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„Die Insolvenz war das Beste, was uns passieren konnte“

„Die Insolvenz war das Beste, was uns passieren konnte“ (Quelle: privat)+
„Die Insolvenz war das Beste, was uns passieren konnte“ (Quelle: privat)

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Markus Langner spricht offen über Fehlentscheidungen und Kurskorrekturen

Das Gespräch führte

Reinald Wolf

Im August vergangenen Jahres haben (43) und sein Bruder Oliver für ihr Unternehmen Antrag auf gestellt. Aber die Ursachen der Schieflage von Langners Backparadies mit Sitz in Königslutter bei Braunschweig (zehn Standorte, ein Verkaufswagen) sind weit in der Vergangenheit zu suchen und mit einer größeren Investition verbunden. Heute führen die Brüder die Geschäfte der neuen GmbH und haben es geschafft, das Unternehmen wieder auf Kurs zu bringen.

ABZ: Sie mussten stellen. Wie fühlt es sich an, Pleitier zu sein?

Markus Langner: Absolut spitze (lacht) – zumindest im Nachgang. Es war nicht einfach, sich das Scheitern einzugestehen und die Insolvenz zu beantragen. Aber es waren auch quälend lange Jahre, in denen sich unser Unternehmen in Schieflage befand. Nach dem Gang zum Amtsgericht waren wir regelrecht erleichtert.

Und warum hat es so lange gedauert, bis Sie die Reißleine gezogen haben?

Langner: Die Banken haben uns immer wieder Hoffnung gemacht, dass wir es schaffen. Außerdem hat man immer im Kopf, dass die Insolvenz der Untergang des Unternehmerdaseins ist.

Ist es denn nicht so?

Langner: Überhaupt nicht, zumindest nicht in unserem Fall. Nach der Insolvenz-Beratung war uns klar, dass wir die Insolvenz in der Situation als unternehmerische Entscheidung sehen müssen, wenn wir den Betrieb retten wollen.

Und was war die Hauptursache für die Schieflage von Langners Backparadies?

Langner: Unsere Eltern haben 1994 rund 5,5 Mio. Mark in einen Neubau auf der grünen Wiese investiert. Das Finanzierungskonzept des Beraters basierte auf einer Zehnjahresprognose mit einer Verdoppelung des Umsatzes in den ersten fünf Jahren und einer weiteren Verdoppelung in den darauffolgenden fünf Jahren. Gestartet sind wir mit zwei Filialen und vier Verkaufsfahrzeugen. Das Konzept war ausgelegt auf 20 Filialen. Eine Rechnung, die nicht aufging, weil die Prognosen in Sachen Standortübernahme nicht funktioniert haben. Seither drücken uns die Verbindlichkeiten – auch, weil wir mit Investitionen in die Entwicklung neuer Standorte weiteres Geld in die Hand nehmen mussten.

Und wie haben Sie gemerkt, dass es eng wird?

Langner: Wir sind eigentlich immer hinterhergerannt. Der Zahlungsrhythmus von drei Wochen konnte immer öfter nicht eingehalten werden. Die Mahnungen mehrten sich. Und nach der Übernahme, die eigentlich gut geklappt hat, mussten wir die laufenden Kosten zahlen, ohne dass sie sinnvoll finanziert gewesen wären. So ist aufgrund mangelnder Übernahmeerfahrung eine weitere Belastung entstanden, die uns die Bilanz verhagelt hat. Auch wegen der belastenden Überziehungszinsen und Säumniszuschläge.

Was haben Sie unternommen, um aus dem Schlamassel rauszukommen?

Langner: Wir haben versucht, mit den Banken Lösungen zu finden. Parallel dazu haben wir den Personaleinsatz straff organisiert, defizitäre Filialen geschlossen und unser Frühstücksgeschäft mit regelmäßigem Umsatzplus etabliert. Aber es hat nicht gereicht.

Und wie hat es dann der Insolvenzverwalter geschafft, das Schiff auf Kurs zu bekommen?

Langner: Er hat Stellschrauben zur Optimierung gefunden, konnte zum Beispiel teure Fahrzeug-Leasing- und Versicherungsverträge kündigen und hat mit besseren Verträgen deutliche Einsparungen erzielt. Und wir haben es gemeinsam geschafft, die Mitarbeiter auf ein gemeinsames Ziel hin zu motivieren. Ergebnis: 9 Prozent Umsatzplus auf bestehender Fläche.

Und wie stehen Sie heute da?

Langner:

Nicht schön, aber häufig unumgänglich: die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens.
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