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Geld allein macht nicht glücklich

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Bäcker bewerten Höhe des Tariflohns für Azubis unter-schiedlich. Sie setzen auch auf individuelle Förderung ihrer Azubis und locken mit Zusatzleistungen. „Nach oben ist alles offen“, heißt es in mehrfacher Hinsicht.

Von Dorothee Hoenig

470 Euro monatlich im ersten Lehrjahr, im zweiten Ausbildungsjahr gibt’s 600 Euro, im dritten 730 Euro. Diese neuen Ausbildungsvergütungen gelten ab 1. September für Auszubildende des Bäckerhandwerks in ganz Deutschland.

Ist das nun viel oder

wenig?

Wecken diese Löhne bei jungen Leuten die Lust aufs Bäckerhandwerk?

„Es liegt nicht nur am Geld“, sagt Bayerns Landesinnungsmeister Heinz Hoffmann. „Wenn die Betriebe den über 18-jährigen Auszubildenden die Zuschläge für Sonntags- und Nachtarbeit korrekt zahlen, ist die Ausbildungsvergütung gut so.“ Und außerdem: „Nach oben ist alles offen“, das müsse jeder selbst entscheiden.

Ebenso wichtig wie eine angemessene ist für Heinz Hoffmann, „den Spaß und das Schöne am Beruf zu zeigen und zu vermitteln“. Er kümmert sich um seine Azubis: Er zahlt zum Beispiel ihr Schulgeld und spendiert Weihnachten einen Tanzkurs. „Man muss sie abholen, wo sie sind, und mit ihnen einen Plan für die aufstellen“, rät er Kollegen. Feste Bezugspersonen hält er für sehr wichtig, ebenso Weiterbildung: „Jeder, der gefördert werden will, wird bei mir gefördert.“ Auf das Ergebnis seiner Bemühungen als Ausbilder ist er stolz: Seine Azubis bekommen in der Schule nur Einsen und Zweien – und es besteht in seinem Betrieb kein Mangel an Interessenten für den Bäckerberuf. „Ich habe genug Azubis, schon für das nächste Jahr“, sagt Hoffmann.

Über Tarif bezahlen

„Das ist zu wenig, im Vergleich mit anderen Ausbildungsberufen“, bewertet der schleswig-holsteinische Landeslehrlingswart Helmut Börke den Tariflohn für Azubis. „Beim Kampf um die Lehrlinge sind die anderen zu hoch gegangen“, sagt er: „Wir liegen weit unten. Dabei leisten unsere Azubis sehr viel. In der Backstube und im Verkauf wird den jungen Leuten viel abverlangt.“ In seinem Betrieb geht Börke daher bei der Ausbildungsvergütung über den Tarif hinaus - wenn die Leistungen stimmen: Ein Hauptschüler mit der Abschlussnote Zwei und ein Realschüler mit der Note Drei – oder besser – bekommt bei ihm im ersten Ausbildungsjahr 150 Euro Aufschlag, im zweiten 200 und im dritten 250 Euro. Das ist kein Geheimnis. Damit wirbt Helmut Börke auch auf seiner Internetseite um Nachwuchs für den Betrieb.

„Geld allein ist nicht entscheidend“, meint Börke. Man müsse am Image arbeiten und jungen Leuten entgegenkommen: Was viele am Bäckerberuf abschrecke sei zum Beispiel das frühe Aufstehen. Einige Kollegen fingen schon um 0 Uhr in der Backstube an. „Das sind bei uns Ausnahmen. Wir beginnen überwiegend ab 3 Uhr.“

„Die obere Grenze des Machbaren ist erreicht“, meint Manfred Stelmecke aus Borne in Sachsen-Anhalt. „Der Tarifabschluss ist ein Kompromiss aus den Interessen der verschiedenen Bundesländer“, sagt er. „Einige Bundesländer hätten gerne eine Schippe mehr gehabt, andere nicht.“ Durch die Angleichung der Ausbildungsvergütungen in den neuen Bundesländern an das Niveau in den alten Bundesländern hätten die Ausbildungsbetriebe im Osten seit fünf Jahren immer wieder erhöhen müssen. Mehr ginge nicht.

Andererseits ist gerade in den neuen Bundesländern der Azubimangel schmerzlich zu spüren. Manfred Stelmecke setzt auf Großzügigkeit – zum Beispiel durch ein kostenloses Frühstück und Personalrabatt – und individuelle Problemlösungen. „Bei uns auf dem Dorf ist der frühe Arbeitsbeginn ein großes Problem, weil noch keine öffentlichen Verkehrsmittel fahren.“ Da nütze auch keine höhere Ausbildungsvergütung. Seine Lösung: Er hat eine kleine Wohnung, die er günstig an Lehrlinge vermietet. „Zusätzlich ein Mietzuschuss vom Amt, dann reicht das Geld.“

Auf junge Leute eingehen

„Die Anpassung nach oben ist gerechtfertigt“, sagt Bäckermeister Thomas Dieringer aus Esslingen in Baden-Württemberg. „Unsere Auszubildenden arbeiten hart und erbringen gute Leistungen, das muss honoriert werden.“ Er geht in Ausnahmefällen – zum Beispiel bei einer 23-Jährigen mit Abitur – höher als der Tarif, teilweise zahlt er Fahrtkostenzuschüsse.

Sein Rezept gegen die Azubi-Knappheit: „Wir haben uns in den letzten Jahren sehr eingestellt auf das Bedürfnis unserer Auszubildenden, freie Zeit zu haben. Jeder soll möglichst Urlaub bekommen, wie er will, Freizeitausgleich für Feiertage und anderes bieten wir. Das macht vieles wieder gut.“

„Man darf Azubis nicht als billige Arbeitskräfte ausnutzen – das hat die Bäckerausbildung in Verruf gebracht“, meint Thomas Dieringer. Seine Auszubildenden „gerecht zu behandeln, wert zu schätzen“, empfiehlt er seinen Kollegen.

Für „vollkommen ausreichend“, hält Thomas Götz-Smilgies seine Ausbildungsvergütung. Er ist 18 Jahre alt und lernt im zweiten Jahr in der Bäckerei Börke auf Fehmarn in Schleswig-Holstein. Als guter Schüler zahlt ihm sein monatlich 200 Euro über dem Tarif. „Ich komme mit dem Geld gut aus“, sagt Thomas: „Ich lege sogar monatlich 250 Euro auf ein Extrakonto für größere Anschaffungen, zum Beispiel ein Sofa“, erzählt er. Und ohne die 200 Euro Aufschlag? Auch das würde „vollkommen ausreichen“, meint er. Dann müsste er eben länger für das neue Sofa sparen. Solange er bei seinen Eltern wohne, käme er gut mit seinem Geld aus.

Für „gar nicht so schlecht verglichen mit anderen Gewerken“ hält Michael Lehmann die neuen Ausbildungsvergütungen. Der gelernte Bäcker unterrichtet den Berufsnachwuchs in der Kieler Gewerbeschule. Die meisten Schüler wohnen bei ihren Eltern, sagt er. Einige zögen dann aber auch in eine kleine Wohngemeinschaft oder mit einem Partner zusammen, so Lehmann: „Dann gibt es manchmal massive finanzielle Probleme.“


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