Meinung

„Erfahrung kann man nicht kaufen, man muss sie machen“

Meisterausbildung liegt der Akademie des bayerischen Bäckerhandwerks am Herzen


Arnulf Kleinle ist Bäckermeister, Konditor und Betriebswirt des Handwerks. Seit 2007 ist er Schulleiter der Akademie des bayerischen Bäckerhandwerks in Lochham. Neben der Meisterausbildung werden in Lochham überbetriebliche Schulungen sowie zahlreiche Kurse für Produktion, Verkauf und Büro im Bäckerhandwerk angeboten.

ABZ: Welche Aufgaben sehen Sie für die Akademie des bayerischen Bäckerhandwerks?

Arnulf Kleinle: Als erstrangige Aufgabe natürlich die berufliche Aus- und Weiterbildung auf allen Stufen des Bäckerhandwerks. Dies beginnt mit der Schulung der Auszubildenden ergänzend zu Betrieb und Berufsschule, betrifft dann den Übergang eines Gesellen in den fachlichen, betriebswirtschaftlichen, pädagogischen und menschlichen Reifezustand eines Meisters und reicht bis zur Weiterbildung von Betriebsinhabern und deren Beschäftigten auf allen Ebenen des beruflichen Geschehens.

Ferner werden wir in Zukunft die Akademie noch mehr auf dem Gebiet der anwendungsbezogenen Forschung und Entwicklung ausbauen, um somit den Betrieben einen kompetenten und neutralen Ansprechpartner für alle Fragen der Bäckereitechnologie sein zu können. Ergänzend wird uns sehr viel daran liegen, die Betriebe nicht nur mit Bereichs-Schulungen zu bedienen, sondern auch verstärkt auf die individuelle Problematik einzelner Betriebe eingehen und diese mit langfristigen Konzepten zu unterstützen.

Mit welchen Seminaren bieten Sie Antworten auf aktuelle Fragen der Branche?

Kleinle: Wir haben stets den Blick in die Zukunft gerichtet! Natürlich stellen wir uns auch den Trends der momentanen Zeit, um das Bäckerhandwerk gezielt unterstützen zu können! Dabei kommt uns vor allem die in den Betrieben wachsende Erkenntnis sehr entgegen, dass ein Unternehmen heute nur mit Qualität am Markt bestehen kann. Qualität lässt sich aber nicht auf Produkte und Produktionsabläufe fixieren, sondern umfasst weitläufig auch den Verkauf, die betriebswirtschaftlichen Aspekte sowie natürlich auch den Marktauftritt jedes einzelnen backenden Betriebes! In all diesen Bereichen sind unsere Ansätze gezielt und überlegt angebracht, haben aber alle stets ein Ziel: Nämlich die Stärken der Bäcker hervorzuheben und somit wieder den Handwerksbäcker für den Verbraucher interessant und unentbehrlich zu machen!

Welche Seminare sind gegenwärtig besonders gefragt?

Kleinle: Alle Angebote haben hohe Wichtigkeit und eine konstante Teilnahmebereitschaft. Unser Kursangebot beginnt beim Kerngeschäft des Bäckers, dem Frühstücks- und Kaffeegeschäft, führt über zu Verkauf und einzelne Individualitäten in der Produktion, wie z. B. Backen mit Urgetreidearten oder selbst bereitete Massen und Füllungen ohne Convenience, und reicht bis zu technologischen Themen wie Kältekonzepte, Backtechnologie und Sauerteigführungen.

In Lochham wird traditionell eine Aufnahmeprüfung zur Meisterschule durchgeführt. Was spricht dafür, dass diese in den letzten Jahren sogar noch ausgeweitet wurde?

Kleinle: Die Aufnahmeprüfung in Lochham hat nicht nur einen traditionellen Hintergrund, sondern auch die Aufgabe, das Niveau der Teilnehmer dem angestrebten Titel anzupassen. Der Meistertitel ist nach wie vor der höchste Rang im Handwerk; dies führt im Betrieb auch stets zu einer hohen Erwartungshaltung. Diese Anforderungen sollte ein angehender Meister in der Basis mitbringen und während seiner Ausbildung zum Meister ausbauen, verfestigen und sichern können, um dann im betrieblichen Alltag zu bestehen.

Wir haben uns entschlossen, die Aufnahmeprüfung auszuweiten und zu den theoretischen und fachmathematischen Kenntnissen auch die praktischen Kenntnisse sowie die menschliche Reife der Meisteranwärter zu überprüfen. Das sind wir den Betrieben und letztlich auch jedem einzelnen Anwärter schuldig, denn wenn ein Unternehmen einen Meister einstellt, dann sollte er auch dieser Position gewachsen sein! Erfahrung kann man nun mal nicht kaufen, sondern man muss sie erlernen. (pf)


Artikel vom 24.03.2010
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