INTERVIEW der woche

Weltmarkt bestimmt die Getreidepreise


Josef Miller ist bayerischer Staatsminister für Landwirtschaft und Forsten. Bayern ist in den letzten Jahrzehnten zwar vom Agrarland zum High-tech-Land geworden. Man will jedoch nach wie vor die Landwirtschaft mit ihrer ganzen Vielfalt fördern. Wegen der höheren Rohstoffpreise schaut auch das Bäckerhandwerk verstärkt auf die Landwirtschaft.

ABZ: Auf die Bäcker kommen eine Reihe von Rohstoffpreiserhöhungen zu. Milchprodukte, aber vor allem auch Biogetreide wird wesentlich teurer. Wo liegen nach Ihrer Meinung die Gründe?

Josef Miller: Die Weltgetreidevorräte nehmen seit Jahren kontinuierlich ab, weil der Verbrauch mit Ausnahme der Ernte 2004 über der Erzeugung lag. Entsprechend haben die globalen Vorräte den niedrigsten Stand seit 30 Jahren erreicht. Extreme Witterungsverläufe mit Trockenheit einerseits und total verregneten Ernteperioden andererseits haben die Situation auf dem Getreidemarkt noch verschärft. Und wenn Güter knapp werden, dann sind oft Preiserhöhung die Folge. Die Preise für Biogetreide steigen deswegen stärker, weil mit dem Einstieg von Discountern in diesem Markt eine schlagartige Nachfragesteigerung eingesetzt hat. Zudem sind ökologisch wirtschaftende Betriebe stärker von Wetterextremen betroffen, weil sie nicht auf chemische Pflanzenschutzmittel zurückgreifen. Und auch hier gilt: Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis.

ABZ: Die Preiserhöhungen im Getreidebereich sind – so hört man – vor allem eine Folge der staatlichen Förderung von Bioenergie. Die Bauern bauen kein Getreide für die Lebensmittelerzeugung mehr an. Stimmt das?

Josef Miller: Nein. Nach wie vor wird genügend Getreide für die Lebensmittelerzeugung angebaut. Bayern ist aus der Investitionsförderung für Biogasanlagen schon vor drei Jahren ausgestiegen. Somit werden Biogasanlagen in Bayern im Gegensatz zu manchen anderen Bundesländern ebenso wie andere regenerative Energieanlagen nur noch über die erhöhte Einspeisevergütung nach dem Erneuerbare Energien-Gesetz gefördert. Bei den Biokraftstoffen ist es ähnlich. Investitionen in Biokraftstoffanlagen werden in Bayern nicht gefördert.

Etwa zwölf Prozent der bayerischen Ackerfläche werden gegenwärtig für den Anbau von Energiepflanzen genutzt. Damit verbleiben 88 Prozent für den Lebensmittelbereich. Wer marktübliche Preise bezahlt, bekommt das Getreide. Dass die Preise nun etwas angezogen haben, ist durch den Weltmarkt bedingt.

ABZ: Die Bäcker müssen am Markt zwangsläufig höhere Preise durchsetzen. In den letzten Jahren kam es jedoch von Seiten der Lebensmitteldiscounter zum Preisdumping. Das schadet der heimischen Landwirtschaft und dem Handwerk. Wie weit sind hier Ihre Bemühungen?

Josef Miller: Dumpingpreise im Lebensmitteleinzelhandel schaden nicht nur den Bauern und dem Handwerk, sie schaden auf Dauer wegen des Verdrängungswettbewerbs auch dem Verbraucher und letztlich dem Ansehen und der Wertschätzung von Lebensmitteln. Diese dürfen nicht zu Lockmitteln verkommen. Ich habe mich deshalb seit Jahren für ein striktes Verbot des Verkaufs von Lebensmitteln unter Einstandspreis eingesetzt.

Nun liegt dem Bundestag ein Gesetzentwurf vor, mit dem auch der gelegentliche Verkauf von Lebensmitteln unter Einstandspreis untersagt werden soll. Der Gesetzentwurf entspricht voll meiner Absicht, denn damit wäre eine wirksame Verschärfung des Verbots erreicht. Der Bundesrat hat am 8. Juni 2007 dieser Verschärfung zugestimmt. Nun liegt es am Bundestag, das Gesetz zu beschließen.

ABZ: Ein anderes Thema, was viele Bäcker mit Sorge betrachten ist der Einsatz von grüner Gentechnik in der Landwirtschaft. Eine zunehmende Anzahl von „Versuchsfeldern“ schürt die Ängste, dass es zur Ausbreitung auf konventionell oder biologisch angebaute Felder kommt. Wie sehen Sie dies?

Josef Miller: Derzeit laufen in Bayern Versuche im Freiland mit genverändertem Mais und Kartoffeln auf insgesamt knapp drei Hektar. Hier handelt es sich nicht um für Bäcker relevante Rohstoffe.

Sollten allerdings in ferner Zukunft einmal beispielsweise gentechnisch veränderte Weizensorten zugelassen werden, dann müssten Regeln für die gute fachliche Praxis beim Anbau von Getreide entwickelt werden, die eine weitgehende Koexistenz der Anbauformen ermöglichen.

ABZ: Vieles an gesetzlichen Vorgaben kommt aus Brüssel. Bleibt hier noch Freiraum für die bayerische Politik um zu handeln?

Josef Miller: Der bleibt sehr wohl. Durch ein zukunftsweisendes Bildungs- und Beratungssystem sowie durch eine praxisorientierte Forschung durch unsere Landesanstalten schaffen wir den Grundstein für eine wirtschaftlich erfolgreiche Agrarbranche in Bayern. Daneben unterstützt Bayern die Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft durch eine breite Palette an Fördermaßnahmen. (pf)


Artikel vom 06.09.2007
Drucken 

Weitere Nachrichten aus Fokus vom 06.09.2007:

„Senioren lassen Kassen klingeln“
Lebensmittelpreise steigen
Lösungsansansätze zum Fachkräftemangel
Ernteinformation 2007
Mit dem Auto zum Bäcker fahren
Vorhang auf: Backwaren in aller Munde
Für Vorführeffekte und Anregungen ist gesorgt
Täglich´ Brot wird vermehrt außer Haus verzehrt
Mit neuerGeschaftsführung
Fertigsalate im Trend

Kommentare

Aktuelle Meldungen aus Fokus


Abonnenten Bereich



Hilfe




Rezept der Woche

Tomaten-Brötchen
Rezept der Woche Gebäck mit Haferkleie und getrockneten Tomaten mehr ...




ABZ Newsletter

Nutzen Sie als Abonnent kostenlos unseren wöchentlichen Informationsdienst per E-Mail.

Jetzt anmelden!