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Café im Clinch mit großem Storck-Konzern

Die Justiz beschäftigt sich mit dem Namen Merci.  (Quelle: Lupo/pixelio.de)+
Die Justiz beschäftigt sich mit dem Namen Merci. (Quelle: Lupo/pixelio.de)

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Namensstreit

Eine kleine Kaffeehauskette heißt Merci.  Das passt dem Süßwarenhersteller nicht. Nach einem wird sich das Café nun umbenennen.

Bad Soden/Berlin (stau). Hohe Wellen in der Presse und einen Shitstorm auf Facebook hat der Ausgang eines Markenrechtsstreits zwischen dem Süßwarenhersteller Storck aus Berlin (unter anderem "merci Schokolade") und einer kleinen Kaffeehauskette mit Hauptsitz in Bad Soden ausgelöst, deren inzwischen vier Niederlassungen seit 2008 den Namen „Café Merci“ tragen. Jetzt haben beide Seiten eine direkte Kommunikationsbereitschaft signalisiert – vermutlich vor allem, um der medialen Schlammschlacht ein Ende zu bereiten. „Bis wir dieses direkte Gespräch geführt haben, möchten wir keine weiteren Aussagen mehr gegenüber der Presse treffen“, so Café Merci-Geschäftsführer Thomas Herbst zur ABZ. Und auch Strock-Unternehmenssprecher Bernd Rößler lässt wissen: „Es freut uns, Ihnen bestätigen zu können, dass es  - endlich - direkte Kontakte gibt.“

Jahrelanger Rechtsstreit

Seinen Anfang nahm der Rechtsstreit mit einer einstweiligen Verfügung, die der Süßwarenhersteller 2011 gegen das Café beantragt hatte, um die sofortige Streichung des Namenszusatzes „Merci“ zu erreichen. Umfragen des Unternehmens hatten ergeben, dass Verbraucher das Logo des Cafés mit der Schokoladenmarke verbänden. Nach jahrelangen Verhandlungen und Berufungsverfahren endete das vierte und letzte Verfahren vor dem Oberlandesgericht Frankfurt mit einem Vergleich: Ab 2016 muss der Name „Merci“ von und aus den Cafés verschwinden. Die Richter sahen die Befürchtungen der Firma Storck, es bestehe Verwechslungsgefahr zwischen den Konditorwaren des „Café Merci“ und der Schokopralinen-Marke „Merci“, als berechtigt an. Die Kosten für Rechtsstreit und die nun folgende Umgestaltung schätzt Thomas Herbst auf rund 250.000 Euro. „Wir müssen Fassaden umspritzen, Werbemittel neu drucken, Werbemaßnahmen ergreifen, um den neuen Namen bekannt zu machen“, sagt er.

schützen

Café Merci-Inhaberin hatte, bestärkt durch Ihren Mann, vor 25 Jahren in Bad Soden das Café Bonjour mit französischen Backwaren gegründet. Nach dem Tod ihres Mannes in 2006  musste die zweifache Mutter ihren Lebensunterhalt über das Café bestreiten und begann mit der Expansion. Dass sie die Betriebe 2008 in Café umbenannte, erfolgte – so Klügling in der Presse – aus Dankbarkeit gegenüber ihrem verstorbenen Mann, der sie damals in dieser Geschäftsidee bestärkt hatte. Bei Storck löste der neue Name die Alarmglocken aus. Auf Facebook postet das Unternehmen heute: „Das sehen wir als Problem, weil wir nicht wissen, wo das Café Merci-Unternehmen in zehn oder mehr Jahren steht, wie viele Filialen es dann unter Merci betreibt. Wie gut so etwas funktionieren kann und wie eng ein als Patisserie oder Konditorei konzipiertes gastronomisches Angebot Speisen, Konditorwaren wie Pralinen und Schokolade verknüpfen kann, zeigt etwa das Beispiel Leysieffer. Es ist auch nicht auszuschließen, dass die Inhaber die Betriebsgesellschaft der Kaffeehäuser an einen Investor verkauft, dem das Konzept einer solchen großen gefällt und der das Potenzial der Bezeichnung Café Merci erkennt. Solchen Entwicklungen müssen wir zum Schutz unserer Marke vorbeugen und das ist auch der Grund, weshalb wir uns bei dem Unternehmen gemeldet und auf unsere Markenrechte hingewiesen hatten.“

Gäste reagieren

Wie auf der Website der kleinen Kaffeehauskette zu lesen ist, erfährt Inhaberin Anja Klügling viel Zuspruch von Kunden und Gästen. Viele bekunden ihre Solidarität mit dem Betrieb und machen Namensvorschläge. Im Zuge des Medienrummels um das Urteil hat inzwischen sogar ein Europaabgeordneter Arne Gericke aus Rostock einen Brief an Storck geschickt und eine Pressemeldung lanciert, in der er sich mit den Worten an Anja Klüngling wendet: „Jenseits der Juristerei und mit menschlichem Verstand kann ich über das Verhalten des Storck-Konzerns Ihnen gegenüber nur den Kopf schütteln.“ Bleibt abzuwarten, in welchem Sinne sich nun die angekündigten „Gespräche“ entwickeln.

Das Gericht hatte entschieden: Das Café muss den Namen ändern. Jetzt beharrt Storck nicht auf seinem Recht.
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