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„Es wäre sinnvoll, Regionalität per Definition einzugrenzen“

„Es wäre sinnvoll, Regionalität per Definition einzugrenzen“ (Quelle: privat)+
„Es wäre sinnvoll, Regionalität per Definition einzugrenzen“ (Quelle: privat)

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Bäcker und Grünen-Politiker Martin Grath zum Umgang mit dem Begriff „Region“

Das Gespräch führte

Reinald Wolf

Seit 2016 ist Abgeordneter im Baden-Württembergischen Landtag (Bündnis90/Die Grünen). Der 58-jährige Bäckermeister hat in Heidenheim eine Bio-Bäckerei betrieben und ist seit 2004 dort auch politisch aktiv.

Seit knapp zwei Jahren nutzt er sein Mandat, um dem – vor allem dem Ernährungshandwerk – überregional Gehör zu verschaffen. Im stehen und – und damit zusammenhängend Wirtschaft und regionale Prägung. Denn in der sieht Grath für Bäcker Potenzial, sich noch effektiver zu positionieren.

ABZ: Was ist für Sie regional?

Martin Grath: So nahe wie möglich. Das, was ich als meine , als meine Heimat betrachte. Vielleicht in einem Radius, den ich an einem Tag mit dem Fahrrad erreichen kann, um nur einige Stichworte zu nennen.

50 oder 200 Kilometer? Da stellt sich doch die Frage, ob Sie ein guter Radfahrer sind.

Grath: Sie haben Recht. Wenn’s nach dem ginge, wäre es in meinem Fall eine kleine Region. Es gibt in der Tat keine gesetzliche Regelung und Definition. Der Regionalität ist leider sehr schwammig und wird vom Lebensmitteleinzelhandel werblich teilweise sehr großzügig ausgelegt.

Region Deutschland? Wie will sich ein kleiner Bäcker mit einem kleineren Einzugsgebiet und Radius dagegen effektiv profilieren?

Grath: Stimmt, das ist schwierig. Und manchmal sind die Grenzen zum Etikettenschwindel überschritten. Da wäre es sinnvoll, Regionalität per Definition einzugrenzen. Da gibt es auch politische Bestrebungen. Ansonsten halte ich zum Beispiel das Qualitäts- und Herkunftszeichen Baden-Württembergs für eine sinnvolle Orientierung, nach dem wir auch etwas strengere Vorgaben haben.

Aber auch das ist doch ein zu weites Feld. Wo ist da die politische Unterstützung fürs Bäckerhandwerk?

Grath: Da sind in der Tat kleinere Einheiten gefragt. Und auch in den Fällen gibt es leider keine direkte Regionalförderung. ‚Regional‘ darf aus wettbewerbsrechtlichen Gründen quasi nicht gefördert, nicht subventioniert werden.

Was hat dann das regionale Handwerk politisch überhaupt zu erwarten?

Grath: Das läuft in puncto Regionalität eher indirekt, über die ökologische Schiene. Wir haben es jetzt geschafft, mit den Bio-Musterregionen eines unserer Koalitionsziele im ,Ländle‘ umzusetzen. Eine davon ist grob gefasst der Landkreis Heidenheim. Da geht es darum, ökologischen Landbau zu fördern und das Bewusstsein der Verbraucher für Bio-Lebensmittel aus der Region zu stärken – auch im Sinne des örtlichen Lebensmittelhandwerks.

Ein schönes Bekenntnis zur Region. Aber sind da auch Fördergelder im Spiel?

Grath: Ja, jährlich pro anerkannter Musterregion 100.000 Euro. Um den Ökolandbau und damit zusammenhängend die Verarbeiter und Vermarkter in der Region zu vernetzen und zu unterstützen.

Das ist nicht sehr viel. Außerdem, was kommt dabei beim Nahrungsmittelhandwerk an?

Grath: Immerhin etwas, von dem Impulse ausgehen können. Und man darf dabei den Marketingeffekt nicht aus dem Auge verlieren. Verbraucher werden für die Produktion vor Ort sensibilisiert, Ernährungshandwerker können darauf eine Produktions- und Marketingstrategie aufbauen – und höhere Preise durchsetzen. Alles im Zeichen von Nachhaltigkeit und dem Stärken regionaler Wirtschaftskreisläufe.

Reizt das Bäckerhandwerk dieses Potenzial schon aus?

Grath: Für mich hat das Bäckerhandwerk eine Überlebenschance, wenn es effektiv auf die Regionalkarte setzt. Wie das funktioniert, zeigen doch Marktgemeinschaften wie zum Beispiel Kraichgau-Korn. Da ist aber insgesamt noch deutlich Luft nach oben.

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