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INTERVIEW der woche
Das Ausbildungsengagement des Handwerks orientiert sich auch an der Verantwortung gegenüber der Gesellschaft. Fehlentwicklungen in Schule und Familie dürfen aber nicht weiterhin erst im Nachhinein korrigiert werden. In einem Interview für das Internet-Magazin „SFB – Soziales, Familie, Bildung“ begrüßt Otto Kentzler, der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), daher die Qualifizierungsinitiative der Bundesregierung.
Kentzler: Jeder 10. Mitarbeiter im Handwerk ist ein Lehrling – diese Quote erreicht kein anderer Wirtschaftszweig. 2007 haben wir unser selbst gestecktes Ziel übertroffen und mehr als 182.000 neue Lehrverträge abgeschlossen, rund 13.000 mehr als im Vorjahr. Das zusätzliche persönliche Engagement vieler Betriebsinhaber für Jugendliche aus schwierigen sozialen Verhältnissen, für Jugendliche mit schwachen Schulabschlüssen oder Ausbildungshandicaps wie etwa der alleinigen Verantwortung für ein Kleinkind, wird nicht in Zahlen erfasst. Gerade Handwerksbetriebe engagieren sich hier jedoch freiwillig und in hohem Maße aus Verantwortung gegenüber der Gesellschaft.
Kentzler: Das Handwerk hat vor nunmehr zwei Jahren einen ersten Anstoß mit seinem Konzept für einen „Nationalen Bildungspakt“ gegeben. Viele unserer Anregungen sind in die Qualifizierungsinitiative eingeflossen. Das vorrangige Ziel muss die Verbesserung der Ausbildungsfähigkeit der Schulabgänger sein. Dazu müssen Anstrengungen bereits im Vorschulalter erfolgen, etwa beim sprachlichen Vermögen als Grundlage für den späteren Schulbesuch. Die Schüler wiederum müssen frühzeitig mit der Wirtschaft und den Anforderungen im Beruf vertraut gemacht werden. Das bringt zusätzliche Motivation, wie zahlreiche Pilotprojekte in verschiedenen Bundesländern zeigen.
Kentzler: Es besteht die Gefahr, dass Betriebe ihr reguläres Ausbildungsengagement von einer Subventionierung abhängig machen und so ein unerwünschter Mitnahmeeffekt eintritt. Es kann auch nicht sein, dass Realschulabsolventen mit guten Zeugnissen gefördert werden, nur weil sie im ersten Anlauf keinen Platz in ihrem Traumberuf gefunden haben. Wir brauchen daher zumindest klare, eng gefasste Kriterien – bei der Erfassung der Betriebe, die gefördert werden sollen, und bei der Definition der Zielgruppe. Uns stört darüber hinaus der hohe bürokratische Aufwand für das Programm.
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