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Der Preis für Vanille erreicht neue Höchstwerte - ein Kilo kostet bis zu 800 Euro

Von Ralf Küchle

Der Vanillepreis ist in den vergangenen Jahren explodiert. Die 600 Euro pro Kilogramm Schoten, die genannt werden, macht zu einem der teuersten Gewürze der Welt. Gleichzeitig sinkt die Qualität. Aus Angst vor Diebstählen und Beschädigungen ernten die Bauern das wertvolle Gut zu früh – bevor die Aromastoffe voll entwickelt sind.

Die heutige Situation hat längerfristige Gründe: Um die Jahrtausendwende kostete Vanille nach starken Stürmen auf Madagaskar, das mit einem Weltmarktanteil von vier Fünfteln größtes Vanilleexportland ist, schon einmal 500 Euro das Kilo. Viele Bauern erweiterten ihre Anbauflächen.

Überangebot drückte

Kilopreis auf 25 Euro

Nach einigen Jahren war dadurch zu viel Vanille auf dem Weltmarkt, was den Preis bis auf 25 Euro das Kilo drückte. Daraufhin stiegen die Bauern auf andere Produkte um. In den vergangenen Jahren stieg wiederum die Nachfrage nach echter Vanille in Lebensmitteln wie , Kuchen oder Keksen. Auch Pflegemittel wie Parfums, Körperlotionen oder Badezusätze werden damit zunehmend verfeinert. Das knappe Angebot an Vanille trieb den Preis hoch.

Bei den Bauern kommt davon wenig an: „Maximal 1,70 Euro erhalten sie für ein Kilo grüne Vanille. Das ist viel zu wenig. Dadurch sind ganze Regionen weggebrochen, weil sich der Aufwand nicht lohnt.“ Das sagt Ingo Holland – ein international renommierter Gewürzhändler im Gespräch mit der ABZ.

Hoffnung auf

die Seychellen

Holland muss schauen, wo er hochwertige Vanille herbekommt. Er bezieht sie aus Madagaskar, dem größten Vanille-Anbauland, Mexiko oder Papua-Neuguinea. „Ich hoffe auf die Seychellen, aber von dort ist die Einfuhr schwierig. Um die Qualität festzustellen und zu sichern, muss ich alles analysieren lassen. Ob 20 oder 2000 kg, die Analyse ist gleich aufwendig, was wiederum den Preis verteuert.“ Er setzt auf zwei Importeure, die ihm verlässlich gute Vanille liefern.

Kunden üben sich

in Zurückhaltung

Die aktuell in den Medien gehandelte Zahl von 600 Euro für ein Kilo Vanille hält er als für zu niedrig angesetzt. „Ich denke da eher an 700 bis 800 Euro pro Kilo.“ Für einen Unternehmer sei das schon fast zu teuer, er merkt die Auswirkungen. Der Kunde, der früher 500 Gramm oder ein Kilo Vanille bestellt habe, ordere jetzt vielleicht 200 Gramm.

Der Gewürzfachmann in ihm sagt jedoch, dass das der Preis ist, den die Vanille wert ist. „Die Vanille-Orchidee muss intensiv bestäubt werden. Sie wird in kleinen Mengen sukzessive geerntet, blanchiert, fermentiert, getrocknet, nachgereift, sortiert. Vom ersten Blanchieren bis zur ersten Qualität vergeht ein halbes Jahr. 183 Handgriffe sind nötig.“

Eine mindere Qualität bedeute, dass der Geschmack nicht ergiebig sei oder sich Fremdtöne einschlichen. Häufig habe die Vanille aus Angst der Bauern vor Beschädigung nicht mehr die Zeit, zu Ende zu reifen.

Mehr Gewicht,

weniger Vanille


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    Uwe Koch

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    Pierre Hermé

    PH10

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