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Der Fall „Lieken“ wird zum Politikum

Die Vergabekriterien von öffentlich geförderten Projekten sind vom jeweiligen Förderprogramm abhängig. (Quelle: Fotolia)+
Die Vergabekriterien von öffentlich geförderten Projekten sind vom jeweiligen Förderprogramm abhängig. (Quelle: Fotolia)

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Geplant: Neuregelung staatlicher Förderung für Firmen in Sachsen-Anhalt / Tarifbindung ist dabei ein Kriterium

Magdeburg (abz). Wie die ABZ bereits berichtet hat, schließt die Großbäckerei ihr Werk in Weißenfels und baut eine neue Brotfabrik in Wittenberg. Das Land Sachsen-Anhalt fördert nach Angaben des Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) den Neubau mit mehr als 11 Millionen Euro. Wie sich herausgestellt hat, sollen die dort beschäftigten Mitarbeiter nicht nach bezahlt werden.

Großbäckerei Lieken

in der Kritik

Das Unternehmen stand bereits mit Bekanntgabe der Schließungsabsichten im November 2015 in der Kritik: Aufgrund des Neubaus war die Entlassung der Weißenfelser Mitarbeiter geplant.

Hauptpunkt des Protestes war die Vermutung der politischen Opposition, dass das Land Produktionsverlagerungen innerhalb des Bundeslandes subventioniere.

Um die Wogen zu glätten, bot Lieken-Chef Markus Biermann den Weißenfelser Mitarbeitern damals an, nach Wittenberg zu wechseln.

Personal sollen unter

Tariflohn bezahlt werden

Wie sich aber laut des damaligen Medienberichts der Mitteldeutschen Zeitung herausstellte, sollen die Lieken-Mitarbeiter in Wittenberg zu deutlich niedrigeren Löhnen arbeiten. Denn Betreiber des neuen Produktionsstandortes soll nicht Lieken direkt, sondern dessen tschechischer Mutterkonzern Agrofert sein.

Mitarbeiter aus Weißenfels

müssen sich neu bewerben

Lieken-Mitarbeiter müssten in Weißenfels kündigen und sich in Wittenberg zu den dortigen Bedingungen neu bewerben.

Dort sollen die Löhne 25 Prozent unter dem Weißenfelser Niveau liegen, außerdem würden die Mitarbeiter alle bisher erworbenen Ansprüche verlieren.

Der Wirtschaftsminister von Sachsen-Anhalt, Armin Willingmann (SPD), sieht im Zusammenhang der Bezahlung der Mitarbeiter unter Tariflohn und der staatlichen Finanzierung von öffentlichen Förderprojekten Handlungsbedarf.

Man müsse schauen, welche Lehren aus dem „Fall Lieken“ gezogen werden könnten, sagte der Wirtschaftsminister und ergänzte, dass die Förderpolitik noch einmal auf den Prüfstand kommen müsse.

Lieken-Vorstand rechnet

mit wenig Wechsel

Lieken-Vorstand Markus Biermann rechnet laut MDR damit, dass nur wenige Mitarbeiter von Weißenfels nach Wittenberg wechseln werden. Grund sei die Entfernung von 120 Kilometern. Biermann wird vom MDR so zitiert: „Fakt ist, dass wir hier reichlich Bewerbungen am Standort haben, dass wir ein attraktiver Arbeitgeber sind, und dass das Gehalt natürlich marktgerecht sein soll. Leider ist es so, obwohl wir Angebote unterbreitet haben, dass enttäuschender Weise recht wenige Mitarbeiter aus Weißenfels sich auf diesen Standort beworben haben."

Wie viele Mitarbeiter vom alten Lieken-Standort planen in Wittenberg neu anzufangen, ist nicht bekannt. Auf Nachfrage der ABZ gab das Unternehmen an, sich nicht zu laufenden Gesprächen äußern zu wollen.

In die neue Produktionsstätte werden insgesamt 200 Millionen Euro investiert. Die Fabrik soll im Laufe dieses Jahres eröffnet werden.

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