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„Die Rohstoffpreise bleiben stabil – mit einer Ausnahme“

„Die Rohstoffpreise bleiben stabil – mit einer Ausnahme“ (Quelle: Verband)+
„Die Rohstoffpreise bleiben stabil – mit einer Ausnahme“ (Quelle: Verband)

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Das Gespräch führte

Arnulf Ramcke

So gering der reine Rohstoffwert einer Backware in Relation zu anderen Preisbeteiligten wie Personal- und Energiekosten auch ist – die Bilder vertrockneter Getreidefelder im Sommer waren die Vorboten raketenartig ansteigender Mehlpreise im kommenden Jahr. Oder doch nicht? Über die Entwicklung der haben wir mit Armin Juncker (60), Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Deutschen Großbäckereien mit Sitz in Düsseldorf, gesprochen.

ABZ: Wie entwickeln sich die Preise 2019?

Armin Juncker: Wir rechnen mittelfristig mit stabilen Preisen. Wir hatten ja gerade kräftige Zuschläge bei Butter und Milch. Weitere große Erhöhungen sind nicht zu erwarten.

Aber das gilt nach dem trockenen Sommer doch sicherlich nicht fürs ?

Juncker: Doch, auch da gehen wir von einer stabilen Situation aus. Letztlich waren die Ernteausfälle nicht so gravierend wie befürchtet. Die Bilder von vertrockneten Feldern stammen aus Norddeutschland. Je weiter es nach Süden ging, desto entspannter war die Lage. Allerdings gibt es eine Ausnahme.

Die da wäre?

Juncker: Der Preis für Roggen wird weiter steigen, weil immer weniger angebaut wird.

Woran liegt das?

Juncker: Den Landwirten ist das zu schwierig. Sie müssen Roggen können, um die Mutterkornproblematik und damit die Gefahr des Pilzbefalls in den Griff zu bekommen. Der Anbau von Roggen ist aufwändiger als der von Weizen. Als Folge des Mengenrückganges kümmern sich Züchter nicht um neue Sorten. Im Ergebnis schrumpft der Markt. Das ist ein langfristiger Trend, der sich nicht so leicht drehen lässt.

Wie passt das zu dem Eindruck, dass immer mehr Verbraucher dunkles Brot wollen?

Juncker: Der Anteil von Roggenbrot liegt lediglich bei zehn Prozent. Die überwiegende Mehrheit der Verbraucher kauft Weizenprodukte. Auch Urgetreide hat da nur eine ganz kleine Bedeutung.

Sie sagen, dass die Getreide- und auch die anderen Rohstoffpreise stabil bleiben. Gibt es Ausreißer?

Juncker: Aus meiner Sicht nicht. Wenn es keine großen Naturkatastrophen gibt, bleiben die Preise tatsächlich stabil.

Trotzdem gibt es bereits Bäcker, die ihre Verkaufspreise mit Hinweis auf Getreideausfälle und damit höhere Bezugskosten angehoben haben. Ist das aus Ihrer Sicht legitim?

Juncker: Ich halte Preiserhöhungen für zulässig. Es sind Dinge wie Hygiene, die der Kunde nicht sieht, die aber ein Riesenthema sind, da sie jede Menge Kosten erzeugen. Brot und Backwaren sind trotzdem immer noch ein sehr günstiges Lebensmittel. Das sollten Bäcker gegenüber ihren Kunden auch so darstellen.

Die Rohstoffpreise bleiben stabil, steigen andere Kosten?

Juncker: Die eigentlichen Preistreiber sind Personal, Logistik, Energie und Mautkosten. Das mögen einzeln betrachtet nicht die ganz großen Posten sein, aber in der Summe kommt da einiges zusammen, was die Betriebe belastet.

Rechnen Sie auch mit steigenden Kosten für Mobilität?

Juncker: Die Elektro-Mobilität wird für die Branche ein großes Thema mit entsprechenden Investitionen, da uns auch das Thema Diesel weiter beschäftigen wird.

Das sind alles Unbekannte für die Betriebe. Ist es ratsam, Kontrakte für abzuschließen, um zumindest in diesem Bereich Planungssicherheit zu haben?

Juncker: Das ist ein Blick in die Glaskugel. Längere Laufzeiten sind nicht grundsätzlich besser als kürzere. Manchmal ist es besser, auf Sicht zu fahren. Es geht für den Betrieb darum, ein Gleichgewicht zwischen Chance und Risiko zu finden.

Was ist eine gute Vertragslaufzeit?

Juncker: Bei Mehl hat sich ein Jahr bewährt. Einen Kontrakt mit längerer Laufzeit würde ich nicht abschließen.


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Die Getreidesilos sind gut gefüllt, die Preise entsprechend stabil.
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