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Bonback lockt Bäcker

Mehr Geld, bessere Arbeitsbedingungen – die Aussicht darauf hat Bäcker aus der Region in die Lidl-Fabrik geführt.  (Quelle: Roeger)+
Mehr Geld, bessere Arbeitsbedingungen – die Aussicht darauf hat Bäcker aus der Region in die Lidl-Fabrik geführt. (Quelle: Roeger)

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In der Brotfabrik des Discounters Lidl ist der Probebetrieb angelaufen. Die Fachkräfte kommen zu einem Großteil aus dem Handwerk.

Übach-Palenberg Das muss man Lidl lassen. Auf Geheimhaltung versteht sich der Discounter. So gut wie nichts ist durchgesickert über die Fabrik, die er in Übach-Palenberg aus dem Boden gestampft hat. Seit Monaten rätseln Bäcker in der Gegend: Was wird dort alles hergestellt? Wann laufen die Produktionsstraßen an? Wie hoch ist der Ausstoß? Und nicht zuletzt: Wie viele Mitarbeiter kehren dem Handwerk den Rücken und gehen in die Fabrik arbeiten?

Bonback, so der Name des Lidl-Ablegers nahe der deutsch-niederländischen Grenze, ist umwabert von Gerüchten. Und Ängsten. So manchem Handwerksunternehmer ist bange vor dem Tag, an dem die ersten Schwerlaster mit Tiefkühl-Ware das Fabrikgelände verlassen.

Bis die ersten Teiglinge in Lidl-Märkte gelangen, dauert es offenbar nicht mehr lange. „Die Produktionsanlage läuft, aber noch nicht voll“, sagt Werner Schmidt (Name geändert). Mit gemischten Gefühlen beobachtet der Handwerksmeister und Inhaber eines kleinen Betriebs die Silolaster von Mühlen, die seit einiger Zeit bei Bonback anliefern. Teile der Anlage laufen im Probebetrieb, schildert Schmidt. Für einen Probebetrieb in einigen Produktionsabschnitten hält auch Heinz Klein das, was sich dort zurzeit beobachten lässt. „Die ganze Produktionsanlage muss schon gigantisch sein“, betont der Obermeister der Bäckerinnung Aachen.

Bonback, erzählt Schmidt, habe in lokalen Tageszeitung und Wochenblättern Stellenanzeigen geschaltet. Mit spürbarem Erfolg. „Das war ein Aderlass für das Handwerk.“ Das unterstreicht ein Brancheninsider, der auch seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte. „Eine ganze Reihe von Bäckern zieht die Fabrik dem Handwerksbetrieb vor“. Es liege „am Geld und an den Arbeitsbedingungen“, berichtet er. Im Handwerk habe sich wahrscheinlich herumgesprochen, was Mitarbeiter der Schokoladenfabrik erzählen, die Lidl vor ein paar Jahren auf dem Gelände in Übach-Palenberg errichtet hat, sagt der Branchenkenner. „Hart, aber fair“ geht es da angeblich zu. Die Zahlung von Nacht- und Feiertagszuschlägen etwa soll eine Selbstverständlichkeit sein.

Juniorchefs wandern ab

Bitter: Es sind nicht nur angestellte Bäcker und Konditoren, die in der Fabrik ihre Zukunft sehen. Dem Vernehmen nach haben sich auch Juniorchefs vom elterlichen Betrieb verabschiedet und für eine Karriere bei Bonback entschieden. „Die haben zu Hause keine Perspektive gesehen“, sagt der Insider. Wie viele Mitarbeiter bei Bonback in Lohn und Brot stehen, darüber wird wild spekuliert. Manche schätzen, dass rund hundert Fach- und Hilfskräfte dort beschäftigt sind. Andere sprechen von fünf bis sechs Bäckern pro Produktionslinie.

Wann auch immer die Fabrik die Produktion hochfährt, was das perspektivisch für Bäcker heißt, könnte sich auch daran zeigen: Bäcker mit Vorkassen-Standorten bei Lidl in der Region bekommen allenfalls noch Verträge mit kurzen Laufzeiten, ist zu hören.


Kommentar zum Thema: Bonsai-Bäcker

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