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Ein Jahr Kennzeichnungspflicht

Stoffe, die Allergien auslösen können, müssen auch bei losen Backwaren angegeben werden. (Quelle: Daniel Kocherscheidt/Pixelio.de)+
Stoffe, die Allergien auslösen können, müssen auch bei losen Backwaren angegeben werden. (Quelle: Daniel Kocherscheidt/Pixelio.de)

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Vor fast einem Jahr trat die neue Kennzeichnungspflicht der Lebensmittelinformationsverordnung in Kraft. Bäcker und Zentralverband blicken unterschiedlich auf das vergangene Jahr zurück.

Stuttgart (abz). Die neue Kennzeichnungspflicht der Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV) sieht vor, Stoffe, die Allergien auslösen können wie glutenhaltiger Weizen, auch bei losen Backwaren anzugeben. Die Verordnung gilt seit einem Jahr. Für die Betriebe bedeutete es viel Arbeit, für die Kunden sollte es ein Gewinn an Informationen bieten. Bäcker und Zentralverband blicken unterschiedlich auf das vergangene Jahr zurück. Manche blicken gelassen auf die neue Verordnung. „Für uns ist das langfristig einfacher“, sagt Klaus-Peter Saur von der gleichnamigen Bäckerei in Horb am Neckar. Daniel Schneider, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes des Deutschen Bäckerhandwerks, geht davon aus, dass die meisten Kunden die Änderung gar nicht interessiert. Ihn ärgert der Aufwand für die Bäcker. Das sieht man etwa auch bei der Bäckerei Seidel in Peine so – es sei ein „erheblicher Mehraufwand“ gewesen, die Inhaltsstoffe einzupflegen.

Chance

Cord Buck sieht die Kennzeichnungspflicht sogar als Chance. Der Bäcker führt in Hannovers Bucks Backparadies. Auf den Preisschildern der meisten Produkte sind schon seit längerem die Inhaltsstoffe aufgeführt. „Ich sehe das als Möglichkeit der Kundenbindung“, sagt Buck. Denn gerade bei den Inhaltsstoffen, bei der Qualität, da ergebe sich doch die Möglichkeit für Bäcker, sich von Billiganbietern abzugrenzen. „Ich kann den Kunden so auch ein Stückweit davon überzeugen, dass wir ehrlich, offen, transparent arbeiten“, sagt Buck. Das Einpflegen der Inhaltsstoffe sei natürlich Arbeit, man müsse sich auch ein wenig mit dem Programm dafür beschäftigen. Aber für Buck ist ein auch ein kleines Stück Selbstkontrolle. Denn für die Auflistung musste der Bäcker ja alle Rezepte, alle Inhaltsstoffe noch einmal durchgehen – und dabei auch den Soll- mit dem Ist-Zustand vergleichen.

Früher sei der Kundenkontakt einfacher gewesen, sagt Buck, und damit auch der Austausch des Bäckers mit seinen Kunden. Die meisten Bäckereien hatten damals nur den Verkaufraum vor der Backstube gehabt. „Da konnte der Bäcker direkt nach vorne kommen und erklären, was in den Backwaren enthalten ist“, sagt Buck. Heute sei das bei den Betrieben mit zum Teil vielen Filialen nicht mehr möglich. Für ihn als Bäckermeister bedeute die auch, dass er selbst die Information bestimmen kann und die Verkäuferinnen sich darauf beziehen können. Das bedeute auch eine Entlastung für das Personal – gerade mit Blick auf die heute immens größeren Produktpaletten einer Bäckerei.

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