Branche_Politik
„Mut zeigen, die Fehler zu korrigieren“
Kreishandwerksmeister Siegfried Beck redet der Politik ins Gewissen
Erlangen (buc). „Es ist eine Tugend, eigene Fehlentscheidungen zu korrigieren. Ich wünsche der Politik den Mut dazu!“ Mit Applaus wurden diese Aussagen von Kreishandwerksmeister Siegfried Beck beim 12. Handwerker-Frühschoppen der Kreishandwerkerschaft Erlangen-Hersbruck-Lauf bedacht. Er kritisierte deren Unberechenbarkeit und Klientel-Politik wie die Steuerreduzierung für Hotelbetriebe; seiner Ansicht nach dürfte es nur einen Ausnahmetatbestand für reduzierte Mehrwertsteuer geben – und zwar für arbeitsintensive Handwerke.
Vor über 100 Zuhörern kritisierte der Bäckermeister auch die Welle von Rücktritten namhafter Politiker (von Bundespräsident Horst Köhler bis Hamburgs 1. Bürgermeister Ole von Beust). Die sollten vom Handwerk lernen: „Wir können doch auch nicht einfach alles hinwerfen!“ Und gerade in Krisenzeiten wünsche sich der Bürger Halt und Konstanz.
Der Inhaber der Bäckereikette „Der Beck“ sprach sich gegen eine weitere Subventionierung von Solarmodulen auf Ernteflächen aus. Die jetzige Hitzewelle, erwartete Ernteausfälle und steigende Getreidepreise zeigten, wie wichtig heimischer Anbau für die Nahversorgung sei.
In der letzten Reform des Handwerks und der Meisterpflicht haben laut Beck weder Politik noch das Handwerk Weitblick bewiesen. Die Abschaffung des Meisterzwangs in 53 von 94 Berufen vor fünf Jahren habe zu einer Schwemme von Ein-Mann-Betrieben geführt, aber nicht viele sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze zusätzlich geschaffen. Dass Deutschland in puncto Beschäftigung und Ausbildung immer noch so gut dastehe, sei nur den richtigen Handwerksbetrieben zu verdanken. Diese hätten die Krise dank Flexibilität und Kundennähe bislang gut überstanden; Inhaber und Mitarbeiter setzten auf Zusammenhalt.
Apropos Ausbildung: Der KHM mahnte, man brauche künftig mehr „ausbildungsreife“ Lehrlinge. Hier seien Eltern wie Schulen in der Pflicht. Das Handwerk begrüße das neue bayerische System der „Mittelschule“ und wünsche sich zehn Pflicht-Schuljahre für alle Jugendlichen.
Weitere Nachrichten aus Fokus vom 28.07.2010:
Kekse und Co. „schrumpfen“
Bibelbrotspende für Haiti
Erst Mühle mit CO²-neutraler Produktion
Aldis Armada Kommentar
Wunsch und Wirklichkeit
Theorie und Praxis besser verbinden
Meinung
Wird der Berliner Smiley zum Vorbild?
Angst vor der Katze im Sack
„Elena“ entpuppt sich als Bürokratiemonster


RSS

Zur Bildergalerie "Backkongress 2011"