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„Für das Brot als hochwertiges Lebensmittel sensibilisieren“

Lutz Geißler mit einem seiner bisher vier veröffentlichten Brotbücher. (Quelle: Wolf)+
Lutz Geißler mit einem seiner bisher vier veröffentlichten Brotbücher. (Quelle: Wolf)

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Lutz Geißler bedient das wachsende Interesse der Verbraucher rund ums Brot

Das Gespräch führte

Reinald Wolf

(33) ist Diplomgeologe und hat sich als Brotblogger einen Namen gemacht. Seit 2009 ist er mit seinem Plötzblog aktiv – bei stetig steigender Aufmerksamkeit und Resonanz. Momentan hat er rund 100.000 Besucher, 10.000 Facebookfreunde und 2300 Newsletter-Abonnenten. Außerdem bietet er Seminare für Verbraucher und Profis an – und hat bisher vier Brotbücher veröffentlicht. Im sagt er, wie ein derartiger Zuspruch mit Themen rund ums zu erklären ist und ob er mit seinen Aktivitäten dem Bäckerhandwerk schadet.

ABZ: Zwischenzeitlich müssten sie ja von Ihren Unternehmungen rund ums Brot ganz gut leben können.

Lutz Geißler: Das ist richtig. Muss ich aber auch, denn ich habe keine Zeit mehr, meinen Job als Geologe auszuüben. Allerdings läuft der Blog jetzt im Hintergrund. Die Basis meiner Arbeit ist die Rezeptentwicklung. Außerdem bin ich viel in Sachen Seminare unterwegs.

Wie kam es denn dazu, dass Sie vom Geologen zum „Bäcker“ umgesattelt haben?

Geißler: Das Brotbacken und Brotbloggen habe ich erst als Hobby zur Zerstreuung und Entspannung betrieben. Am Anfang war es ein Blog mit allen möglichen Themen. Aber die Brotthemen dominierten bald und dadurch haben sich die Besucherzahlen und Anfragen so rasant entwickelt, dass ich mich quasi für meine Berufung entscheiden musste.

Wie erklären Sie sich den Erfolg in ihrem neuen Metier?

Geißler: Ich weiß es nicht. Vielleicht liegt es daran, dass ich nur mit natürlichen Zutaten und viel Zeit backe und damit die Themen Transparenz, Gesundheit und Bekömmlichkeit anspreche. Ich kann die Fragen offenbar zur Zufriedenheit der Verbraucher beantworten. Außerdem ist es mein Anspruch, dass die von mir präsentierten Rezepte stimmen.

Das erklärt aber noch nicht, warum das Interesse am Selbstbacken offenbar stark zugenommen hat. Man könnte das Brot ja auch kaufen. Können Bäcker nicht mehr backen?

Geißler: Das ist mir zu polemisch. Aber ich höre häufig, dass Verbraucher vor Ort keinen Bäcker mehr haben oder keinen Bäcker finden, dessen Brot ihnen schmeckt. Außerdem herrscht ein großes Misstrauen gegenüber der relativ anonymen Massenware von Ketten und der Industrie – ob berechtigt oder nicht. Ein weiterer wichtiger Punkt: Die Menschen sehen handwerkliche Tätigkeiten als Ausgleich für ihre Bürojobs – auch das Backen.

Klingt harmlos. Aber eigentlich sind Ihre Aktivitäten ein Affront gegen das Bäckerhandwerk. Schaden Sie dem Bäckerhandwerk?

Geißler: Ich will das Bäckerhandwerk nicht verteufeln. Da gibt es sehr gute Betriebe, die hervorragende Backwaren bieten. Wenn das nicht der Fall ist, kann es eben sein, dass sich die Verbraucher abwenden und Wege suchen, zu guten Backwaren zu kommen. Viele Interessenten am Selbstbacken, backen aus der Not heraus. Sprich, die können oder wollen eh nicht beim Profi kaufen.

Aber könnte es nicht auch sein, dass Backwaren wieder verstärkt im stehen?

Geißler: Auf jeden Fall. Es gibt eine wachsende Minderheit an Konsumenten, die kritisch hinterfragen, was sie angeboten bekommen und was sie essen. Und dieses Interesse kann ich mit meinen Aktivitäten bedienen – und gleichzeitig für das Brot als hochwertiges sensibilisieren.

Wäre das nicht auch eine Aufgabe der Bäcker?

Geißler: Selbstverständlich. Deshalb kann ich Bäckern nur raten, transparent über ihre Produkte und die Herstellung zu informieren. Auf der Homepage, durch Frontbaking, Backstubenführungen oder sogar durch Backkurse.

Aber ist es nicht kontraproduktiv, den Kunden zu zeigen, wie sie selbst backen können?

Geißler: Nein, im Gegenteil. Bäcker können dadurch Vorurteile ausräumen und sich als kompetente Partner für natürlichen, hochwertigen und gesunden Genuss profilieren – ohne, dadurch Kunden zu verlieren.


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Eigentümer von Backaldrin:
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