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Erbschaftssteuer darf Bäckereien nicht gefährden

Lenkte erfolgreich die Geschicke in 2007 und blickt tatkräftig in die Zukunft: Bayerns-LIV-Vorstand von links: Ludwig J. Schuster, Wolfgang Rhein, Joachim Grosch, Karl-Heinz Hoffmann, Josef Magerl, Heinrich Traublinger, Manfred Gebel, Geschäftsführer+Weitere Fotos (8)
Lenkte erfolgreich die Geschicke in 2007 und blickt tatkräftig in die Zukunft: Bayerns-LIV-Vorstand von links: Ludwig J. Schuster, Wolfgang Rhein, Joachim Grosch, Karl-Heinz Hoffmann, Josef Magerl, Heinrich Traublinger, Manfred Gebel, Geschäftsführer

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Bayerischer Verbandstag in Bad Kissingen fordert praktikable Reform mit Ausrichtung an betriebswirtschaftlicher Realität

Bad Kissingen (wkr). Für die ausrichtende Bäckerinnung Bad Kissingen/Rhön-Grabfeld konnte Obermeister Anton Hesselbach unter den gut 300 Gästen in der alt ehrwürdigen Wandelhalle gleich auch fünf königliche Hoheiten der Bayern zum Gala-Abend begrüßen und Landesinnungsmeister Heinrich Traublinger, MDL, nahm die gekonnte Inszenierung gleich in seinem Dank für die perfekte Vorbereitung und Begrüßung der bayerischen Innungen auf: „Bisher konnten wir von Franz-Josef Strauß bis Edmund Stoiber alle bayerischen Ministerpräsidenten auf unseren Verbandstagen begrüßen, aber die königlichen Hoheiten sind mehr als ein Ersatz für den verhinderten Ministerpräsidenten Günther Beckstein,“ so Traublinger.

Im stilvollen Ambiente der Wandelhalle bot der Gala-Abend mit seinem kurzweiligen Rahmenprogramm in den Tanzpausen vergnügliche Unterhaltung: Ein Sketch zur Nachwuchsförderung, tolle Tanzshows, eine Tombola mit attraktiven Gewinnen und das Mitternachts-Eisbüfett krönten den perfekt organisierten Abend in der Bäder-Stadt.

„Mehr Netto vom Brutto“

Mit musikalischen Grüßen des Bamberger Bäckerchors nahm auch die Mitgliederversammlung ihren Auftakt, zu der Heinrich Traublinger zahlreiche Ehrengästen begrüßen konnte.

In seinem Rückblick auf das Jahr 2007 nahm Traublinger die drastische Verteuerung von Energie und Rohstoffen ins Visier, die bei durchwachsener Konjunktur und nominalem Wachstum von 2,8 Prozent dem Bäckerhandwerk schwer zu schaffen mache: „Wer kalkuliert, musste feststellen, dass dieser Kostendruck nur noch mit höheren Backwarenpreisen auszugleichen war.“ Wenn überhaupt, denn auch die enorm gestiegenen Steuerbelastungen für Endverbraucher treffen das Bäckerhandwerk, das von der Mehrwertsteuererhöhung zwar nicht direkt betroffen war: „Wir leben vom Konsum der Menschen im Lande, die realen Einkommen allerdings stagnieren angesichts kalter Progression und die Konjunktur stützt sich vornehmlich auf den Export.“

In diesem Spannungsfeld konstatierte der LIM für die Bundesregierung erheblichen Handlungsbedarf. „Mehr Netto vom Brutto“, müsse die Marschroute lauten, so Traublinger. Der Spannungsbogen der leidenschaftlichen Rede des LIM umfasste außerdem die Kostenexplosion in der gesetzlichen Unfallversicherung durch die Berechnung der Wegeunfälle; die vom LIV-Bayern angestoßene verfassungsrechtliche Diskussion um die Verpackungsverordnung und hätte sicher auch den Problemen bei der Erbschaftssteuerreform auf den Zahn gefühlt, aber das Feld überlies Traublinger dann Georg Fahrenschon, Staatssekretär im Bayerischen Finanzministerium.

