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INTERVIEW der woche
Wolfram Lehmann ist evangelischer Pfarrer und hierbei in der Gemeinde- und Dekanatsentwicklung tätig. Zudem ist er Geschäftsführer des Netzwerks „Gemeinsam für die Region – evangelische Kirche und Strukturwandel in Nordostbayern.“ Diese Initiative hat das Projekt „Gott-sei-Dank-Brot“ ins Leben gerufen.
Wolfram Lehmann: Die evangelische Kirche will im gegenwärtigen Strukturwandel in der Region eine aktive Rolle spielen. Wir haben im Gegensatz zu Initiativen von Städten und Verbänden den Vorteil, dass wir als „neutral“ angesehen werden. Wir haben keine Eigeninteressen. Wir wollen Beiträge dort leisten, wo man was bewegen kann. Die Idee mit dem Gott-sei-Dank-Brot ist kein Zufall. Wir haben bereits verschiedene Maßnahmen durchgeführt. Mit dem Brotprojekt gehen wir jetzt an die breite Öffentlichkeit.
Wir wollen den Menschen klar machen, wie wichtig es ist, heimisches Geld für heimische Produkte auszugeben, sei es im Bäckerladen um die Ecke oder im Supermarkt. Die Menschen sollen zum Nachdenken kommen und überlegen, ob sie ihr Brot „zu Hause“ kaufen.
Gleichzeitig wollen wir auch danken für das Korn, das in unserer Region wächst und auch dafür, dass in unserer Region wieder mehr Menschen Brot und Arbeit erhalten.
Wolfram Lehmann: Entwickelt wurde diese Idee von den Beteiligten unseres Netzwerkes. Hinzu gekommen ist die evangelische Landjugend, die das Projekt auch mit voranbringt.
Jeweils zwei Wochen vor und nach Erntedank wird diese Aktion durchgeführt. Neben dem Verkauf der Brote wurde das Thema auch in Gottesdiensten und Veranstaltungen eingebunden.
Wolfram Lehmann: Über die Obermeister der Innungen Hof, Selb, Weiden und Bayreuth kam der Kontakt zustande. Wir erhofften uns die Teilnahme von 20 Bäckereien. Die Resonanz war überwältigend. Tatsächlich wurde das Gott-sei-Dank-Brot in 99 Bäckerläden und Filialen zum Verkauf angeboten. Unterstützung kam zudem von der Handwerkskammer für Oberfranken, was auch lobend erwähnt werden muss.
Für die Bäcker war diese Aktion kostenlos. Die Werbemittel haben wir gemeinsam mit der Handwerkskammer erstellt. Jeder teilnehmende Betrieb hat Flyer, Plakate und Brotmarken bekommen. Wir haben den Bäckern keine verbindlichen Vorgaben gemacht, wie das Brot aussehen soll. Idealerweise ein Roggenmischbrot, natürlich auch mit Mehl aus der Region.
Wolfram Lehmann: Unser Beweggrund war, in der Bevölkerung zur Bewusstseinsveränderung beizutragen. Wir wollen Unternehmen, ohne Blick auf die Größe, in der Region fördern. Unsere Aktionen tragen deshalb sowohl kleine Bäckereien als ein großer Brothersteller mit. Wichtig ist, das Bewusstsein dafür zu sensibilisieren, dass Wertschöpfung in unserer Region bleiben muss.
Wolfram Lehmann: Der Strukturwandel bringt Veränderungen in vielfältiger Form mit sich. Für die einen schafft er Erleichterungen, für die anderen erschwerte Bedingungen. Der christliche Glaube hilft dabei. Dies wollen wir an die Menschen weitergeben, aber auch konkrete Hilfe leisten, wie mit dem Brot-Projekt. Denn die Überraschung ist groß, wenn der Bäcker oder Metzger vor Ort mangels Kunden schließt.
Wolfram Lehmann: Zu allererst sind wir sehr dankbar für die große Resonanz. Wir werden überlegen, was man im nächsten Jahr machen kann. Uns liegen auch schon Anfragen aus anderen Regionen vor, die unsere Idee gut finden und nachahmen wollen.
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