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Nicht alles, was als Bio angeboten wird, ist auch bio. (Quelle: Fotolia / faye93)+
Nicht alles, was als Bio angeboten wird, ist auch bio. (Quelle: Fotolia / faye93)

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Experten sprechen auf Tagung über Manipulationen und Betrug rund um Lebensmittel – wie am Beispiel von Bio-Produkten

Wie viel bio steckt im Brot? Wie viel Heuschrecke im Burger? Aufgepumpte Garnelen, gestrecktes Mehl, umdeklarierte Lebensmittel, „bio“ steht drauf, sei aber nicht drin – die Liste der Manipulationen von Lebensmitteln ist schier unendlich. Das meint zumindest die Arbeitsgemeinschaft Getreideforschung (AGF), auf deren Einladung sich rund 200 Forscher, Entwickler und Manager getroffen haben, um über Lebensmittelrecht, Kontrolle der gesamten Bio-Lieferkette – vom Korn zum Brot – und neue EU-Verordnungen zu sprechen.

Zwar sei die Rechtslage eindeutig, aber schwierig werde es, den im internationalen Handel überhaupt nachzuweisen. Die Wege des Rohstoffes vom landwirtschaftlichen Anbau, etwa von Weizen, über die Verarbeitung, Verpackung, den Export bis hin zum Großhandel und schließlich zum Verbraucher seien lang. „An welcher Stelle der Kette kommt es zu einer unbewussten Ungenauigkeit und wo zu einer vorsätzlichen Fälschung?“, laute daher eine der Kardinalfragen, so die Teilnehmer.

Proben direkt von

den Feldern einsammeln

Das aufzuspüren sei zeit- und kostenaufwendig. Eine Lösung: Es lohne sich, die Lieferanten und deren Subunternehmen genauer unter die Lupe zu nehmen und im Zweifel, falls es an vertrauenswürdigen Partnern mangele, zusätzlich zum üblichen Qualitätsmanagement Proben direkt von den Feldern einzusammeln, erklärte Jörg Lickfett, Manager beim Lebensmittelanalyseunternehmens Eurofins Deutschland, einer Laborgruppe mit Sitz in Luxemburg.

Nicht so genau nehmen es nach Aussage von Tagungsteilnehmern manche Hersteller von Biolebensmitteln. Der Markt dafür wachse rasant in Europa, Nordamerika und auch in Asien. Insbesondere außerhalb der EU sei aber etwa der „Kenntnisstand der Produzenten zum Ökolandbau nur gering“, sagte Jochen Neuendorff, Leiter der Zertifizierungsstelle GfRS Gesellschaft für Ressourcenschutz aus Göttingen.

Hohe Anforderungen

an Öko-Kontrollstellen

Konventionelle Höfe würden dort oft zu schnell auf Bioproduktion umgestellt. Zwar seien Bioprodukte innerhalb der EU und teilweise darüber hinaus durch ein umfassendes und weltweit etabliertes Kontrollverfahren geschützt, um Betrug zu verhindern. Doch Neuendorff betonte in seinem Vortrag, dass schwierige Rahmenbedingungen hohe Anforderungen an die Ökokontrollstellen außerhalb der EU stellten. Ein wirksames internes Qualitätsmanagement sei daher auch für Bioprodukte das A und O – und zwar von der Lieferantenauswahl bis zum abgesicherten Beschaffungsprozess.

Ein weiteres Trendthema auf der Tagung waren Insekten als Nahrungsquelle in der EU. Der Chemiker Hasan Taschan referierte über Insekten als exotische Nahrungsquelle. In den Niederlanden würden seit Jahren Insektenlebensmittel angeboten. In Finnland seien Brote mit Heuschreckenmehl auf dem Markt.

Doch ob mit Insekten die Welternährungsprobleme zu lösen seien, wie die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen andeute, bleibe für ihn fraglich, betonte Taschan. (abz)

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