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„Das Gebot der Stunde heißt Energieeinsparung“

„Das Gebot der Stunde heißt Energieeinsparung“ (Quelle: privat)+
„Das Gebot der Stunde heißt Energieeinsparung“ (Quelle: privat)

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Andrea Stanzel zu EEG-Umlage, Wettbewerbsverzerrung und dem Umgang damit

Das Gespräch führte

Reinald Wolf

Seit 13 Jahren ist Andrea Stanzel (53) vor allem fürs aktiv. Rund 500 Unternehmen hat die Energieberaterin in Sachen Stromeinsparung, Fördermittel bei Energieeinsparmaßnahmen und Energiesteuerrückzahlung. betreut.

Zur EEG-Umlage (Erneuerbare-Energien-Gesetz) hat sie eine kritische Haltung – mit Blick auf die und den Vorwurf der Wettbewerbsverzerrung.

ABZ: Sie haben ja einen ganz guten Einblick in die Branche. Ist Ihnen ein Fall bekannt, bei dem die EEG-Umlage das Fass zum Überlaufen gebracht und einen Betrieb in die Knie gezwungen hat?

Andrea Stanzel: Den direkten Zusammenhang von EEG-Umlage und Betriebsaufgabe habe ich so nicht erlebt. Klar ist das ein weiterer Kostenfaktor. Aber er ist neben den steigenden Personalkosten, dem Preis- und Wettbewerbsdruck sowie der zunehmenden bürokratischen eben nur ein relativ kleiner Posten, den manche Betriebe nicht mal klar auf dem Schirm haben.

Viel Wind um nichts also?

Stanzel: So harmlos ist das Thema dann auch wieder nicht. Zumal sich die Belastung durch die seit dem Jahr 2012 fast verdoppelt hat. Das zeigt sich am Beispiel eines Unternehmens mit 20 Filialen(siehe Grafik Seite 3, Anm. d. Red). Heute liegen wir da bei jährlich über 80.000 Euro. Übertragen auf einen kleineren Betrieb mit zwei Filialen und etwa 120.000 Kilowattstunden kommen wir bei dieser Modellrechnung immerhin auch noch auf 8000 Euro Zusatzbelastung.

Das ist doch ärgerlich, das braucht kein Betrieb.

Stanzel: Stimmt, aber das ist der Preis für die Energiewende und der Beitrag, den auch das Bäckerhandwerk leisten muss. Da kommen wir nicht raus. Fairerweise sollte man aber auch sagen, das sich der Börsenpreis für Strom in den vergangenen fünf Jahren halbiert hat. So dass die reale Zusatzbelastung etwas geringer ausfällt.

Für viele ein schwacher Trost, zumal ganz große Betriebe von der Umlage befreit sind. Wie sieht es mit der Wettbewerbsverzerrung aus?

Stanzel: Da sind wir beim Knackpunkt. Kleinere Betriebe haben eh einen etwas höheren Energiekostenanteil bezogen auf den Umsatz als die Großen. Hinzu kommt, dass Großverbraucher günstiger einkaufen können und die auch im Verhältnis stärker von den gesunkenen Börsenpreisen von Strom profitieren. Und dann kommt bei den Handwerksbetrieben die EEG-Umlage obendrauf.

Gut, aber das sind ja nur vier richtig große Backunternehmen, die davon befreit sind.

Stanzel: Mit der Begründung, auch im internationalen Wettbewerb konkurrieren zu können. Das mag ja stimmen. Tatsache ist aber, dass zum Beispiel Lidl von einem dieser Unternehmen beliefert wird – zu entsprechend günstigen Konditionen, die zum Teil auch durch den Wegfall der EEG-Umlage zustande kommen. Und schon haben wir die Wettbewerbsverzerrung.

Was ist zu tun?

Stanzel: Einerseits könnte man die Vergünstigung für die ganz Großen aufheben. So würde sich eventuell die Belastung für alle verringern, weil das Gesamtaufkommen größer wäre. Oder die „Förderung“ der Großen erfolgt über Steuermittel und beschränkt sich auf deren Auslandsgeschäft.

Was können Bäcker tun, um der Zusatzbelastung im Zusammenhang mit der EEG-Umlage Herr zu werden.

Stanzel: Das Zauberwort heißt da . Das ist eh ein Gebot der Stunde. Denn eines ist klar: Die Energiepreise werden auf lange Sicht steigen. EEG-Umlage hin oder her. Und da sollten Betriebe vor allem auch die Fördermöglichkeiten nutzen, die sich eben durch die Energiewende und das Erneuerbare-Energien-Gesetz bieten. Vor allem bei Neuanschaffungen oder Energiekonzepten wie Fotovoltaik zum Beispiel.


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Der Zähler läuft – und entscheidet damit über die Höhe der EEG-Umlage, die vom Stromverbrauch abhängig ist.
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