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Aktion setzt auf „meisterliche“ Stärke

Die BHT-Kampagne wurde vorgestellt von: v. l. Rudolf Herwig (HwK München.), Rupert Hutterer (BHT) und Heinrich Traublinger (BHT-Präsident). (Quelle: Eberhardt)+Zur Fotostrecke
Die BHT-Kampagne wurde vorgestellt von: v. l. Rudolf Herwig (HwK München.), Rupert Hutterer (BHT) und Heinrich Traublinger (BHT-Präsident). (Quelle: Eberhardt)

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Neue Imagekampagne des bayerischen Handwerks rückt den Meistertitel als Gütesiegel ins öffentliche Blickfeld

„Geiz ist geil“ – das Logo für ein ganzes Lebensgefühl als Schnäppchenjäger, trifft die Wünsche vieler Verbraucher und macht dem Handwerk das Leben schwer. Dagegen kontert der Bayerische Handwerkstag (BHT) jetzt mit einer Qualitätsinitiative: „Ohne Meister: Scheibenkleister!“. Damit will das Handwerk intern die Meister motivieren, Qualität zu erzeugen und mit dieser Qualität offensiv zu werben. Der Kunde soll sich statt für Billigangebote wieder bewusst für Qualitätsarbeit entscheiden. Denn „es kann teuer zu stehen kommen, keinen Meisterbetrieb für eine Handwerksleistung zu beauftragen, und es kann ganz schön teuer werden, wenn Leute am Werk sind, die ihr Handwerk nicht verstehen.“ BHT-Präsident Heinrich Traublinger sah sich anlässlich der Presse-Vorstellung der Kampagne in München im Trend zu mehr Qualität auch durch aktuelle Umfragen bestätigt.

Offiziell gestartet wird diese Kampagne auf der IHM am Stand des BHT. Hier informieren Kammern und Fachverbände gemeinsam über die Aktion und bieten neben Plakaten zum Beispiel LKW-Beschriftungen oder Aufkleber für Briefbögen an. Der Vorsitzende des Arbeitskreises Marketing im BHT, Seilermeister Rupert Hutterer, ist zuversichtlich, dass die bayerischen Handwerksbetriebe die Kampagne aufgreifen und demnächst die Plakate der Image-Kampagne in den Läden und Verkaufsräumen, den Werkstätten und Büros der bayerischen Handwerker zu sehen sein werden. Dabei verhehlte er nicht, dass es im Laufe der Ideenfindung in den Fachverbänden zu heftigen Diskussionen gekommen war.

Vertrieb über die Innungen

Unter dem Motto „Ohne Meister: Scheibenkleister!“ soll auf humoristische Weise der handwerkliche Meistertitel als Qualitätszertifikat für den Unternehmer sowie als Gütesiegel und Verbraucherschutz ins Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt werden. Bislang sind 15 Landesfachverbände dabei, darunter auch solche, die auch nach der neuen Handwerksordnung den Meistertitel als Grundlage ihrer Selbständigkeit vorweisen müssen und denen die Konkurrenz nicht aus den eigenen Reihen erwächst. Hutterer geht davon aus, dass sich neben den Bäckern, Metzgern, Friseuren, den Gebäudereinigern, Karosseriebauern und Kfz-Technikern, den Landmaschinenmechanikern, den Malern und Lackierern, Maßschneidern, Parkettlegern, Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnikhandwerkern, den Schreiner, Steinmetzen und Steinbildhauern, den Textilreinigern und den Zahntechnikern weitere der rund 50 Fachverbände des Handwerks anschließen werden.

Die bislang beteiligten Handwerke sind jeweils mit eigenen Motiven auf Plakaten, Postkarten und Aufklebern vertreten. Die jeweiligen Branchenmotive sind für Innungsmitglieder über die Landesfachverbände bzw. die jeweiligen Innungen erhältlich. Ein weiteres Motiv ist allgemein gehalten und wird von Handwerkskammern und Kreishandwerkerschaften verwendet, kann aber auch von jedem Handwerksbetrieb eingesetzt werden. Damit muss kein Handwerker auf die Aktionsteilnahme verzichten, selbst wenn sein Fachverband nicht mitmachen sollte.

Kampagne signalisiert Qualität

Die Entwicklungskosten der Kampagne trägt der BHT, die Kosten der Herstellung die einzelnen Fachverbände, die sie ggf. an die beteiligten Mitglieder weitergeben. Für das Bäckerhandwerk will LIM Heinrich Traublinger eine günstige Lösung suchen, denn bislang bezifferte die Werbeagentur ATM den Preis pro Plakat auf knapp 5 Euro. Traublinger: „Wir haben den Meister mit gutem Grund in den Mittelpunkt unserer Kampagne gestellt. Die Kampagne ist Teil unserer Öffentlichkeitsarbeit, mit der wir das Wissen um die Bedeutung des Meisterbriefes als einzige umfassende Fortbildung zum Unternehmer ins Bewusstsein der Öffentlichkeit bringen wollen.“ Der Meisterbrief sei ein bewährtes und anerkanntes Zeugnis, das dem Kunden das hohe Qualitätsniveau im Handwerk signalisiere und auch garantiere.

Das Handwerk sehe durch die Entwicklung, die mit der Novellierung der Handwerksordnung verbunden sei, Gefahren für die Qualifikation, die Ausbildung und die Stabilität der Betriebe, betonte der BHT-Präsident. Der starke Anstieg der Betriebszahlen im Handwerk im vergangenen Jahr sei zum Großteil auf den deutlichen Anstieg der Neueintragungen in den jetzt zulassungsfreien B1-Berufen zurückzuführen. Er gehe davon aus, dass damit eine Dequalifizierung verbunden sei.

Die Image-Kampagne solle aber auch nach innen wirken. Eine aktuelle Umfrage der Handwerkskammer für München und Oberbayern zeige, dass sich Optimismus und Pessimismus über die Zukunft des Handwerksbriefes bei den Handwerkern in etwa die Waage hielten. Zwar seien 47 Prozent der befragten Betriebe der Meinung, dass der Meistertitel in Zukunft an Wert verlieren könnte. Fast ebenso viele, nämlich 43 Prozent äußerten sich entgegen gesetzt, weil die Kunden den Meistertitel als Gütesiegel zunehmend schätzen würden. Mit der Image-Kampagne wolle der BHT daher die Meisterbetriebe darin bestärken, auf ihre eigene „meisterliche“ Stärke zu setzen. „Der Meisterbrief kann gerade da, wo der Wettbewerbsdruck groß ist, ein entscheidender Vorteil sein, wenn man ihn nur offensiv in den Vordergrund rückt.“

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