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„Abendgastronomie erfordert Herzblut und Engagement“

„Abendgastronomie erfordert Herzblut und Engagement“ (Quelle: privat)+
„Abendgastronomie erfordert Herzblut und Engagement“ (Quelle: privat)

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Verkaufs- und Kommunikationstrainerin Brigitte Köhler ist auch Bäcker-Ehefrau

Das Gespräch führte

Arnulf Ramcke

Sie war Schulungsleiterin, kommt aus der Erwachsenenbildung, arbeitet seit mehr als zehn Jahren freiberuflich als Trainerin im Bereich Verkauf und Kommunikation – und ist Frau eines Bäckers, der in Karlsruhe mit „Laib und Leben“ und mehr als 30 Filialen ein Konzept inklusive Mittags- und anbietet. Entsprechend weiß um Chancen und Voraussetzungen, mit Speisen am Abend Erfolg haben zu können.

Warum sollte ein Gast beim Bäcker statt beim Italiener zu Abend essen?

Brigitte Köhler: Ich möchte die Frage andersherum beantworten: Wir wird der Bäcker zum Gastronomen und für die Kunden interessant?

Und wie wird er das?

Köhler: Ich kann es an unserem Beispiel erzählen: Wir sind durch den Standort in einem neu gebauten Geschäftsgebäude außerhalb der City dazu gekommen. Zur Eröffnung haben wir das Catering gemacht. Das ist sehr gut angekommen. Daraus hat sich eine After-Work-Veranstaltung entwickelt, die wir seit 2012 einmal im Monat anbieten.

Sie nennen dieses Konzept ,Feierabend’. Worum geht es da?

Köhler: Wir verbinden mit . Damit ist der Faktor Erlebnis mit dabei. Das lässt sich gut vermarkten und ist für die Kunden attraktiver. Mal hatten wir das Motto ,Route 66’, dann haben wir zum Beispiel eine ,Hippie-Party‘ veranstaltet. Speisen und Deko passen wir entsprechend an. Und wir engagieren einen DJ.

Wie ist das Preisniveau? Bieten Sie auch Hochpreisiges an?

Köhler: Das beginnt mit einem kleinen Beilagen-Salat und einer Currywurst für fünf Euro. Das teuerste Gericht lag gestern bei 11,90 Euro. Hochpreis-Küche funktioniert nicht. Aber bei den Getränken bestellen die Gäste auch Champagner, andere nur eine Flasche Wasser. Wir bieten auch immer alkoholfreie Cocktails an.

Wie viele Gäste kommen an diesen Abenden?

Köhler: Da sind meist so zwischen 80 und 120.

Sie setzen auf Event-Charakter. Was ist noch wichtig, wenn Bäcker ins Gastrogeschäft am Abend einsteigen wollen?

Köhler: Es braucht sehr viel Kraft. Der Gast muss dem Bäcker das abnehmen. Es geht weniger um das Angebot als um die Attraktivität. Es heißt ,Wir gehen heute zum Italiener oder zum Griechen essen’. Aber wer sagt denn ,Heute gehen wir zum Bäcker’? Die Abendgastronomie nach dem Motto ,Wir essen heute deutsch’ bricht weg. Also muss der Gast bei dem Überangebot an gastronomischen Angeboten, denen er sich gegenübersieht, zum Bäcker kommen wollen.

Und der serviert ihm dann die Suppe im ausgehöhlten Brot?

Köhler: Das ist nicht meine Vorstellung von Abendgastronomie. Gäste sprechen Bäckern zwar Backwarenkompetenz zu, die erstreckt sich aber auch auf alles, was aus dem Ofen kommt. Aber nochmal: Es geht weniger um das reine Angebot als darum, beim Gast Lust zu wecken. Dazu sind Herzblut und Voraussetzung.

Was noch?

Köhler: Sie brauchen tolle Räume, tolles Geschirr und gute Fachkräfte, die immer schwieriger zu finden sind. Die Kernfrage ist, ob das Gesamtpaket passt. Dazu gehören Zeit, Investitionsbereitschaft, Mitarbeiter und Produkte, wo weniger häufig mehr ist. Für manche Bäcker ist es daher besser, sich aufs Tagesgeschäft zu konzentrieren, das mit dem Frühstück beginnt und über einen Mittagstisch bis zum Kuchenangebot am Nachmittag weitergeht.

Das klingt nicht so, als sei Abendgastronomie das Allheilmittel für Bäcker, um stabile Umsätze zu sichern.

Köhler: Ein Allheilmittel ist Abendgastronomie sicherlich nicht. Dafür hängt der Erfolg von zu vielen Faktoren ab. Neben der wichtigen Standortfrage – ich denke, dass es in Gewerbegebieten nicht funktioniert – entscheiden vor allem Manpower und die monitären Möglichkeiten darüber, ob ein Bäcker täglich mit Abendgastronomie Erfolg haben kann.

Kernkompetenz inklusive: Viele Speisenangebote können Bäcker mit Brot kombinieren.
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