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„Die Branche geht mehr auf den Nachwuchs zu“

„Die Branche geht mehr auf den Nachwuchs zu“ (Quelle: Archiv/Kauffmann)+
„Die Branche geht mehr auf den Nachwuchs zu“ (Quelle: Archiv/Kauffmann)

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Mark Lessau von BakerMaker-Gewinner Braaker Mühle zur Ausbildungssituation

Das Gespräch führte

Ralf Küchle

Vergangenes Jahr gab es für die Braaker Mühle den BakerMaker-Award, den Ausbilderpreis der ABZ. Zu den Gründen für die Auszeichnung zählten neben der durchdachten und wertschätzenden Menschenführung auch Leistungen wie Arbeitsaufenthalte für Azubis im Ausland.

Bäckermeister Joachim Lessau führt das Traditionsunternehmen mit 21 Filialen in Hamburg und Schleswig-Holstein in fünfter Generation. Die Nachfolge mit den Söhnen Tim (Bäckermeister und Brotsommelier) und Mark (Bäckermeister) ist gesichert. Mark Lessau (27) spricht über das Thema Ausbildung und den aktuellen Berufsbildungsbericht.

ABZ: Der Zentralverband meint, die Talsohle bei den Auszubildenden sei durchschritten. Wie sehen Sie die Situation?

Mark Lessau: Ich weiß nicht, ob die Talsohle durchschritten ist. Es ist eine Herausforderung, gute Auszubildende zu finden. Wer gut aufgestellt ist und den entsprechenden Aufwand betreibt, hat Erfolg. Es liegt am Chef und an der Führung. Große Unternehmen haben einen Ausbildungsbeauftragten, was wir so auch in unsere implementiert haben.

Wie sieht es bei den kleinen Betrieben aus – zum Beispiel ohne Filiale?

Lessau: In kleinen Betrieben haben die Chefs viel anderes zu tun, da ist es schwierig. Aber in den letzten Jahren hat die Branche die Augen für Auszubildende geöffnet. Sie wird sensibler und geht mehr auf den Nachwuchs zu – anschnauzen ist nicht mehr angesagt. Es gibt jetzt weniger Abbrecher.

Was tun Sie in Ihrem Unternehmen, um geeignete Kandidaten zu finden?

Lessau: Sehr wichtig sind mittlerweile die Social Media-Plattformen. Wir machen viel über Facebook und Instagram und sind in verschiedenen regionalen und überregionalen Jobbörsen vertreten. Aber auch klassische Zeitungsannoncen schalten wir noch, hängen im Betrieb interne Stellenbeschreibungen aus oder machen Werbung auf Bussen und in der Hamburger U-Bahn. Auf diversen regionalen Ausbildungsmessen und Berufsinformationsabenden in den umliegenden Schulen sind wir mit einem Stand vertreten. Eng ist die Verbindung zu den Berufsschulen. Mein Bruder und ich waren ja bis vor ein paar Jahren selbst noch dort. Über den Kontakt sind schon mehrere Auszubildende zu uns gewechselt, die mit ihrem vorherigen Lehrbetrieb unzufrieden waren.

Wie viele Auszubildende haben Sie aktuell im Betrieb?

Lessau: Derzeit sind es 12. Jedes Jahr kommen in der Produktion mindestens zwei neue Auszubildende hinzu. Die Bewerber absolvieren ein 14-tägiges Praktikum, und wir klären sie im Vorgespräch über die Anforderungen des Berufes auf. So haben wir eine sehr geringe Abbrecherquote und auch generell eine geringe Mitarbeiterfluktuation. Manche sind schon Jahrzehnte im Unternehmen.

Wie schaffen Sie es, die Azubis gut ans Unternehmen zu binden?

Lessau: Uns ist wichtig, dass die jungen Leute sich bei uns entwickeln können. Wir betrachten jeden Auszubildenden individuell und versuchen, jeden nach seinen Stärken und Schwächen zu fordern und zu fördern. Man muss vielleicht auch etwas fünfmal erklären, bevor es sitzt. Aufzugeben ist da für uns keine Option. Wir bieten unseren Auszubildenden die Möglichkeit, ein Praktikum im Ausland zu absolvieren und stehen im regen Austausch mit anderen Bäckereien, so dass sie in andere Betriebe reinschnuppern können. Außerdem bieten wir jedem Auszubildenden mit Prämien und Finanzierungsmöglichkeiten die Chance, den Führerschein zu erwerben.

Die Ausbildungsvergütung im Bäckerberuf ist eher gering.

Lessau: Man sollte überlegen, mehr zu geben, aber über das Gehalt können wir insgesamt nicht konkurrieren. Wir müssen als Wirtschaftsunternehmen funktionieren. Wichtig ist, den Beruf attraktiv zu halten und über Zusatzleistungen, sogenannte Benefits, sich gegenüber anderen Unternehmen abzuheben.

r.kuechle@matthaes.de


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