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„Ein Bäcker muss hinter seinen Produkten stehen“

Wolfgang Weber, Schulleiter, der Akademie Deutsches Bäckerhandwerk Berlin-Brandenburg. (Quelle: Wolf)+
Wolfgang Weber, Schulleiter, der Akademie Deutsches Bäckerhandwerk Berlin-Brandenburg. (Quelle: Wolf)

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Wolfgang Weber zu seinen Erfahrungen auf der Verbrauchermesse Grüne Woche

Das Gespräch führte Reinald Wolf

Die Internationale in Berlin ist die weltgrößte rund um Ernährung, Landwirtschaft und Gartenbau. Regelmäßig mit von der Partie: Die Akademie Deutsches Bäckerhandwerk Berlin-Brandenburg mit Wolfgang Weber, der das jährlich stattfindende Großprojekt zusammen mit seinen Kollegen organisiert und betreut. Im Gespräch verdeutlicht der Schulleiter, warum es sich lohnt, auf der Messe aktiv zu sein und was die Branche daraus lernen kann.

ABZ: Welchen Aufwand betreiben Sie im Zusammenhang mit der Messepräsenz?

Wolfgang Weber: Mit einem zweitägigen Vorlauf und bis wir in der Schule wieder normal starten, sind das insgesamt 14 Tage, an denen wir im Einsatz sind. Während der zehn Messetage sind wir an zwei Ständen mit und Präsentationsbereich von 10 bis 20 Uhr mit insgesamt 18 Leuten präsent.

Ein riesiger Aufwand. Lohnt sich das denn?

Weber: Finanziell kommen wir da natürlich nicht auf unsere Kosten. Wir dürfen zwar unsere vor Ort hergestellten Produkte zum Selbstkostenpreis von maximal 2 Euro verkaufen, aber die Einnahmen decken nur die Grundkosten wie den Wareneinsatz. Personalkosten sind da außen vor. So gesehen ist es ein Minusgeschäft.

Warum sind sie dann alle Jahre trotzdem wieder vor Ort?

Weber: Weil wir durch unseren Auftritt einen sehr großen Werbeeffekt erzielen. Der ist zwar nicht messbar, aber ich habe den Eindruck, dass wir hier eine Ideale Plattform haben, um die Verbraucher mit unseren Botschaften zu überzeugen. Immerhin sind auf der Messe insgesamt rund 400.000 Besucher unterwegs. Schätze, dass wir mit unseren Aktionen täglich bis zu 20.000 Besucher mehr oder weniger direkt ansprechen. Und wenn bei uns gekauft wird, erzielen wir einen Durchschnittsbon von rund fünf Euro. Für mich ein Indiz dafür, dass unser Angebot ankommt. Allein von unseren Schwarzbierstangen verkaufen wir auf der Messe rund 600 pro Tag. Ein Spezialität aus Weizenmehl, Körnern Saaten, Gewürzen – und Bier als Schüttflüssigkeit.

Der ideale Snack für Kinder?

Weber: Selbstverständlich! Spaß beiseite, der Alkohol wird bekanntlich ab einer Kerntemperatur von 79 °C „verbacken“. Da geht es ums Aroma und die Kreation. Schließlich wollen wir mit pfiffigen Gebäckideen auch unsere Kreativität dokumentieren und den Verbrauchern mit Kostproben die Produkte des Bäckerhandwerks schmackhaft machen. So haben wir unter anderem mit verschiedenen Weizenmischbroten, Bergkäsebriegeln oder Chiasaatenbroten oder bunten Amerikanern gepunktet.

Hört sich nach gediegener Präsentation von Produkten an.

Weber: Hochwertiger und ausgefallener Produkte, wohlgemerkt. Das ist sicher die Grundlage und ein wichtiger Punkt. Entscheiden ist aber, dass wir die Grüne Woche regelmäßig dafür nutzen, ein Erlebnis und eine Leistungsschau rund ums Brot zu bieten, auch um ins Gespräch mit den Verbrauchern zu kommen.

Und das funktioniert?

Weber: Klar, unsere Schaubackstube stößt immer auf größtes Interesse. Die Besucher nutzen intensiv die Möglichkeit, nachzufragen. Zusätzlich haben Mitglieder der Bäckernationalmannschaft – unter ihnen die Wildbakers – mit ihren Auftritten für großes Aufsehen gesorgt. Auch Holger Schüren hat als erster Brandenburgischer überzeugt. Kurz, das Informationsinteresse und der Informationsbedarf sind sehr groß.

Was heißt das für Bäcker?

Weber: Die Verbraucher sind offensichtlich auf der Suche nach guten Handwerksbäckern und guten Produkten. Qualität und Kreativität müssen stimmen. Kunden wollen außerdem wissen, was drin ist. Da lautet das Motto: produzieren und informieren. Sprich, es ist unabdingbar, dass die Verkäuferinnen kompetent Auskunft geben können. Insgesamt muss mehr Öffentlichkeitsarbeit gemacht werden. Kurz: Der Bäcker sollte vor seinen Kunden und hinterseinen Produkten stehen.

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