eltern finanziell unterstützt.“

In seinem Ausbildungsbetrieb waren Fortbildungen von Seiten des Chefs nicht angedacht. „Ich habe in einem kleinen Betrieb gelernt, da musste jeder ran und alles hauptsächlich schnell gehen.“

Turhan besuchte die Kurse trotzdem: „Ich konnte meinen freien Tag immer so mit meinen Kollegen tauschen, dass ich zum Kurs konnte. Das ging gut, und es hat sich gelohnt.“

Seine Kollegen hätten den Unterschied direkt gemerkt und Fortschritte bei ihm und seiner Arbeit festgestellt. „Das hat mir gezeigt, dass ich so weitermachen kann“, sagt Turhan.

Bei seinem jetzigen Arbeitgeber sind Fortbildungen erwünscht. Sein Chef und die beiden Meister spornen ihn, aber auch die anderen Mitarbeiter an, sich weiterzubilden. Egal, ob Azubi, Geselle oder Meister, die Kosten würden von A bis Z vom Betrieb übernommen.

Das sei zwar eine tolle Sache, dennoch würde sich Turhan auch weiter auf eigene Kosten fortbilden: „Du investierst letztlich in dich und dein Können“, sagt er. „Das versuche ich auch unseren Azubis mitzugeben. Gerade in einer großen Bäckerei ist es schwer, sich in jedem Bereich gut auszubilden.“

Weiterbilden,

um sich abzuheben

Die Produktion, in der er an Sonntagen für die Herstellung und Kommissionierung der Croissants und Plunder verantwortlich ist, sei riesig. Daher ist er überzeugt, dass es schwer möglich ist, einen vollständigen Überblick über alle Arbeitsabläufe zu erhalten.

„Deswegen musst du hinterher sein, dass du alles lernst“, sagt Turhan, „und es dir zur Not selbst aneignen.“

Doch nicht jeder sei so zielstrebig wie er: „Manche sind gemütlicher eingestellt als andere und sehen nicht die Notwendigkeit, sich vom Rest abzuheben“, sagt er. „Du musst das eben wollen.“

Auf die Frage, ob es noch etwas gebe, was er noch lernen möchte, nennt er „Stipfeln“: „Das kann ich gar nicht. Ich übe und übe und stelle mich eigentlich nicht dumm an, aber das kann ich einfach nicht.“

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