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„Auch Seiteneinsteiger unterliegen der Meisterpflicht“

„Auch Seiteneinsteiger unterliegen der Meisterpflicht“ (Quelle: privat)+
„Auch Seiteneinsteiger unterliegen der Meisterpflicht“ (Quelle: privat)

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Referatsleiter Christian Allgäuer über Genehmigungen, Ausnahmen und Backfrauen

Das Gespräch führte

Reinald Wolf

Als Referatsleiter Recht/Handwerksrolle befasst sich Christian Allgäuer (37) bei der Handwerkskammer Ostthüringen (Gera) auch mit Ausnahmegenehmigungen für . Ein Phänomen, das er insgesamt als nicht dramatisch bewertet – wenngleich einzelne Handwerker stärker betroffen seien.

ABZ: In Ihrem Kammerbereich machen offenbar die sogenannten ,Backfrauen‘ Bäckern und Konditoren Konkurrenz. Ist das für die Branche ein ernstzunehmendes Thema?

Christian Allgäuer: Nach den uns vorliegenden Daten dürfte dies kein Problem für die Bäcker und Konditoren darstellen. Aktuell sind innerhalb der lediglich zehn ,Backfrauen‘ verzeichnet bei insgesamt 159 eingetragenen Bäckern und Konditoren. Im Übrigen heben sich die Bäcker und Konditoren durch ihre Qualität von den ,Backfrauen‘ ab, weshalb der Kunde auch eher zu Backwaren vom Bäcker und Konditor greift.

Wie werden diese Anbieter kontrolliert? Gibt es Verstöße, die geahndet werden?

Allgäuer: Auch die ,Backfrauen‘ müssen in die Handwerksrolle eingetragen sein, sofern sie gewerblich tätig werden. Die Handwerkskammer für Ostthüringen prüft mithilfe ihrer Mitarbeiter Verdachtsfälle von unerlaubter Handwerksausübung. Jedoch sind wir hierzu auf Hinweise angewiesen. Sollte sich also ein Bäcker oder Konditor unsicher sein, ob ein Seiteneinsteiger tatsächlich tätig sein darf, kann jederzeit bei uns angefragt werden. Sollten wir feststellen, dass jemand das ausübt, ohne in die Handwerksrolle eingetragen zu sein, werden die entsprechenden Maßnahmen dann eingeleitet.

Auf welcher legalen Basis agieren diese – aus Sicht der Branche – Seiteneinsteiger?

Allgäuer: Auch die Seiteneinsteiger üben das Bäcker- oder Konditorenhandwerk aus und unterliegen deshalb der Meisterpflicht. Um dieses Handwerk ausüben zu können, müssen sie entweder einen Meister als Betriebsleiter vorweisen oder eine Ausübungsberechtigung(§ 7b HwO, Anm. d. Red.) beziehungsweise eine Ausnahmegenehmigung(§8 HwO) für diese Tätigkeit haben.

Was sagen Sie zum Vorwurf der Branche, dass hier Wettbewerbsverzerrung vorliegt – kein Aufwand für Ausbildung, keine gesetzlichen wie Kennzeichnungspflicht, keine Kontrollen?

Allgäuer: Zwar ist es richtig, dass der Aufwand der Seiteneinsteiger für die Ausbildung geringer sein mag. Jedoch müssen auch diese im Rahmen der Beantragung einer Ausnahmegenehmigung die meistergleichen Kenntnisse und Fertigkeiten nachweisen. Weshalb diese Seiteneinsteiger einen ähnlichen Bildungsaufwand haben. Im Übrigen unterliegen auch die Seiteneinsteiger den gesetzlichen Pflichten, weshalb ich den Vorwurf nicht ganz nachvollziehen kann.

Trotzdem können es sich die ,Backfrauen‘ leisten, Kuchen im Vergleich mit dem Handwerk deutlich günstiger anzubieten. Wie ist das zu erklären?

Allgäuer: Wie erwähnt, unterliegen auch die ,Backfrauen‘ den Regelungen für die Ausnahmegenehmigung. Das heißt, die werden auch kontrolliert. Wenn etwas nicht ordnungsgemäß läuft, schreiten wir ein. Wie in den Fällen kalkuliert wird, darauf haben wir keinen Einfluss. Ich vermute aber, dass die Personalkosten und die Gemeinkosten geringer sind – schon weil kein Ladenlokal besteht. Und bezüglich der Steuern will ich keine Schwarzarbeit unterstellen.

Was raten Sie Bäckern im Umgang mit Seiteneinsteigern?

Allgäuer: Günstig wäre sicherlich, zunächst bei der Handwerkskammer nachzufragen, ob der jeweilige Seiteneinsteiger auch tatsächlich bei uns eingetragen ist. Wenn diese Seiteneinsteiger tatsächlich in die Handwerksrolle eingetragen sind, müssen sie wie die normalen Mitwettbewerber behandelt werden. Insgesamt ist es sicher sehr hilfreich, sich von Seiteneinsteigern durch Qualität abzuheben und durch die Handwerkskunst zu überzeugen. Als Meister müsste man diesbezüglich beste Voraussetzungen haben.

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