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Handzeichen gegen das Handwerk?

Anliegen des Handwerks finden oft keine politische Mehrheit. +
Anliegen des Handwerks finden oft keine politische Mehrheit.

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Kein Spitzenausgleich bei der Energiesteuer, strengere Steuerregeln fürs Ehrenamt – zwei Beispiele. Vergessen Politiker die Bäcker?

Ausgerechnet dieser Posten: Schon jetzt machen die Energiepreise Bäckern zu schaffen. Und schon jetzt zahlen sie für jede Kilowattstunde mehr als so mancher industrielle Großbetrieb – weil es die Politik so will. Damit nicht genug. „Nach der Netzentgeltumlage zeichnet sich ein weiteres Ärgernis für Handwerksbetriebe ab“, kritisierte Badens Landesinnungsmeister bei der des Bäckerinnungsverbands in Buchen (Seite 26).

Konkret geht es um den sogenannten Spitzenausgleich bei der Energiesteuer. Diese Vergünstigung gewährt der Fiskus energieintensiven Branchen, dazu wird auch das Bäckerhandwerk gerechnet. Knackpunkt: Der Ausgleich soll ab nächstem Jahr an die Einführung eines zertifizierten Energiemanagementsystems gebunden sein. Das geht aus einem aktuellen Entwurf des Bundesfinanzministeriums hervor. Darin ist auch vorgesehen, den Betrieben ab 2015 Einsparauflagen zu machen. Nur wer jährlich 1,2 Prozent weniger Strom und 0,9 Prozent weniger Wärme verbraucht, soll den Ausgleich erhalten. Bedingung: Die Einspareffekte müssen nach dem Willen der Politik allein durch technische Modernisierung erreicht werden. Landesinnungsmeister Fritz Trefzger befürchtet, dass das Handwerk beim Spitzenausgleich außen vor bleibt. Die meisten Bäckereien seien zu klein, als dass sich ein zertifiziertes rechnen würde, betonte er in Buchen – und blickte auf einen prominenten Gast. Peter Hauk, der CDU-Landtagsfraktionschef, war gekommen, um zu den Bäckern zu sprechen. Hauk zeigte Verständnis für die Kritik, ohne jedoch konkret zu werden. Deutliche Worte fand er für die Energiewende: In zehn Jahren, so Hauk, werde in Deutschland nur noch halb so viel konventioneller Strom erzeugt wie heute. Die Konsequenz: „mehr Energieeffizienz“ und vor allem „mehr Import von Strom“. „In der Diskussion über alternative Energieträger wird oft die Frage vergessen, ob diese grundlastfähig sind“, sagte Hauk. Was die Kosten für die Energiewende angeht, betonte Landesinnungsmeister Trefzger gegenüber dem Politiker: Die großen Betriebe werden von Gebühren befreit, wir kleinen Handwerker zahlen die Zeche. Ich wünsche mir ein wenig mehr Respekt für unsere Arbeit.“

Massive Zweifel daran, ob die Arbeit des Handwerks anerkannt wird, hat auch eine andere neue Vorgabe aus dem Bundesfinanzministerium geweckt. Sie betrifft die Vergütung ehrenamtlicher Tätigkeiten. Ab Ende des Jahres sollen strengere Regeln für die Umsatzsteuerbefreiung gelten. Pauschale Vergütungen, die Handwerker unabhängig vom Zeitaufwand bekommen, müssen voll versteuert werden. Für ehrenamtlich Tätige kann das bedeuten, dass sie die Arbeitsstunden genau dokumentieren müssen. „Lassen Sie es mich ganz klar an die Richtung der Politik sagen: So fördert man kein Ehrenamt“, machte ihrem Ärger in Buchen Luft. Die Geschäftsführerin des Bäckerinnungsverbands kündigt an, „zusammen mit dem Zentralverband des Deutschen Handwerks alles zu unternehmen, um die alte Regelung wieder herzustellen.“

Ob die Anliegen der Bäcker sich auf Merkzetteln von Politikern wohl wiederfinden werden?

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