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„Delivery wird für die nächsten zehn Jahre das große Ding sein“

„Delivery wird für die nächsten zehn Jahre das große Ding sein“ (Quelle: privat)+
„Delivery wird für die nächsten zehn Jahre das große Ding sein“ (Quelle: privat)

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Der Marketingchef von Kamps, Sung-Hun Choi, über Erfahrungen mit dem Lieferservice

Das Gespräch führte

Arnulf Ramcke

In sechs Großstädten liefert Großfilialist und an Büros und Privatleute – mit eigenen Fahrzeugen seiner Franchisenehmer und seit Herbst vergangenen Jahres auch in einem Modellversuch mit Hero.

Kunden können über die Online-Plattformen foodora.de, pizza.de und Lieferheld.de in Düsseldorf, Köln und Berlin ordern. Zusätzlich liefert Kamps aktuell in Dresden, Hamburg und Teilen von Krefeld.

Über erste Erfahrungen, das Potenzial und die Probleme mit dem Liefergeschäft hat die ABZ mit dem Marketingchef von Kamps, Sung-Hun Choi (37), gesprochen.

ABZ: Sie arbeiten mit Foodora zusammen. Andere Bäcker sprechen von Problemen mit dem Lieferdienst, da der erst ab etwa 10 Uhr zustellt.

Sung-Hun Choi: Derzeit prüfen wir, ob es sich für uns lohnt, Fahrer schon ab morgens zu „buchen“. Da allerdings ein großer Teil unserer Kunden hauptsächlich Büros, wie Anwaltskanzleien sind, haben wir ein vitales Mittags- und Nachmittagsgeschäft. Das zusätzliche Morgengeschäft wäre sicherlich auch für Foodora interessant. Weshalb wir diese Option gerade prüfen.

Wie sind die ersten Erfahrungen mit den großen Lieferdiensten?

Choi: Die sind sehr positiv. Erzielen wir in der Filiale einen Durchschnittsbon von etwas über drei Euro, liegt er beim Liefergeschäft bei 17 Euro.

Keine Probleme?

Choi: Es gibt Herausforderungen wie das Zeitfenster, wonach Snacks in 20 Minuten fertig sein müssen. Wir bieten ja auch Pizza aus Sauerteiggare an. Wenn der Teig verarbeitet ist, nehmen wir das Produkt aus dem Angebot. Das geht bei uns nicht wie beim Pizza-Bäcker.

Wie sind Ihre grundsätzlichen Erfahrungen mit dem Liefergeschäft?

Choi: Die Intention beim Liefergeschäft ist, darauf zu reagieren, dass kein Verbraucher weitere Wege in Kauf nimmt, um zu einem anderen Bäcker mit vergleichbaren Angeboten zu gehen. Das macht er zum Beispiel nur, wenn er bei einem bestimmten Bio-Bäcker einkaufen möchte. Entsprechend ist der Wettbewerb im urbanen Bereich sehr hoch.

Das bedeutet, sie zielen mit dem Liefergeschäft auch auf Kunden ab, die nie eine Kamps-Filiale betreten?

Choi: Der Kunde bestellt über die Homepage oder der Foodora-App und lernt uns als virtuelle Marke kennen. Dadurch entsteht auch keine Kannibalisierung, da er die ein Kilometer entfernte Filiale gar nicht kennt, wir ihn aber trotzdem als Kunden gewinnen.

Das bedeutet, dass Sie mit dem Liefergeschäft zusätzlichen Umsatz machen?

Choi: Genau, das ist Umsatz on top, den wir sonst nicht erzielen würden.

Demnach wird Kamps das Liefergeschäft weiter betreiben?

Choi: Wir glauben daran. Es läuft gut – allerdings abhängig vom Standort. Wichtig ist, dass wir vor Ort Partner mit entsprechenden Kapazitäten finden. Lieferservice ist ein großer Trend, den man mitgehen und das Channel Management darauf abstimmen muss.

Bedeutet konkret?

Choi: Früher wurde der Lieferdienst angerufen. Heute werden die gewünschten Produkte auf der Website angeklickt. Eine Plattform wie die von Foodora mit rund 14 Millionen hungrigen Usern hebt das Potenzial nochmal auf ein ganz anderes Level. Aber es ist wichtig, da aktiv zu sein, denn Amazon fresh bringt das Thema „Versorgungsprodukte“ zum Verbraucher. Delivery wird für die nächsten zehn Jahre das große Ding sein.

In welche Richtung wird sich Ihrer Meinung nach das Liefergeschäft entwickeln?

Choi: Liefergeschäft und Filialen werden Hand in Hand gehen. Der Lieferservice ist ein Teil, ein Modul des gesamten Verkaufsgeschäfts. Wir machen das auch, damit sich unsere Franchisenehmer breiter aufstellen können. Ein Beispiel: Bei einem Partner würde sich die Existenzgrundlage durch langwierige Bauarbeiten vor der Filiale ändern. Da bietet das Liefergeschäft eine Ausweichmöglichkeit.


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  • Snacks
    Werner Kräling | Jürgen Rieber

    Snacks

    Das Spektrum der Snacks ist riesig: Belegte Brötchen, Brote, Sandwiches, Bagels, Seelen, Waffeln, Muffins, Fladenbrote, gebackene Snacks, Panini, Pizza, Strudel, Zwiebelkuchen, Quiches, Flammkuchen und kleine Gerichte.

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