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Ausbildungsmisere bietet eine Chance

Ein Bild mit Symbolcharakter: Betriebe, in denen Azubis motiviert arbeiten, finden leichter gutes Personal. (Quelle: ZV)+
Ein Bild mit Symbolcharakter: Betriebe, in denen Azubis motiviert arbeiten, finden leichter gutes Personal. (Quelle: ZV)

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Im Vergleich zu anderen Branchen ist die Zahl der freien Stellen und Abbrecher hoch – größere Betriebe tun sich jedoch leichter

Von Arnulf Ramcke

und Reinald Wolf

Die Wertschätzung und die Ausbildungsvergütung müssten höher sein. Auch im Umgang mit den Auszubildenden ist noch Luft nach oben. Zum Beispiel werden Überstunden nicht bezahlt.“ So lauten die Erfahrungen von David Kunkel, frisch gebackener Mister Handwerk und Konditorgeselle im Austausch mit seinen Berufsschulkollegen.

Auch wenn das nicht seinen eigenen Erfahrungen entspricht, dürften es doch einige Faktoren sein, die dazu führen, dass Betriebe Schwierigkeiten haben, ihre Ausbildungsplätze zu besetzen.

Suche nach Azubis quer

durch alle Branchen schwierig

Ein Trend, der sich durch die demografische und wirtschaftliche Entwicklung seit einigen Jahren verschärft und 2017 seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht hat.

Das geht aus dem Berufsbildungsbericht des Bundesbildungsministeriums hervor. Betriebsbefragungen zeigten, dass sich für Unternehmen die Suche nach Auszubildenden immer schwieriger gestaltet.

2016 konnten 45 Prozent der befragten Betriebe ihre angebotenen Ausbildungsstellen teilweise oder vollständig nicht besetzen (2015: 42 %). Im Vergleich zu früheren Befragungen hat der Anteil zugenommen.

Die macht erwartungsgemäß keine Ausnahme: „2016 gab es im Ausbildungsberuf ,Bäcker/-in’ 866 unbesetzte Ausbildungsstellen. Dies entspricht einem Anteil von 24,0 Prozent am Gesamt-Ausbildungsplatzangebot“, sagt Lukas Neuhaus, Pressesprecher des Bundesbildungsministeriums, auf Nachfrage der ABZ.

Für 2017 nennt er die Zahl von 832 unbesetzten Stellen, was einem Anteil von 22,4 Prozent entspricht (siehe Grafik auf dieser Seite).

Größere Betriebe können

Stellen leichter besetzen

Dass größere Betriebe bei jungen Menschen eine größere Attraktivität als Ausbildungsbetrieb genießen als kleinere und ihnen darüber hinaus auch mehr Mittel für Rekrutierungsmaßnahmen zur Verfügung gestellt werden, ist aus Sicht des Ministeriums einer der Gründe dafür, dass größere Betriebe weniger Probleme damit haben, Azubis zu finden.

Wenn der Betrieb gefällt, sind Jugendliche zu Kompromissen bei der Berufswahl bereit. Deutlich wurde, so das Ministerium, dass Betriebe für Jugendliche dann besonders attraktiv sind, wenn sie ein gutes Betriebsklima, einen sicheren Arbeitsplatz und gute Übernahmechancen bieten.

Gute Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln, finanzielle Unterstützungen wie Fahrtkostenzuschüsse oder die Bezahlung von Überstunden spielen ebenfalls eine Rolle. Nachrangig war für die Befragten, ob der Betrieb zu Beginn der materielle Anreize wie ein Smartphone bietet oder in den sozialen Netzwerken aktiv ist.

Nach den Ergebnissen der Berufsbildungsstatistik der statistischen Ämter des Bundes und der Länder wurden 2016 bundesweit 146.376 Ausbildungsverträge vorzeitig aufgelöst. Damit betrug die Vertragslösungsquote 25,8 Prozent. Ein Wert, von dem Bäcker nur träumen können.

Lukas Neuhaus: „Die Vertragslösungsquote der dualen Berufsausbildung betrug im Berichtsjahr 2016 für den Ausbildungsberuf ,Bäcker/-in’ 41,5 Prozent.“

Viele Gründe führen zur

Auflösung des Vertrags

Es geht allerdings noch schlimmer: Die höchste Vertragslösungsquote wies 2016 der Beruf Fachkraft für Schutz und Sicherheit auf (50,7 %), gefolgt von Restaurantfachfrau/Restaurantfachmann (50,6 %). Für das Vorjahr liegen nach Angaben des Minsteriums noch keine Zahlen vor.

Auszubildende nennen als Gründe, ihren Vertrag zu kündigen, schlechte Ausbildungsqualität, ungünstige Arbeitsbedingungen, aber auch persönliche und gesundheitliche Gründe sowie falsche Berufsvorstellungen.

Schlechte Zahlen

für das komplette Gastgewerbe

Betriebe führen überwiegend mangelnde Leistungen der Azubis wie mangelnde Motivation oder Integration in das Betriebsgeschehen sowie falsche Berufsvorstellungen als Gründe an.

Weitere Berufe des Hotel- und Gastgewerbes unter den Berufen mit sehr hohen Lösungsquoten sind (Köchin/Koch (48,6%), Fachkraft im Gastgewerbe (43,4%), Fachfrau/Fachmann für Systemgastronomie (42,8 %), Hotelfachfrau/Hotelfachmann (40,8 %). Am niedrigsten war die Vertragslösungsquote in dem Beruf Verwaltungsfachangestellte/Verwaltungsfachangestellter (4,1 %).

Unterschiede sind bei Auszubildenden mit deutscher und ausländischer Staatsangehörigkeit erkennbar. Von den Ausbildungsverträgen der ausländischen Auszubildenden wurden 34,0 Prozent vorzeitig gelöst, von den Verträgen der Auszubildenden mit deutscher Staatsangehörigkeit nur 25,1 Prozent.


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