Branche_Politik

„Wir haben uns hervorragend gehalten“

Bayerns Bäcker haben das Krisenjahr 2009 gemeistert / Doch jetzt laufen sie Gefahr, Lehrgeld zahlen zu müssen


München (mfi). Bäcker sind „Nachläufer“. So nennen Wirtschaftexperten Unternehmer, die Konjunktureinbrüche verzögert zu spüren bekommen. Die Frage lautet stets nur: Wann und wie stark trifft es die Branche?

„Wir haben uns in einer schwierigen Lage hervorragend gehalten“, berichtet der Landesinnnungsmeister des bayerischen Bäckerhandwerks, Heinrich Traublinger. Und in der Tat, die Zahlen der Bayern können sich sehen lassen.

Während das Bruttoinlandsprodukt vergangenes Jahr um fünf Prozent absackte, steigerten die Bäcker den Umsatz: 20 Mio. Euro mehr klingelten in den Kassen des Handwerks – ein Plus von 0,5 Prozent. Alles in allem waren es 2,33 Mrd. Euro. Den Löwenanteil brachte das vierte Quartal mit fast 610 Mio. Euro – so viel wie seit sieben Jahren nicht.

Dann erreichte die Krise die Bäcker doch noch. Im erstem Quartal 2010 büßten die Bayern im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sieben Prozent Umsatz ein. 565 Mio. Euro gaben die Kunden aus, 42 Mio. weniger als vor einem Jahr. Setzt sich der „Nachlauf“ fort?

Heinrich Traublinger hat eine gute Nachrichten – und eine schlechte. Die Gute: „Die bayerischen Bäcker kämpfen erfolgreich am Markt.“ Es zeichne sich ab, dass der Umsatzrückgang vom ersten Quartal im zweiten „zumindest wettgemacht“ worden sei, berichtet der Landesinnungsmeister. Die schlechte Nachricht: Die Kostenbelastung steigt. Mehl, Energie, Personal – ohne wirksames Gegenrezept droht der Branche die Gefahr, Lehrgeld bezahlen zu müssen.

Beispiel Mehl: Trotz schwieriger Kostensituation seien die Brotpreise in den vergangenen zehn Jahren nur „sehr moderat gestiegen“, stellt der Landesverband klar. Für die Betriebe gilt es, ihre Kalkulation an die aktuelle Entwicklung anzupassen.

Beispiel Personal: Chefs müssen wieder einmal tiefer in die Tasche greifen. Ab diesem Monat greift der neue Tarifvertrag. Darin ist eine lineare Erhöhung der Löhne und Gehälter um 1,95 Prozent festgeschrieben.

Beispiel Strom: In kaum einem anderen europäischen Land müssen Bäcker dafür so tief in die Tasche greifen wie in Deutschland. Erst im Mai dieses Jahres haben die Anbieter erneut an der Preisschraube gedreht. Tendenz: weiter steigend.

Zu all dem kommt, dass sich das Handwerk immer mehr Konkurrenz gegenübersieht – Konkurrenz, die mit Kampfpreisen sticht. „Wie viele Betriebe sind auf der Strecke geblieben? „Im vergangenen 63, damit fiel der Rückgang sehr moderat aus“, betont Traublinger.

Trotz Betriebssterben nahm die Zahl der Beschäftigten 2009 zu. Insgesamt standen 49.100 Menschen in bayerischen Betrieben in Lohn und Brot. Das sind Tausend mehr als 2008. „Das ist ein Beweis für unsere Flexibilitltät.“

Zahlreiche neue Stellen seien Teilzeitarbeitsplätze. Traublinger sieht dies auch als Beleg für die Familienfreundlichkeit der Arbeitgeber im Bäckerhandwerk. Manche Unternehmen müssen schließen, andere wachsen. Die „durchschnittliche“ bayerische Bäckerei erwirtschaftet laut Verband 747.000 Euro im Jahr. Und im Schnitt beschäftigt sie 15,8 Menschen. Das sind dreimal so viele wie durchschnittlich in allen anderen Handwerksbetrieben in Bayern.


Artikel vom 18.08.2010
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