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„Die Getreideversorgung weltweit ist in Ordnung“

„Die Getreideversorgung weltweit ist in Ordnung“ (Quelle: privat)+
„Die Getreideversorgung weltweit ist in Ordnung“ (Quelle: privat)

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Getreidemakler Volker Balder über Ernteausfälle, Subventionen und Genveränderungen

Das Gespräch führte

Ralf Küchle

Volker Balder (59) ist Getreidemakler und Notierungsobmann der Frankfurter Getreide- und Produktenbörse und somit mit der Mengen- und Preisentwicklung bei Getreide vertraut. Die ABZ sprach mit dem Fachmann über die Auswirkungen der Hitzewelle auf Erntemengen und Qualität sowie über die Folgen für die verarbeitenden Branchen wie das Bäckerhandwerk.

ABZ: Wie groß sind die Einbußen bei Getreide durch Hitze und fehlende Niederschläge in diesem Jahr?

Volker Balder: Die Weizenernte ist in diesem Jahr um 18,5 Prozent zurückgegangen, die Roggenernte um 22,2 Prozent. Erwähnen möchte ich auch den Körnermeis, der sogar einen Rückgang von 49 Prozent haben soll. Er hat als Viehfutter Bedeutung für die Landwirtschaft, für Biogas, manche Sorten gehen als Maismehl auch in die Lebensmittelindustrie.

Ist die Dürre ein weltweites Problem?

Balder: Nordamerika, Australien, Nordeuropa mit Skandinavien sind betroffen, die Ukraine und Russland. Russland ist auf Export ausgelegt. Hier fehlen 20 Prozent. Die Exportmengen dürften aber zur Verfügung stehen. In Deutschland ist es sehr unterschiedlich. Der Norden ist stärker betroffen als der Süden.

Welche Folgen sehen Sie für das Bäckerhandwerk?

Balder: Die Getreideversorgung weltweit ist in Ordnung, die Qualitäten stimmen. Bäcker werden kleine Preisanpassungen machen. Aber der Anteil des Mehlpreises am Endprodukt wird immer kleiner. Für Bäcker sind Lohnkosten und Konkurrenz durch Backshops und Discounter das größere Problem.

Wie war die Preisentwicklung bei Weizen in diesem Jahr?

Balder: Der billigste Weizenpreis 2018 war im April mit 170 Euro, im August waren es 215 Euro pro Tonne, ein Plus von 27 Prozent. Aktuell ist der Preis aber wieder rückläufig und liegt bei 208 Euro(Stand 14.August, Anm. d. Red.).

Sind solche Trockenzeiten Folgen des Klimawandels?

Balder: Ich glaube nicht, dass das jedes Jahr kommt. 1976 gab es ein Dürrejahr, dann 2003. Dazwischen lagen 27 Jahre. Zwischen 2003 und jetzt 2018 sind es 15 Jahre. Die Abstände werden kürzer. Stürme mit Orkanstärke, Hagel oder Starkregen nehmen als eine Folge des Klimawandels zu. Getreide oder Maisbestände werden auf den Boden gedrückt. Das hat Auswirkungen auf Qualität und Ertrag der Feldfrucht.

Ist es notwendig, neue und widerstandsfähigere Sorten zu züchten?

Balder: Das geschieht ja bereits. Aber hier wird es schwierig. Denn um das zu leisten, um zum Beispiel die Kälte- und Hitzebeständigkeit zu erhöhen, muss das Getreide gentechnisch verändert zu werden. Und bei Gentechnik gibt es sofort den Aufschrei ,Das ist ungesund und krebserregend‘“. Ich selbst bin Diabetiker, und mein Insulin wird mit Hilfe gentechnisch veränderter Bakterien hergestellt und in großen Mengen gewonnen. Die Diskussion wird zu dogmatisch geführt.

Wie kann die Politik in solchen Krisenzeiten sinnvoll einwirken?

Balder: Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat gesagt, das müsse einzelbetrieblich betrachtet werden. Das wäre die richtige Herangehensweise. Keine gießkannenartig verteilte Beihilfe. Auch in den stark betroffenen Regionen gibt es gesunde Betriebe, die können ein einmaliges Minus von 35 Prozent gut aushalten. Es heißt: ,Eine Ernte auf dem Bankkonto, eine in der Scheune und eine auf dem Feld.‘ Geholfen werden muss den Betrieben, die in der Existenz bedroht sind. Zum richtigen Problem für alle wird es, wenn innerhalb von fünf  Jahren dreimal eine Dürre kommt.

Weltweit ist die politische Lage komplizierter geworden.

Balder: China importiert als Folge des Handelsstreits keine Sojabohnen aus den USA. Präsident Trumps Entscheidungen wirbeln einiges durcheinander und seine Mitteilungen sind nicht berechenbar.

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