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„Das funktioniert nur mit Leidenschaft für Kaffee“

„Das funktioniert nur mit Leidenschaft für Kaffee“ (Quelle: privat)+
„Das funktioniert nur mit Leidenschaft für Kaffee“ (Quelle: privat)

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Verkaufsberaterin Ursula Ahland zu den Chancen für Bäcker, selbst zu rösten

Das Gespräch führte

Reinald Wolf

ist seit 17Jahren als selbstständige Verkaufsberaterin im Bäckerhandwerk aktiv. Dabei hat sie auch zahlreichen Bäckereien bei der Einführung und Entwicklung des Kaffeegeschäfts auf die Sprünge geholfen und sieht die Bäcker in dem Segment auf einem guten Weg – auch in Sachen Qualität. Dass Bäcker künftig vermehrt sollten, sieht sie allerdings eher skeptisch.

ABZ: Sind Bäcker in Sachen Kaffeegeschäft gut aufgestellt?

Ursula Ahland: Insgesamt sind sie auf einem guten Weg. Die Branche hat das Potenzial des Segments erkannt und ist buchstäblich am Drücker.

Auch mit Blick auf die angebotene Qualität?

Ahland: Zugegeben, es hat lange gedauert, bis die Kaffeequalität mit der nötigen Sorgfalt angegangen wurde – unterstützt durch immer bessere Maschinen, die für standardisiert hochwertigen Genuss stehen.

Wie kommt es dann, dass man als Kunde oder Gast immer wieder angeboten bekommt, der eben nicht den generell gehobenen Ansprüchen an das Angebot eines Fachgeschäfts entspricht?

Ahland: Es ist leider manchmal so und hängt oft damit zusammen, dass die ursprünglich gut eingestellten Maschinen in Sachen Hygiene, Wartung und Einstellung vernachlässigt werden. Oft aus Sparsamkeits- und Zeitgründen. Das fängt schon bei regelmäßig verschmutzten Bohnenbehältern an. Da fehlt es oft an Sensibilität – auch an Personal, das sich darum kümmern will und vor allem kann.

Ist es vor diesem Hintergrund überhaupt sinnvoll, auch noch selbst zu rösten?

Ahland: Nein, vor allem nicht, wenn Personalmangel herrscht und der Betrieb das bisherige Kaffeegeschäft noch nicht im Griff hat. Bevor ich das Rösten anfange, sollten alle anderen Stellschrauben stimmen.

Und gesetzt den Fall, die bisherige Qualität passt und der Bäcker will sich aber noch stärker mit Kaffee profilieren?

Ahland: Dann würde ich es nur empfehlen, wenn der Betrieb auch gastronomisch ausgerichtet ist – und vor allem eine ausgesprochene Leidenschaft für das Kaffeegeschäft besteht und gelebt wird.

Warum?

Ahland: Das Kaffeegeschäft, vor allem in Kombination mit dem Rösten, geht nicht einfach nebenher. Man darf nicht vergessen, Kaffeeröster, das ist ein Beruf. Damit zusammenhängend spielt selbstverständlich der Zeitfaktor eine Rolle, zusätzlich zum Raumbedarf und den nicht unerheblichen Investitionskosten für eine Röstmaschine. Außerdem, inzwischen gibt es doch sehr gute, lokale und handwerklich orientierte Röstereien, die hochwertige Kaffees bieten – auch mit individuellen Röstungen – und die Bäckern helfen, eine eigene und hochwertige Kaffeemarke anzubieten. Wirtschaftlich dürfte das unterm Strich wahrscheinlich die interessantere Lösung sein.

Spricht also so gar nichts für das Selbtsrösten?

Ahland: Es gibt da schon ein paar Punkte, die dafür sprechen. Da wäre zum Beispiel der Erlebnisfaktor, den ich mit der zum Handwerk passenden Tätigkeit des Röstens schaffen kann. Das funktioniert aber nur, wenn ich im Sichtbereich der Kunden röste. Damit kann der Bäcker seine Kompetenz als Anbieter und Hersteller von hochwertigen Genussmitteln demonstrieren. Allerdings reicht das noch nicht aus, um den Kaffeeumsatz zu steigern.

Soll heißen?

Ahland: Es ist ganz wichtig, dieses neue Geschäftsfeld mit entsprechenden Marketingmaßnahmen nach vorne zu bringen – auch um damit einen höheren Preis durchsetzen zu können. Dazu sollten unbedingt die Sozialen Medien genutzt werden. Ganz wichtig ist aber, dass das Personal hinter dem Konzept des Röstens steht und die Kunden verkaufsfördernd rund um das Kaffeeangebot informieren kann. Insgesamt eine zusätzliche Qualifikation, die im Zusammenhang mit Personaleinsatz und Personalkosten zu sehen ist. Das sollte man mit Blick aufs Rösten nicht vergessen.


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