Unzumutbare Belastungen

In seiner gegenwärtigen Fassung birgt die Erbschaftssteuer gleich eine Reihe von schier unzumutbaren Belastungen, die in ihren Auswirkungen zahlreiche Handwerksbetriebe in ihrer Existenz bei der Nachfolgeregelung bedrohen: „Allein in Bayern sind 60-70.000 Handwerksbetriebe insgesamt gefährdet,“ so Fahrenschon. Durch eine weitgehende Freistellung des Betriebsvermögens von der Erbschaftssteuer den Generationswechsel zu entlasten, so lautet das wesentliche Ziel. Eine vollständige Steuerbefreiung des Betriebsvermögens ist im Bund aber nicht zu erreichen, weshalb angesichts der gegenwärtigen Ausgangslage folgende Korrekturen vordringlich sind:

Zur Betriebserhaltensfrist von 15 Jahren: Wegfall des Fallbeileffekts hin zum anteiligen Abschmelzen, wenn der Betrieb z. B. nach 13 Jahren verkauft oder aufgegeben werden muss, darf der Verschonungsabschlag nicht vollständig entfallen.

Erhalt der Arbeitsplätze: Nur 10 Jahre sollen die Lohnsummen kontrolliert werden, ob denn 70 Prozent der anfangs eingetragenen Lohnsumme auch noch erreicht werde.

In Fällen der vorläufigen Betriebsverpachtung, soll die Vergünstigung für das Unternehmensvermögen nicht generell ausgeschlossen werden.

Dem familiären Näheverhältnis muss bei Freibeträgen und Steuersätzen Rechnung getragen werden: zusätzliche Freigrenze für Kleinstbetriebe von bis zu 150.000 Euro.

Diese im Bundesrat mehrheitlich beschlossenen Verbesserungsvorschläge werden derzeit in den Fachausschüssen des Bundestages für den Gesetzentwurf der Bundesregierung diskutiert.

Geschäftsführer Dr. Wolfgang Filter skizzierte mit der Auswertung zahlreicher Statistiken die Entwicklung des bayerischen Bäckerhandwerks: In 2007 konnten 70 Prozent der befragten Betriebe ein Umsatzplus erzielen; am besten entwickelte sich der Absatz von Snacks für den Außer-Haus-Verzehr. Bei 80 Prozent der Betriebe schlug sich das Umsatzplus mit einer Ertragsquote, gemessen am Umsatz, von 5,6 Prozent auch in einem positiven Betriebsergebnis nieder. „Allerdings dürfen die Zahlen auch nicht darüber hinwegtäuschen, das man zunächst erst einmal das Niveau von 2002 wieder erreichen müsse, betonte Filter.

Eindrucksvoller Rückblick

Über die gute Entwicklung der Betriebe hinaus, glänzte auch der Landesinnungsverband mit einer positiven Finanzlage und Dr. Filter konnte in seinem Jahresrückblick eine Vielzahl von Aktivitäten auf Verbands- und Innungsebene vorstellen: Neben Unternehmensführertag und Bäcker-Kompetenztag im Bereich Marketing lag ein Schwerpunkte in der Öffentlichkeitsarbeit: Die Nachwuchskampagne „Au Backe ... Zukunft“, die Produkt-Radio-Marketingaktion „Bayern3-Brezn“ oder die Benefiz-Aktion unter dem Motto „Ich back dir einen Stern“, an der 178 Innungsbetriebe teilnahmen, brachten dem bayerischen Bäckerhandwerk einen beachtlichen Imagegewinn.

Einen zweiten Schwerpunkt bildeten in 2007 die Angebote zur Aus- und Weiterbildung durch die Akademie Lochham. Filter betonte die Wichtigkeit der Anstrengungen und Leistungen der Akademie Lochham, die mit ihren Standbeinen Meisterkurse, Überbetriebliche Unterweisungen und der Fortbildung einen wesentlichen Beitrag zur Zukunftssicherung des Bäckerhandwerks leiste.

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