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„Die Preissteigerung hat in fast allen Betrieben gut geklappt“

André Bernatzky, Leiter ADB Sachsen in Dresden. (Quelle: Mewes)+
André Bernatzky, Leiter ADB Sachsen in Dresden. (Quelle: Mewes)

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André Bernatzky über Mindestlohn, Berufsnachwuchs und Nachfolgeregelung

Mit dem Mindestlohn kommen die meisten Betriebe gut zurecht, sagt im Gespräch mit ABZ-Autorin Petra Mewes. Der Schulleiter der Akademie Deutsches Bäckerhandwerk weiß, wo der Schuh drückt.

ABZ: Herr Bernatzky, Sie verfolgen die Entwicklung des Bäckerhandwerks in Ihrem Umfeld ganz direkt. Was bedrückt die Betriebe am meisten?

André Bernatzky: Das ist gesamte Problematik um den Mindestlohn. Er ist seit einem halben Jahr Gesetz. Jetzt sehen die Betriebe, wie gut oder wie schlecht sie damit klarkommen.

Was sind konkret die positiven und die negativen Seiten?

Bernatzky: Die meisten Betriebe kommen gut damit zurecht, weil sie im Vorfeld die Preise erhöht haben. Das Problem sind auch nicht die 8,50 Euro, sondern ist die Differenz zu den andern Mitarbeitern. Langjährige Gesellen, die auch Verantwortung für die Backstube tragen, dürfen dann nicht unter 10 Euro bekommen. Die Zufriedenheit innerhalb des Personals ist enorm wichtig. Das bedeutet für die Meister, dass sie einerseits ihren Betrieb führen, aber gleichzeitig auch an den Betriebsfrieden denken müssen.

Sehen Sie noch Luft für weitere Preissteigerungen? Die Betriebskosten sinken ja nicht.

Bernatzky: Wir raten jedem Unternehmen, dass es regelmäßig und punktuell nach Warengruppen die Preise ändern und anpassen muss. Sie sollen dabei selbstbewusst und fair vorgehen und keine Angst davor haben. Die letzte, spürbare Preissteigerung hat in fast allen Betrieben gut geklappt.

Funktioniert das nicht auch über neue, kreative Produkte?

Bernatzky: Unbedingt. Veränderungen im Sortiment rechtfertigen Preissteigerungen durchaus. Die Kunden können ja bei neuen Produkten keinen direkten Vergleich anstellen.

Hilft der Hype um Bäcker und gutes Brot in den Medien, das Handwerk für den Nachwuchs interessant zu machen?

Bernatzky: Kollegen, die in der Sendung „Deutschlands bester Bäcker“ aufgetreten sind, sagen übereinstimmend, dass die Teilnahme eine gute Werbung bedeutet. Konnten Sie doch einem breiten Publikum das Schöne am Beruf zeigen. Sicher, die Arbeitszeiten bleiben ungünstig, aber sie haben wenigstens Struktur und sind geregelt. Ein früher Feierabend und damit Zeit für die Familie sind doch auch etwas wert.

Aber das Ziel sollte sein, dass die Wertschätzung für das Handwerk insgesamt steigt.

Bernatzky: Ja. Dazu tragen nicht unwesentlich auch Einsätze der Deutschen Nationalmannschaft bei. Und im September 2015 finden auf der Iba in München die Deutschen Meisterschaften statt.

Das erfordert Trainings. Können die Betriebe ihre besten Mitarbeiter dafür freistellen?

Bernatzky: Ohne breite Unterstützung funktioniert das nicht. Wir trainieren an der Akademie mit den Teilnehmern der Deutschen Meisterschaft des Berufs-nachwuchses, aber die Betriebe müssen ein bis zwei Wochen ohne sie auskommen. Das fällt vor allem kleineren Betreiben schwer, die meist eine dünne Personaldecke haben.

Stichwort Geschäftsübergabe. Lässt sich die Zahl der schließenden Bäckereien reduzieren?

Bernatzky: In den nächsten Jahren stehen in Sachsen extrem viele Übernahmen an. Das wird für all‘ jene zum Problem, die sich nicht rechtzeitig kümmern, denn bei unseren Meisterabsolventen gibt es bereits keinen mehr ohne feste Perspektive. Manche Bäcker verpassen einfach den Zeitpunkt, einen Nachfolger langfristig aufzubauen, obwohl ihnen der Landesverband Beratung und Unterstützung gewährt. Leider gibt es sogar Fälle, in denen Eltern ihrem eigenen Nachwuchs nicht zutrauen, das Geschäft zu übernehmen, obwohl wir bei ihm beste Voraussetzungen erkennen.

Haben Sie noch einen Tipp für kleine Handwerksbetriebe?

Bernatzky: Bei allem Mühen um qualitativ hochwertiges Gebäck muss man sich heute auch um das Thema Marketing kümmern. Also den Kunden die Backstube zeigen und das Handwerk demonstrieren.

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