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INTERVIEW

Dipl.-Kfm. Oliver Vogt (36) ist geschäftsführender Gesellschafter der Gehrke Consulting Unternehmensberatungs- GmbH in Hannover. Das Unternehmen ist Teil der Gehrke Gruppe, deren Wurzeln in der 1956 gegründeten Bäckerbuchstelle liegen. Heute werden in den vier Gesellschaften (Steuerberatung, Wirtschaftsprüfung, Rechtsanwaltsgesellschaft und Unternehmensberatung) der Gehrke Gruppe rund 1000 Mandanten betreut, darunter rund 150 Bäckereibetriebe. Der Mandantennutzen liegt im unternehmensübergreifenden Beratungsansatz der 80 Mitarbeiter mit dem Ziel „Alles aus einer Hand“.

 ABZ: Welche Betriebe haben Ihrer Meinung nach Zukunftschancen?

 Oliver Vogt: Top organisierte Betriebe mit einem kundenorientierten Produktangebot und einer hervorragenden stetigen Qualität haben heute ihre Daseinsberechtigung. Ziel muss es sein, sein Unternehmen als „Marke“ zu vermarkten. Ich möchte dies mit Beispielen aus anderen Branchen verdeutlichen: Wir sagen, dass wir „zu IKEA gehen“. Wir bekommen dort Möbel etc. Das ist den Verbrauchern bekannt. Letztendlich entscheidet aber über den Erfolg, das Image, die qualitativ hochwertige Grundleistung und die Atmosphäre in diesem „Haus“.  Handwerkliche Backbetriebe müssen zudem die eigene Prozesskette besser vermarkten und gegenüber den Verbrauchern mehr „öffnen“. Im Fokus stehen häufig nur die „sichtbaren Aktivitäten“ im Bereich des Verkaufs, jedoch gewährt gerade die Produktion etc. enorme Potenziale zur Vermarktung von positiv besetzten Bildern und Erlebnissen für den Verbraucher.

 ABZ: Wie können die Backbetriebe ihre gegenwärtigen Probleme in den Griff bekommen?

 Oliver Vogt: Neben einem unverwechselbaren Marktauftritt ist sicherlich ein zukunftsorientiertes Kennzahlensystem Grundlage zur Unternehmenssteuerung und –planung. Acht bis zehn Kennzahlen reichen hier aus. Wichtig ist, dass auch die Mitarbeiter in das Kennzahlensystem mit eingebunden sind.  So sind beispielsweise zwei ganz wichtige Kennzahlen „Umsatz pro Kunde“ und die „Anzahl der Kunden“. Wer hieran arbeitet und Mehrumsatz pro Kunde generiert und durch gezieltes Marketing mehr Kunden in den Laden bringt, der ist auf dem richtigen Weg. Dies geht aber nur, wenn die Mitarbeiter mit am Strang ziehen.

 ABZ: Sie machen regelmäßig Betriebsvergleiche aus den Daten Ihrer Mandanten. Was stellen Sie hier fest?

Oliver Vogt: Viele Betriebe scheinen den Turnaround zum einen durch Kostenoptimierung zum anderen durch eine stetige und konsequente Qualitätsverbesserung in 2004/2005 zu schaffen. Einige Betriebe haben sich sehr erfolgreich in den letzten Jahren durch Eröffnung neuer Filialen - bei gleichzeitiger Schließung unrentabler Filialen – am Markt positioniert. Dies ist erst mal gut, denn so können die Fixkosten besser verteilt werden. Gleichzeitig musste so mancher feststellen, dass der Umsatz auf bestehender Fläche rückläufig ist.  Die Betriebsvergleiche zeigen auch, dass die Personalkosten optimiert werden konnten. Personaleinsatzplanungen, aber auch Freistellungen haben sich auf die Betriebsergebnisse positiv ausgewirkt.  Bisher wurde also an der Kostenseite gespart. Dies reicht jedoch künftig nicht mehr aus. Die Kosten können nur in einem bestimmten Maße zurückgefahren werden. Jetzt muss auf der anderen Seite, dem Umsatz gearbeitet werden. Nötig ist hierzu eine Strategie. Jeder Backbetrieb muss wissen, wo er in vier Jahren stehen will.

 ABZ: Sie beschäftigen sich auch mit dem Biomarkt. Wie sehen Sie hier die Chancen für das Bäckerhandwerk?

 Oliver Vogt: Diese Bäckereibetriebe haben durchaus Chancen auf diesem Markt. Die mittlere Preisschiene wird verstärkt ausgetauscht. Am unteren Preissegment tummeln sich die Discounter.  Gleichzeitig wird aber auch zunehmend hochpositionierte Bioqualität vom Markt verlangt. Die Kunden sind zwischen 30 und 40 Jahre alt, sind umwelt-, natur- und gesundheitsbewusst und wollen sich durch den Kauf von Bioprodukten deutlich abgrenzen. Die heutigen Bio-Kunden haben mit den ersten Kunden der Bio-Szene nicht mehr viel gemeinsam.  Für den Bäcker ist dies eine Herausforderung. Er kann sich durch Spezialisierung deutlich abheben. Gefragt sind Produkte in Spitzenqualität. Gleichzeitig muss den Kunden auch der Mehrwert der Bioprodukte noch deutlicher herausgestellt werden.  Unsere Untersuchungen haben gezeigt, dass hier auch eindeutig höhere Preise zu erzielen sind, als sie gegenwärtig erzielt werden. Den Verbrauchern ist der Mehrwert der Bioprodukte einfach noch zuwenig bekannt.  Die Label von Verbänden wie Bioland, Demeter sind durchaus dazu geeignet als Markenzeichen zu wirken. Der Bekanntheitsgrad ist bereits sehr hoch. Am Verband und den Betrieben liegt es jetzt dieses Label als Markenzeichen für Bioprodukte weiter zu positionieren.

 ABZ: Können Sie einige wichtige Punkte nennen, die Bäckereibetriebe beachten sollten, wenn Sie zukunftsfähig sein wollen?

 Oliver Vogt: Dies kann ich an fünf Punkten festmachen: 1. Definition der strategischen Ausrichtung. 2. Controlling. 3. Rating – Basel II. 4. Ein Coach an der Seite des Unternehmers und 5. Optimierung des Marketings. Jeder Bäckereiunternehmer sollte sich hierzu schnellstmöglich Gedanken machen. Wir helfen gerne dabei.

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