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Die traurige Frau Reinhold

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Leserstimme zum Thema Grüne Wiese(„Ansichtssache“, ABZ 3, Seite 4 )

Gottlob Munz: „Immer wieder kommt es vor, dass sich Bürger in der örtlichen Presse über das Verschwinden von Handwerksbetrieben im Dorf und im Kernbereich von Städten beklagen. So auch kürzlich eine Frau Reinhold in einem Leserbrief an das Schwäbischen Tagblatt. Wir alle bedauern, dass Lebensmittel zur Grundversorgung – insbesondere Brot und Kleingebäck, Fleisch und Wurstwaren – immer mehr aus der Nahversorgung verschwinden. Hat sich Frau Reinold schon mal gefragt, wer für die Umstrukturierung vom Handwerksbetrieb zum Lebensmittel-Supermarkt verantwortlich ist? Die Frage ist einfach zu beantworten: Wir alle, die Verbraucher lenken durch das Einkaufsverhalten die Strukturen. „Sind Sie mal ehrlich“, habe ich in einem Antwortleserbrief die Dame gefragt, „wo haben Sie in den letzten 40 Jahren ihr Brot und Kleingebäck eingekauft?“ Ganz sicher nicht nur beim Handwerksbäcker um die Ecke.

„Belogen und betrogen“

Der heutige Kunde möchte insbesondere durch Werbung und Preisdumping belogen und betrogen werden. Es gibt bei uns im Tübinger Westen ein Lebensmittelmarkt, der vor allem in Süddeutschland firmiert. In dem Markt werden vorgebackene Backwaren aufgewärmt verkauft. Dem Kunden aber werden „frische Backwaren“ suggeriert. Dazu werden die Leitlinien für Brot nicht eingehalten. Ich frage mich, wie leicht ist der Verbraucher manipulierbar? 750-Gramm-Brote, die nach wenigen Minuten aus einem Automaten rutschen, werden als „backfrisch“ angepriesen! Tatsächlich tagesfrisch hergestellte 750-Gramm-Brote haben eine Mindestbackzeit von 45 Minuten.

Grenzenlose Bequemlichkeit

Die Bequemlichkeit der Verbraucher, mit dem Auto auf die grüne Wiese zu fahren und im Supermarkt Autobatterien, Unterwäsche und Backwaren gleichzeitig zu kaufen ist grenzenlos. Wer das tut, muss sich nicht wundern, wenn unsere innenstadtnahe Versorgung den Bach rundergeht. Wir alle sollten uns wünschen, dass mehr Verbraucher wieder Backwaren in backenden Familienbetriebe kaufen. Dann kommen sie nicht in die Situation wie Frau Reinhold, einem Bäckereifachgeschäft nachzutrauern.“


abz@matthaes.de

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