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Der ABZ – Tipp der Woche
Neulich war es wieder einmal soweit: Ein Bäcker fragte mich um Rat, ob es nicht höchste Zeit wäre, im Bio-Bäckereimarkt endlich mit zu mischen. Er wollte wissen, wie er dabei am Besten vorgehen solle. Was würde sich anbieten: Bio-Teig, Bio-Brote, Bio-Süße Stückchen oder doch lieber Bio-Kaffeeausschank ausloben? Dieser Kollege ist bestimmt nicht der Einzige, der sich ernsthaft überlegt, auf diesen schick modernen Zug aufzuspringen und auch im eigenen Geschäft ein wenig auf Bio zu machen bevor es zu spät ist. Unbedeutend ist dieses Thema „Bio“ zugegeben nicht. Sich „Bio-mäßig“ zu ernähren ist voll im Trend. Die Versuchung liegt somit auch für Bäcker nahe, sich mit dem Thema näher zu befassen. Bevor man nun aber loslegt und in der Bäckerei schnell mal zur Gewissensberuhigung eine kleine Bio-Ecke einrichtet, sollte man vielleicht vorab noch Folgendes überlegen: Der Begriff Bio wird allmählich inflationär eingesetzt. Sogar im Discounter steht vor bald jedem zweiten Preisschild der schicke Zusatz „Bio“. Eine bahnbrechende Neuigkeit ist es also nicht mehr unbedingt, wenn man in seiner Bäckerei endlich auch ein schönes Bio-Plakat aufhängt. Ein kluger Marketingexperte drückte es neulich einmal so aus: „Die größte Gefahr für Bio-Artikel ist, wenn sie alltäglich werden. Wenn fast alles Bio ist, dann hat Bio als etwas ganz Besonderes keine Berechtigung mehr.“ Ein weiterer Aspekt sollte für Bäcker außerdem sein, auf keinen Fall halbe Sachen zu machen. Entweder richtig Bio oder gar nicht. Entweder nicht nur einen einzigen Artikel, sondern die ganze Firma auf Bio umstellen: Insgesamt streng kontrollierte Bio-Zutaten, nur natürliche Backmischungen einsetzen und sich dann mit Fug und Recht als vollständiges Bio-Bäckerei-Unternehmen ausloben. Oder die andere Strategie: Den Begriff „Bio“ überhaupt nicht einsetzen. Auch ohne diese Bezeichnung müsste jeder Bäcker bestrebt sein, keine „verseucht“- verbotene, sondern ordentliche und wohlschmeckende Waren anzubieten. Diese beiden Extremstrategien sind allemal besser, als einen gefährlichen Mischmasch zu praktizieren: Welche Aussage hat es, wenn ein sogenanntes „Bio-Brot“ neben einem „normalem“ Brot angeboten wird? Das eine Brot ist gesund, das andere ein chemisches Gift? Das eine Brot ist aus diesem Grund teurer und das andere minderwertige besonders günstig? Stellen Sie nicht ihr gesamtes Sortiment in den Schatten durch das Angebot eines einzigen einsamen Bio-Artikels.
Tel.: 07143 961411
Internet: www.us-beratung.de
E-Mail: ulrich.stoekle@t-online.de
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