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Bäcker finanzieren Energiewende kräftig mit

Der Zähler läuft – und entscheidet damit über die Höhe der EEG-Umlage, die vom Stromverbrauch abhängig ist. (Quelle: Fotolia)+
Der Zähler läuft – und entscheidet damit über die Höhe der EEG-Umlage, die vom Stromverbrauch abhängig ist. (Quelle: Fotolia)

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Interessenverbände sind optimistisch, die Ungerechtigkeit der aktuellen EEG-Umlage, die Großbetriebe entlastet, korrigieren zu können

Von Arnulf Ramcke

und Reinald Wolf

Als der Betrag bei mir zum ersten Mal als Kostenposten auftauchte, dachte ich, so ein Mist, wieder eine unnötige , die mir das Leben erschwert. Aber ich kann ja eh nichts ändern und lasse mir davon die Laune nicht verderben“, sagt .

Der Bäckermeister aus Düsseldorf mit zwei Standorten hat sich damit abgefunden, jährlich zwischenzeitlich 25.000Euro für die EEG-Umlage abdrücken zu müssen. Mit dieser ist er im Bäckerhandwerk in bester Gesellschaft. Auch in Bezug darauf, dass der jeweilige Betrag für viele Bäcker nicht mehr präsent ist.

Viele Bäcker haben die

EEG-Umlage nicht im Blick

„Ich habe keine Ahnung, wie viel ich jährlich an EEG-Umlage bezahle“, sagt Andreas Lehner, der eine Bäckerei im mittelfränkischen Treuchtlingen betreibt (8 Standorte). „Ich befasse mich da nicht so intensiv damit. Außerdem hole ich mir über Energiesparmaßnahmen und Fördermittel wenigstens einen Teil der Kosten zurück“, ergänzt Jörg Dördelmann aus Hamm stellvertretend für viele Kollegen.

Unabhängig davon, dass das Aufregungspotenzial zum Thema nicht ausgereizt ist, bleibt des Ärgernis der Wettbewerbsverzerrung – und die Tatsache der Zusatzbelastung.

Belastung lässt

sich leicht ausrechnen

Denn was die kontinuierliche Erhöhung der zum Erneuerbare-Energien-Gesetz für einen backenden Handwerksbetrieb bedeutet, lässt sich – in Abhängigkeit vom Stromverbrauch leicht errechnen (siehe auch Grafik).

Welche Summen sind aber im Spiel, wenn Verbände gegen die teilweise Befreiung der Industrie wettern? Antworten auf solche Fragen sind von der Firma Bonback bei Aachen zu erhoffen, die auf ihrer Homepage nicht nur damit wirbt, „eine der größten und modernsten Backwaren-Produktionsstätten“ zu betreiben, sondern auch kundtut, ihre Produkte exklusiv über den festen Partner Lidl zu vertreiben.

Diese Firma sollte die richtige Adresse für Fragen nach ihrem jährlichen Stromverbrauch, dem Einsparvolumen durch das EEG-Umlagegesetz und vor allem nach der Drohgebärde der Arbeitsplatzverlagerung ins Ausland für den Fall des Subventionswegfalls sein.

Die Industrie

mauert auf Fragen

Schließlich ist dies eines der Unternehmen, die nicht nur nach Meinung von Daniel Schneider, Hauptgeschäftsführer des Zentralsverbands der Bäcker, für eine Wettbewerbsverzerrung sorgen, indem sie als Lieferanten von Discountern Hauptkonkurrenten des Handwerks sind und dafür auch noch „belohnt“ werden.

Großbäckereien lassen

sich nicht in die Bücher schauen

Wie groß dieser Vorteil von Bonback ausfällt, bleibt jedoch offen – denn die Antwort auf die Fragen ist eine Absage: „Nach Prüfung Ihrer Anfrage müssen wir Ihnen leider mitteilen, dass wir Ihre Fragen aufgrund wettbewerbsrelevanter Informationen leider nicht beantworten können“, lässt Bonback wissen, das zur Unternehmensgruppe Mitteldeutsche Erfrischungsgetränke gehört.

Aber es gibt andere Fakten: Wie die, dass die EEG-Umlage, mit der die Bundesregierung den Wandel hin zu regenerativen Energieformen finanzieren will, jährlich steigt und aktuell kein Ende abzusehen ist.

Jüngste Reform übergeht

Forderungen des Handwerks

Kritiker wie der Bundesrechnungshof werfen der Politik sogar vor, selbst nicht zu wissen, was die tatsächlich kosten wird.

Fakt ist auch, dass die Forderungen des Bäckerhandwerks bei der jüngsten Reform des 2016 nicht berücksichtigt wurden. „Jetzt ist das Thema aber angekommen“, sagt Daniel Schneider. „Der Bundestag redet über Bäcker.“

In den kommenden Tagen könnte sich dieser Gesprächsbedarf in Berlin noch verstärken. Nach Informationen der ABZ wird der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) dann ein Positionspapier vorlegen. Einzelheiten waren vom ZDH noch keine zu erfahren.

Form der Finanzierung

auf dem Prüfstand

Inhalt des Papiers wird aber auf jeden Fall die Finanzierung des EEG, weg von der jetzigen Form, sein.

Schneider hat sich dazu Gedanken gemacht: „Muss es über eine Umlage erfolgen? Wir müssen ganz grundsätzlich über die Finanzierung debattieren.“ Sein Geschäftsführer Friedemann Berg spricht davon, „dass die Energiewende eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist“.

Er ist auch derjenige, der sagt, „dass da zunehmend was aus dem Ruder läuft.“ Die Begründung zur Befreiung von Industrieunternehmen von der EEG-Umlage sei deren Schutz vor internationalem Wettbewerb. Berg: „Was aber ist mit den Unternehmen, die den Wettbewerb nach Deutschland verlagern?“ Bonback schweigt.

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