ABZ - Das Fachportal für Bäcker

Betriebe sollen freiwillig Farbe bekennen

Ob Restaurant, Eisdiele oder Bäckerei mit Café – Hamburger Betriebe sollen sich künftig mit einem freiwilligen Hygiene-Siegel profilieren. (Quelle: Shutterstock/BGV)+
Ob Restaurant, Eisdiele oder Bäckerei mit Café – Hamburger Betriebe sollen sich künftig mit einem freiwilligen Hygiene-Siegel profilieren. (Quelle: Shutterstock/BGV)

Weitere Artikel zu


Hamburg will ein Hygiene-Siegel für gastronomisch agierende Unternehmen einführen / Bäcker mit Snackangebot können sich beteiligen

Von Reinald Wolf

Für mich ist das ein Zwangssiegel“, sagt Jan-Henning Körner mit Blick auf das freiwillige , das Hamburg ab Mai für gastronomisch agierende Betriebe einführen will – darunter auch für Bäcker und Konditoren mit Snack- und Kaffeeangebot. „Wir werden uns nicht daran beteiligen“, meint der Obermeister der Bäckerinnung Hamburg und spricht wohl auch für Kollegen.

Bindendes Informationssystem

durch die Hintertür?

Die Begründung: „Wir haben uns nicht sechs Jahre gegen ein wie auch immer geartetes Informationssystem gewehrt, um nun über das freiwillige Siegel zu einem gesetzlich bindenden System zu kommen.“ Im Moment gebe es keine Überlegungen zu einer gesetzlichen Regelung, versichert Gregor Buschhausen-Denker von der Verbraucherschutzbehörde in Hamburg.

„Wir wollen eigentlich nur ein Anreizsystem schaffen, um Betriebe zu animieren, noch besser zu werden und damit auch werben zu können“, sagt Buschhausen-Denker. Der Aufwand halte sich in Grenzen und bewege sich im Rahmen der Regelkontrolle. Wer weniger als 20 Punkte habe, könne das Hygiene-Siegel beantragen und nutzen.

Ein Anreiz- und

kein Prangersystem

Das Pilotprojekt sei auf zwei Jahre angelegt. Buschhausen-Denker schätzt, dass im Moment rund 40 bis 50 Prozent der Betriebe das Siegel bekommen würden. Was nicht heiße, dass alle anderen hygienisch untragbar agierten. Das Interesse am Siegel sei da. Gerade weil es sich bewusst von einem Prangersystem distanziere.

Das war in Nordrhein-Westfalen (NRW) gerade der Knackpunkt. Aber die dortige neue Regierung hat das , kurz Hygiene-Ampel, gekippt (siehe Interview Seite 2 und ABZ Nr. 7).

Was allseits für Erleichterung gesorgt hat. Wie beim Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks (ZV): „Wir sind sehr erfreut darüber, dass die neue Landesregierung in das Kontrollergebnis-Transparenz-Gesetz wieder aufgehoben hat. Wir lehnen jede verpflichtende Veröffentlichung von Untersuchungsergebnissen, gerade auch in einer verkürzten und intransparenten Weise wie durch eine Hygieneampel, konsequent ab“, sagt Daniel Schneider.

Bei der Einteilung der Betriebe würde der Willkür durch die einzelnen Kontrolleure Tür und Tor geöffnet. Hygieneprobleme müssten stattdessen durch die bestehenden Kontroll- und Anordnungsbefugnisse der amtlichen Lebensmittelüberwachung gelöst werden, ergänzt der Hauptgeschäftsführer des ZV.

Einer, der die Hygiene-Ampel quasi noch mitgemacht hat, ist Robert Siebers (Borbäcker/Essen): „Die Kontrolleure haben alle meine zehn Standorte in kurzen Abständen auf den Kopf gestellt.“

Alle hätten ein grünes Ampelsignal bekommen, aber die Veröffentlichung war noch nicht bindend und Siebers wollte keine Werbung machen „mit einem derart aussagelosen Signal auf der Basis von schwachsinnigen Kriterien.“

„Freiwillige Regelung

braucht klare Botschaft“

Generell findet er eine freiwillige Regelung mit einer klaren Botschaft gut. „Aber dann sollte es keine Punkte für Nichtigkeiten geben und ein etwas strengerer Maßstab angelegt werden als die 35 Punkte.“

Kommende Woche will sich das NRW-Umweltministerium mit Bäckern, Fleischern und Gastonomen an einen Tisch setzen – zu Gesprächen über eine „übersichtliche und eindeutige Verbraucherinformation zu Hygiene und Lebensmittelsicherheit“. Ziel sei es, ein freiwilliges System zu entwickeln.

Innungsverband

sitzt mit am Tisch

Auch Walter Dohr, Geschäftsführer des Bäckerinnungsverbands Rheinland, werde bei den Gesprächen mit von der Partie sein. Mit klaren Vorstellungen – auch um Anreize zu schaffen.

„Das System muss freiwillig sein, mit eindeutigen und klaren Aussagen für Verbraucher, objektiv nachvollziehbaren Kriterien, um die Gefahr der Kontrollwillkür zu minimieren, wenig bürokratischem Aufwand und der Möglichkeit, besondere Leistungen rund um die Betriebshygiene herauszustellen.“ Nebenbei werde er sich auch für die Abschaffung der Gebühren für die Regelkontrolle einsetzen.

Bundesweite Regelung

noch nicht in Sicht

Und was läuft auf Bundesebene? „Was Gespräche auf Bundesebene angeht, hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) unter der neuen Führung durch Julia Klöckner bisher noch nicht zu erkennen gegeben, ob eine bundesweite Regelung kommt und wie die aussehen könnte. Die Veröffentlichung von Untersuchungsergebnissen ist kein sachgerechtes Modell der Verbraucherinformation und verletzt die Lebensmittelwirtschaft in nicht zu rechtfertigender Weise in ihren Grundrechten“, sagt Daniel Schneider.

Künftig könnte ein Hygiene-Smiley Bäckereikunden begrüßen.
Auch interessant

Smiley soll freiwillig strahlen

Die Ampel ist tot, es lebe der Smiley. So könnte man zusammenfassen, was gerade in Sachen Hygiene-Siegel läuft. Denn quasi mit dem Ende des sogenannten Kontrollergebnis-Transparenz-Gesetztes in mehr...

Lesen Sie hierzu auch folgende Artikel:

 

Bisher keine Leser-Kommentare zum Artikel