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„Das ist die Antwort auf Fahrverbote in Innenstädten“

„Das ist die Antwort auf Fahrverbote in Innenstädten“ (Quelle: Wolf)+
„Das ist die Antwort auf Fahrverbote in Innenstädten“ (Quelle: Wolf)

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Initiator Roland Schüren über den ersten E-Transporter speziell für Bäcker

Das Gespräch führte

Arnulf Ramcke

Selbsthilfegruppe“ – das steht meist für die Behandlung von Krankheitsbildern durch Eigenverantwortung. Als Bäcker Roland Schüren aus Hilden vor neuen Monaten eine Selbsthilfegruppe gründete, war er allerdings völlig gesund: Sein Anliegen ist die Förderung eines Transporters mit .

Das Ergebnis ist ein Fahrzeug auf Basis des Streetscooters, den die Post-Tochter bisher ausschließlich für den Zustelldienst produziert hat. Die Firma TBZ Fahrzeugbau baut alles an, was hinter dem Triebkopf liegt – fertig ist der E-Transporter für Bäcker.

Ist der die Antwort auf mögliche Fahrverbote in Innenstädten?

Roland Schüren: Ein klares Ja.

Wie ist daraus die Selbsthilfegruppe entstanden?

Schüren: Der Name ist wörtlich zu nehmen. Ich habe ja gemerkt, dass die Industrie nichts anbietet. Es gibt nichts oberhalb von Caddy-Größe oder die sündhaft teuren Umbauten. Da habe ich im Januar auf Facebook die Gruppe gegründet.

Was verstehen Sie unter teuer?

Schüren: Rund 150.000 Euro für ein Fahrzeug, das auf Elektroantrieb umgebaut worden ist – da sagt der Bäcker ,Sorry, das geht nicht’.

Wie war die Resonanz?

Schüren: Wir hatten binnen eines Monats 100 Interessenten. Mittlerweile sind rund 200 Betriebe in der Selbsthilfegruppe. Die Hälfte davon sind Bäcker.

Welche Betriebsstruktur haben die meisten dieser Betrieb`e?

Schüren: Das sind Filialisten mit 15 bis 50 Filialen.

Wann hat die Entwicklung des Elektro-Transporters begonnen?

Schüren: Vor den Sommerferien haben wir uns für den Hersteller entschieden. Von den Sommerferien bis heute ist der Wagen dann gebaut worden. Das war eine tolle Zusammenarbeit mit den Beteiligten.

Wer trägt die Entwicklungskosten?

Schüren: Die trägt TBZ. Für die Selbsthilfegruppe sind keine Kosten entstanden.

Hat es Fördermittel des Bundes gegeben?

Schüren: Bis man die bekommt, sind zwei Jahre vorbei. Beim Kauf des Fahrzeugs gibt es einmalig 4000 Euro Umweltprämie für den Kunden.

Wie genau läuft der Verkauf der Fahrzeuge?

Schüren: Der läuft über Streetscooter. Interessenten müssen sich einmalig bei der Selbsthilfegruppe melden. Anschließend können sie einen Wagen bestellen.

Wann werden die ersten Fahrzeuge ausgeliefert?

Schüren: Das wird im Januar 2018 der Fall sein. Das gilt für die Betriebe, die bereits bestellt haben. Die Lieferzeit liegt zwischen sechs und acht Monaten.

Neben dem Kauf eines Streetscooters mit 3,5 Tonnen haben Betriebe auch die Möglichkeit, einen Kastenwagen bei einer Firma in der Slowakei auf Elektroantrieb umbauen zu lassen.

Schüren: Das bezieht sich auf Kastenwagen mit durchgehender Karosserie auf Basis eines Citroen Jumper. Die Kosten für den Umbau betragen rund 74.000 Euro. Daher ist ein Umdenken in der Branche sinnvoll – weg vom Kastenwagen zu gehen, denn die Kombination aus Triebkopf mit Aufbau wie beim Streetscooter ist günstiger.

Warum wird der Umbau in der Slowakei und nicht in Deutschland vorgenommen?

Schüren: Weil dort das beste Produkt mit dem geringsten Verbrauch hergestellt wird.

Um sich einen Streetscooter ohne Druck durch ein zu kaufen, müssen Bäcker bei deutlich höheren Preisen im Vergleich zu einem Modell mit Verbrennungsmotor ganz schön ökologisch denken – tun sie das?

Schüren: Bäcker sind ökologisch weiter als andere. Außerdem nehmen Kunden wahr, dass Bäcker, die ja ein Naturprodukt anbieten, sich auch über die Umwelt Gedanken machen. Das passt gut zusammen.

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