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Das digitale Karussell dreht sich immer schneller

Das Smartphone als Schaltzentrale vernetzter Produktionsabläufe. (Quelle: Fotolia/Archiv, Montage: Gugel)+
Das Smartphone als Schaltzentrale vernetzter Produktionsabläufe. (Quelle: Fotolia/Archiv, Montage: Gugel)

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„Bäckerei 4.0“ verknüpft handwerkliche Produktionsmethoden mit modernster Informations- und Kommunikationstechnik

Von Roland Ried

Im sächsischen Königstein weiß John Arko, Geschäftsführer der Landbäckerei Schmidt, recht genau, wie viele Backwaren er aus seinem mehr als 100 Artikel umfassenden Sortiment in den kommenden Tagen in seinen 30 Filialen verkaufen wird.

Während er mit der rechten Hand an der Computermaus vor dem PC in seinem Büro sitzt, zeigt ihm das Prognose-Modul seiner Unternehmenssoftware vorausberechnete Absatzzahlen in Form von übersichtlichen Zahlenkolonnen als Bestellvorschläge für die nächsten Tage.

Prognose-Algorithmus

überzeugt als „Wahrsager“

Neben den betriebsinternen Produktionsdaten fließen eine ganze Reihe von externen Einflussfaktoren wie Wochentag, Feiertage, historische Informationen über verkaufte Mengen, Retouren, Bestellungen, Aktionen und Frequenzberichte in den Prognose-Algorithmus ein.

Die so – virtuell auf der Basis von statistischen Modellen – errechneten Ergebnisse sind erstaunlich genau: „Die realen Umsatzmengen weichen von den Prognosen oft nur minimal ab“, sagt John Arko.

Digitale Abbildung des

gesamten Geschäftsablaufs

Ohne umfangreiche EDV – Hard- und Software – ist eine Handwerksbäckerei, die sich auf der Höhe der Zeit befindet, nicht mehr vorstellbar. Die der Wertschöpfungsprozesse ist aktuell auch in der backenden Branche deutlich auf dem Vormarsch.

Das Ziel heißt „Bäckerei 4.0“ Diese Wortschöpfung brachte Reiner Veit, Geschäftsführer der Albstätter Compdata Computer in Umlauf, als er im vergangenen Jahr auf der Iba einen Backbetrieb beschrieb, der seinen gesamten Geschäftsablauf lückenlos digital abbilden kann.

„Die verfügen heute schon über sehr viele Daten“, erläutert er ein Beispiel und fügt an: „Denkbar wäre dann die Beobachtung der artikelspezifischen Verkaufszahlen. Stellt die Kasse fest, dass zum Beispiel bei einem A-Artikel um 12 Uhr der Bestand zur Neige geht, könnte es eine Information an die Filialleiterin geben, weitere Bleche in den Ofen zu schieben.“

Das Thema Digitalisierung ist vielschichtig: Es gibt Handwerker, für die PC und Software immer noch Teufelszeug sind, es gibt aber auch Betriebe, die die Chancen moderner Informationstechniken offensiv nutzen.

Am Anfang steht

die Betriebssoftware

Die filialisierte Handwerksbäckerei bietet in diesem Zusammenhang besonders viele Möglichkeiten: Dort gibt es vom Wareneinkauf über den Vertrieb, den Verkauf bis hin zur Produktion viele Stellen, an denen weitere Schritte zur Digitalisierung unternommen werden.

Der Einsatz mobiler Endgeräte wie Tabletts und Smartphones als Informations- und Arbeitswerkzeuge ist dabei nur ein Trend.

Je mehr „Digitalisierungsbaustellen“ aufgemacht werden, desto rasanter wächst die Menge der , die verarbeitet werden müssen. Eine leistungsfähige Betriebssoftware steht deshalb am Anfang aller Digitalisierungs-Vorhaben in einer Bäckerei.

Die dafür üblichen Programme sind branchenspezifische Warenwirtschaftssysteme – im Informatiker-Jargon heißen sie ERP. Die drei Buchstaben stehen für „Enterprise-Ressource-Planning“, was nichts anderes als die Planung des Einsatzes von Material, Arbeit und Kapital in einem Unternehmen bezeichnet.

Industrie stellt sich

der Herausforderung

Die Daten aus der Produktion sind wichtig und aussagekräftig, denn nahezu jede moderne Maschine in einer Backstube – vom Silo über die Teigaufarbeitung bis zum Ofen und der Verpackung verfügt über mindestens ein elektronisches Bauteil und produziert damit ständig Daten – das können sein: Mengen von Feststoffen (Mehl), Mengen von zähflüssigen Stoffen (Teige), Teigausbeuten, Drehmomente (beim Kneter), Zeiten und Temperaturen (Ofen, Kältetechnik), Stückzahlen und Gewichte von Endprodukten

Ein Ofenbauer misst dieser Entwicklung große Bedeutung für die Zukunft bei. Das Ziel ist die umfassende Verfügbarmachung aller Anlagendaten. Diese Datenbasis soll für erheblich verbesserte Transparenz und damit für zielgerichtete Optimierungen aller betrieblichen Abläufe sorgen – bis hin zur Automatisierung ganzer Prozessschritte.

Echtzeitdaten ermöglichen

schnelle Reaktion

Damit könnten die Anwender Werkzeuge an die Hand bekommen, mit denen sie den Herausforderungen des Marktes (steigender Kostendruck, Qualitätssicherheit, Mangel an Fachkräften) begegnen können.

Die zentralisierte Speicherung, Auswertung und Verknüpfung dieser Daten kann wichtige Erkenntnisse – zum Beispiel für die Qualitätssicherung und Rezeptgestaltung – ergeben.

Wenn zudem eine Verfügbarkeit dieser Daten in Echtzeit gegeben ist, eröffnet sich auch die Möglichkeit der digitalen Steuerung der Produktionsprozesse durch die Veränderung von Parametern.

Wenn beim Einschalten des PCs das Sperrbild einer Schad-Software erscheint, wird es teuer.
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