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Esskultur und Mittelschicht Kommentar

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Meinung

Es ist Grillzeit. Hochsaison von Baguette und mediterranen Gebäcken für die beliebten Sommer- und Gartenfeste. Bei den Grillpartys landauf landab kommen immer öfter verpackte Würstchen aus den Regalen des LEH auf den Grill. Sind die Metzger doch selbst schuld, mag man meinen. Doch auch die Baguettes stammen aus den Tiefkühltruhen des LEH – vorzugsweise der Discounter. Frisch aufgebacken, gleich mit Kräuterbutter veredelt. Lecker. Aldi und Co erkennen Backwaren in jeder Vertriebsform als wichtiges Wachstumssegment. TK-Backwaren sind im Aufwind. Der Trend hat nicht nur die Alltagsbrötchen erreicht, sondern auch die besonderen Anlässe, bei denen man mit kulinarischen Schmankerln ja eigentlich glänzen will – bedenklich. Ein Bewusstseinswandel?

Deutschlands Mittelschicht hat selten ein Fabel für gutes Essen bewiesen. Kein Land der Feinschmecker, die ihre Lebensqualität auch über gutes Essen definieren. Jetzt geht der Mittelschicht auch noch das Geld aus, die Kaufkraft schwindet angesichts Inflation und kalter Steuerprogression spürbar dahin. Mehr Netto vom Brutto fordert die CSU und LIM Traublinger wird nicht müde, dieser Forderung Nachdruck zu verleihen. Der Nachfrage im Bäckerhandwerk tät's gut. Bei Sparzwang setzen die Deutschen den Rotstift vorzugsweise beim Einkauf von Lebensmitteln an, Auto und Urlaub bleiben, wenn eben möglich, verschont. Prioritäten setzen, lautet die Devise.

Es soll aber auch Grillpartys geben, bei denen man über das Brotbüfett gesprochen hat – wegen des unvergesslich guten Geschmacks: Wer mit Qualität gegen niedrige Preise von TK-Backwaren gewinnen will, muss als Bäcker von der alten und neu entdeckten Vorteigkultur nicht nur sprechen – der muss sie praktizieren.

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