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„Die Zähne zusammenbeißen und einfach weitermachen“

Katharina Gurtel, Deutsche Meisterin der Bäckereifachverkäuferinnen, mit Siegerpokal. (Quelle: Thumm)+
Katharina Gurtel, Deutsche Meisterin der Bäckereifachverkäuferinnen, mit Siegerpokal. (Quelle: Thumm)

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Die Gewinner der Deutschen Meisterschaft der Bäckerjugend (DMBJ) stehen fest: Bäckergeselle Erwin Scheifel (20) und Bäckereifachverkäuferin Katharina Gurtel (20) haben an der Akademie Deutsches Bäckerhandwerk in Weinheim den ersten Platz samt Pokal und Siegermedaille erkämpft.

„next“ hat sich nach der Siegerehrung mit den frisch gekürten Bundessiegern unterhalten – und spannende Einsichten in die zurückliegende Wettkampf- und Vorbereitungsphase bekommen.

Was war für Euch persönlich eine Herausforderung bei der Meisterschaft?

Erwin Scheifel: Zeitlich erst mal hinzukommen und alles rechtzeitig fertig zu kriegen. Das Wichtigste ist, das zu machen, was man sich vorgenommen hat. Wenn das erreicht ist, liegt die Entscheidung ganz bei der Jury.

Katharina Gurtel: Für mich war wichtig, dass alles zusammenpasst, stimmig ist. Dass die Backwaren, die Dekoration, die Stoffe und die Farben aufeinander und auf das Thema allgemein abgestimmt sind. Das Thema Europa sollte gut ersichtlich sein. Zudem darf man nicht zu viel Deko verwenden, denn es soll die Backwaren hervorheben und nicht erschlagen.

Erwin, was hat Dich zu Deinem Schaustück inspiriert?

Erwin: Ich wollte mich mehr auf das europäische Motto konzentrieren. Dort heißt es „In Vielfalt geeint“. Das kann man wunderbar umsetzen, vor allem mit dem Wort „Vielfalt“verbinden. So habe ich es auch beim Landesentscheid gemacht und dementsprechend meine Backwaren ausgerichtet.

Vielfalt heißt auch menschlich geeint, deswegen habe ich Menschen mit eingebracht. Die Sterne stehen für die Länder und die bunten Farben für die verschiedenen Kulturen, Menschen, Religionen, die wir in Europa haben.

War der Wettkampf anstrengend?

Erwin: Auf jeden Fall. Man ist schon ins Schwitzen gekommen, vor allem gegen Ende des Wettkampfs. Die Jury hat zwar eben noch zu mir gemeint, dass sie darauf gewartet hätte, dass ich mal endlich Gas gebe. Aber dazu sage ich nur: In der Ruhe liegt die Kraft. Und Kraft braucht man für den Wettbewerb, deswegen ruhig bleiben. Unter Stress passieren die meisten Fehler.

Katharina: Es war anspruchsvoll, aber anstrengend würde ich jetzt nicht unbedingt sagen. Es hat mir Spaß gemacht. Man sollte es jedoch nicht auf die leichte Schulter nehmen.

Gab es Pannen?

Erwin: Brandblasen habe ich jetzt, und meine Finger taten mir nach den beiden Wettkampftagen sehr weh. Mir ist heißes Karamell über die Finger gelaufen, aber da musst du dann die Zähne zusammenbeißen und weiter machen.

Katharina: Insgesamt bin ich zufrieden. Es gibt natürlich die eine oder andere Sache, die einem vielleicht nicht so gut gelingt und dann wieder Dinge, die man besser kann. Aber es war alles gut. Es wäre ja beängstigend, wenn alles perfekt wäre.

Wie fühlt Ihr Euch als Sieger und Siegerin?

Erwin: Ich kann den Sieg noch gar nicht so richtig realisieren. Ich glaube, das kommt erst in den nächsten paar Tagen.

Katharina: Gut. Ich freue mich sehr und ich bin zufrieden. Und ich freue mich genauso für alle anderen, weil die alle sehr gut waren und wir uns alle Mühe gegeben haben.

Wie war das Miteinander im Team?

Erwin: Das war ganz lustig. Ich muss echt sagen, die meiste Erfahrung nehme ich vom Umgang im ganzen Team mit.

Wir sind alle verschiedene Menschen, die aus anderen Bundesländern zusammengewürfelt wurden und sind gut miteinander ausgekommen. Wir hatten viel Spaß die Tage. Das war das Schönste an dem Ganzen hier.

Katharina: Das Miteinander war wirklich sehr gut. Das stimmt. Natürlich waren wir alle durchaus Konkurrenten, aber wir sind sehr gut miteinander umgegangen.

Wie habt Ihr Euch auf den Wettkampf vorbereitet?

Erwin: Ich habe es Stück für Stück angehen lassen. Ich habe mit Brötchen angefangen, die zwei-, dreimal intensiv geübt und bin nach und nach durch das geforderte Themenfeld gegangen. Mein Chef hat mir viel frei gegeben, das war hilfreich, denn ich habe ein 17Monate alte Tochter zuhause.

Katharina: Ich konnte mich an meine damalige Berufsschule wenden, bei der ich meine Ausbildung gemacht habe. Da hatte ich die richtigen Fachleute und Ansprechpartner um mich. Zudem haben mich meine Kollegen und meine Filialleitung unterstützt.

Was ist der nächste Schritt?

Erwin: Jetzt steht erst mal der europäische Wettbewerb an. Außerdem brauche ich Zeit für mich und meine Familie. Erst war der Landeswettbewerb, dann direkt der Bundesentscheid. Und den Meister werde ich auf jeden Fall machen.

Katharina Gurtel: Ich möchte die Fortbildungen, die ich gewonnen habe, in Anspruch nehmen und einfach noch viel mehr dazu lernen. Das, was ich bisher erreicht habe, das möchte ich erweitern und darauf aufbauen.

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