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In Policks Backstube in Wuppertal hält Rasim Kinoli sein Tablet so zwar nur fürs Foto auf dem Arm, hat es aber immer in Reichweite. (Quelle: Schwartz)+
In Policks Backstube in Wuppertal hält Rasim Kinoli sein Tablet so zwar nur fürs Foto auf dem Arm, hat es aber immer in Reichweite. (Quelle: Schwartz)

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Ob Homepage, App oder Soziale Netzwerke: Experten raten dazu, mit überschaubarem Aufwand in diese Form des Marketings einzusteigen

Sind Sie nicht der mit der ?“ Es geschah auf der Rückfahrt von der Messe IBA im vergangenen Jahr, als der Chef der Bäckerei Glaab in einer S-Bahn bei der Nennung seines Namens von mitreisenden Kollegen auf die digitale Präsenz der Betriebs angesprochen wurde. „Wir geben dazu gerne Auskunft“, sagt Daniela Glaab, die Schwiegertochter des Inhabers, denn: „Wir sind da sicherlich Vorreiter.“

Tatsache ist, dass die Anzahl von Bäckereien, die ihre Marketing-Strategie um den Baustein App erweitert haben, in Deutschland sehr überschaubar ist. Warum investiert dann ausgerechnet ein Kleinunternehmen wie Glaab mit zehn Mitarbeitern und einer Verkaufsfiliale ins digitale Werben? Daniela Glaad: „Das ist die Zukunft.“

6000 Kunden haben

die App geladen

Diese begann im Fall der im bayrischen Schwandorf ansässigen Bäckerei vor vier Jahren mit der Gestaltung einer neuen . Im Zuge dieses Umbaus fiel die App als Nebenprodukt mit ab. „Seitdem haben sie mehr als 6000 Kunden runtergeladen“, sagt Glaab.

Inhaltlich liegen die Schwerpunkte der App auf einem detaillierten Angebot für Allergiker, das nach Antippen des Allergens die Glaab-Produkte ausweist, die Kunden unbedenklich verzehren können. Außerdem bewirbt die Bäckerei damit ihren so genannten Brotkorb, einen Online-Shop für den europaweiten Versand.

Bei der Digital-Vermarktung setzen die Glaabs nicht alleine auf Homepage und App: „Bei Facebook haben wir mittlerweile 7500 Freunde“, sagt Daniela Glaab. Dies bedeute zwar täglich rund 30 Minuten lang Account-Pflege, „kommt aber bei den Kunden sehr gut an“.

Udo Schucker, Web-Designer und -Berater aus dem nordrhein-westfälischen Bottrop, ist überzeugt, dass auch geringere Zeitbudgets zum medialen Erfolg führen: „Bei einem kleinen Betrieb reicht es, wenn er drei- bis viermal pro Woche postet.“

„Das Geld für eine App

können sich Bäcker sparen“

Stichwort Geld: Das für eine App können sich Bäcker nach Schuckers Einschätzung sparen: „Eine native App (also die, die im App-Store zu kaufen ist, Anm. d. Red.) ist aufwändig: Ich brauche unterschiedliche Programmierungen, damit sie auf iOS- und Android-Geräten läuft, ich muss sie vorher genehmigen lassen, und die Erstellung selbst kostet ja auch“, sagt Schucker.

Anpassungsfähiges Design

vereinfacht die Nutzung

Preiswerter und einfacher in der Umsetzung sei eine Homepage, die sich mit eingebautem responsivem Design automatisch auf Smartphone und Tablet einstelle: „Die Homepage kann ich dann so gestalten, dass sie sich beim Aufruf auf dem Smartphone auf bestimmte Inhalte beschränkt, um übersichtlich zu bleiben.“

Über die Möglichkeit, für jede Homepage eine Bookmark, ein Lesezeichen, zu setzen, lasse sich zudem jede Seite auf dem Desktop anzeigen. „Eine solche Webseite kostet um die 2000 Euro.“

Bedeutsam sei die Investition in . „Da sind vor allem Facebook und Instagram wichtig“, sagt Schucker. Für diese Werbeform empfiehlt er Anzeigen in den Netzwerken: „Damit kann eine Bäckerei die Anwohner in einem bestimmten Umkreis gezielt kontaktieren.“ Das koste bei Facebook etwa 400Euro für vier Wochen „und erreicht 30.000 Leute“.

Zunächst die Hausaufgaben in

anderen Bereichen erledigen

Bevor sich Bäcker mit den Möglichkeiten digitaler Selbstdarstellung beschäftigen, sollte der Großteil von ihnen zunächst jedoch seine Hausaufgaben in Personalentwicklung, Betriebs- und Organisationsstrukturen machen. Diese provokante These vertritt Paul Knupfer, Unternehmensberater für Bäckereien aus Weinheim.

„Die Nachfolgeplanung wird auf die lange Bank geschoben. Hier liegt es nicht immer am Nachwuchs, sondern oft an den ,Alten‘, die nicht loslassen oder die Weichen nicht stellen. Der Trend zur planlosen, unkontrollierten Filialisierung nimmt wieder massiv zu“, sagt er.

Backkult-App als Modell

für digitale Vereinfachung

Die Möglichkeit für den digitalen Zusammenschluss mehrerer Unternehmen bietet die Backkult-App. „Der Vorteil liegt für Bäcker darin, sich über die App zu präsentieren und User direkt zu erreichen“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter der Firma Hansen & Toth, Stephan Toth.

Der IT-Spezialist sieht Bäcker im Lebensmitteleinzelhandel als Einzelkämpfer, die es schwer haben, sich durch gezieltes mobiles am Markt zu positionieren. „Der kleine oder mittelständische Bäcker muss sich gegen Filialisten durchsetzen. Mobiles Marketing bietet die Möglichkeit, günstig und gezielt User zu erreichen“, sagt Toth.

Die Backkult-App gibt es seit 2014. Aktuell bedient die Anwendung Bayern und Teile Baden-Württembergs. Geplant ist, die App in ein bis zwei Jahren bundesweit auszuweiten.

Zum Service der Anwendung gehört die Möglichkeit, ein eigenes Firmenprofil zu erstellen. Dort kann unter anderem angegeben werden, welche Produkte, Spezialitäten oder Sonderangebote die Bäckerei anbietet, ob es offene Stellen oder Ausbildungsplätze gibt. Backkult ist gleichzeitig Schnittstelle für Facebook, Twitter & Co.

Mit der App können Bäcker auch Newsletter anlegen. Das voreingestellte, neutrale Layout übernimmt automatisch das Firmenlogo. Der Bäcker kann verschiedene Textbausteine auswählen und so seinen Newsletter mit eigenen Texten und Bildern versehen. Kosten für die App: monatlich 15 Euro.

s.hart@matthaes.de

a.ramcke@matthaes.de


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