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Ausbildung
Bäckerei Müssig beschäftigt eine texanische Auszubildende. Nicht ungewöhnlich, fast 40 Prozent der Lehrlinge haben Migrationshintergrund.
Stuttgart Bereits zu Kinderzeiten liebt Jenny den Geruch von deutschem Gebäck. Als ihre Eltern nach Texas auswandern, bleibt dieser der 21-jährigen stets in guter Erinnerung. Aber eine Ausbildung in Amerika als Bäckerin? Keine Chance.
Doch Jenny hat besonderen Ehrgeiz. Weit weg von ihren Eltern in Texas bewirbt sich das Mädchen in Deutschland. Und hat Glück. Ihre Oma kennt über ein paar Ecken Bäckermeister Peter Müssig in Walldürn. Dieser bietet Jenny gerne die Chance auf eine Ausbildung zur Bäckerin im deutschen Handwerk. Heute ist der Inhaber der Bäckerei Müssig ganz begeistert von der talentierten Amerikanerin: „Jenny hat eine besondere Begabung, wenn es um die Herstellung von Kleingebäck und Torten geht.“ Und diese fördert und fordert er. Kurz vor ihrer Gesellenprüfung bringt die 21-jährige selbstständig Ideen ein, wenn Kunden individuelle Wünsche äußern.
Auch in ihrer Berufsschule in Mannheim kann sie mit Traumnoten punkten. Integration in die Gesellschaft? „Sicher ist aller Anfang schwer, doch dank einem treusorgenden Umfeld und ihrer offenen Art ist Jenny in Deutschland angekommen“, meint Müssig. Und sie fühlt sich wohl hier. Ein Vorzeigemodell? Ein ausgefallenes vielleicht. Und doch soll es zeigen, dass Integration Schule macht. Denn bereits heute haben beispielsweise fast 40 Prozent aller Lehrlinge, die in Nordrhein-Westfalen eine Ausbildung im Bäckerhandwerk beginnen, einen Migrationshintergrund. Das heißt, sie selbst, ihre Eltern oder Großeltern sind im Ausland geboren. „Wir Bäcker sind nicht nur kreativ und innovativ. Wir sind von unserer Einstellung her auch offen für alle, die sich einbringen wollen“, so Heribert Kamm, Vorsitzender des Bäckerinnungs-Verbandes Westfalen-Lippe.
Insgesamt sind 78 Prozent der Jugendlichen mit ihrer Ausbildung im Bäckerhandwerk zufrieden. Vergleicht man die Zufriedenheit der Auszubildenden mit und ohne Migrationshintergrund, zeigen sich in den beiden Extremkategorien »sehr zufrieden« und »sehr unzufrieden« große Unterschiede. Lehrlinge mit Migrationshintergrund geben häufiger an, sehr zufrieden mit ihrer Ausbildung zu sein. Gleichzeitig sind sie meist aber auch unzufriedener.
