Branche_Politik

Vorstands-Neuwahl braucht dritten Versuch

Mitgliederversammlung des Landesinnungsverbandes Sachsen-Anhalt war wegen unzureichender Teilnahme nicht stimmberechtigt


Magdeburg (ps). Als „überaus enttäuschend“ und „kaum nachvollziehbar“ bezeichnete Lothar Sprung, Obermeister der Bäckerinnung Jerichower Land, das Ergebnis der Mitgliederversammlung des Landesinnungsverbandes des Bäckerhandwerks Sachsen-Anhalt: Nur 16 der eingeladenen 36 stimmberechtigten Mitglieder waren dem Ruf in den Konferenzsaal des Gründungs- und Technologietransferzentrums Handwerk Magdeburg zur zusätzlichen Herbst-Versammlung des Landesverbandes gefolgt. „Dabei hatten wir alle Kollegen rechtzeitig eingeladen und auf die große Bedeutung dieser Zusammenkunft verwiesen, denn schließlich wollten wir über eine Satzungsänderung befinden und die im Frühjahr in Halberstadt verschobene Neuwahl des Landesinnungsmeisters und der Mitglieder des Vorstandes nachholen“, erläuterte der stellvertretende Landesinnungsmeister.

Seinerzeit hatten sich die Delegierten entschieden, mit Rücksicht auf die schwere Erkrankung von Landesinnungsmeister Hermann-Josef Hagemann aus Lückstedt auf die turnusmäßige Wahlhandlung zu verzichten und den Obermeister der Bäckerinnung Stendal-Osterburg mit diesem deutlichen Signal bei seinem komplizierten Genesungsprozess zu unterstützen (die ABZ berichtete).

Neuwahl erst im November

Nun ist jedoch für die Neuwahl des Vorstandes ein dritter Versuch erforderlich, der am 2. November 2009 unternommen werden soll. „Dann mit hoffentlich größerem Erfolg, denn gerade in diesen für das Bäckerhandwerk Sachsen-Anhalts wirtschaftlich sehr angespannten Zeiten ist eine starke berufsständische Interessenvertretung und ein von den Mitgliedern legitimierter und aktiv handelnder Verbandsvorstand wichtiger denn je“, hofft nicht nur Lothar Sprung.

Denn allein der Erfahrungsaustausch der Delegierten über die Neugliederung und die Zusammenarbeit der derzeit noch 18 Bäckerinnungen zwischen Altmark und Burgenlandkreis nach der vollzogenen Kreisgebietsreform legte zahlreiche Probleme offen.

Während solche Innungen wie in Halle/Saale, in Merseburg, im Jerichower Land und im Burgenlandkreis relativ stabil sind und eine gute Arbeit leisten, kriselt es in vielen anderen Regionen zum Teil recht stark. So haben sich vor kurzem die Innungen Halberstadt und Haldensleben zum Jahresende 2009 aufgelöst, die Innung Wernigerode sei schon vor längerer Zeit aus dem Fachverband ausgetreten, informierte Geschäftsführer Dr. Andreas Baeckler.

Mehr noch: In Staßfurt existiert überhaupt keine Innung mehr, von acht Kollegen seien nur noch vier aktiv; fünf Mitglieder sind aus der Innung Schönebeck ausgetreten. Und in Dessau hatte sich kein Nachfolger für das Amt des Obermeisters gefunden, der seinen Betrieb auf- und das Ehrenamt abgeben musste. Selbst mehrere Versuche der Landesgeschäftsstelle, in dieser Region eine neue Innung zu etablieren, seien aus mangelndem Interesse der Bäcker gescheitert.

„Dieses ohnehin bestehende Chaos machen die Kreishandwerkerschaften noch komplett“, erklärte Dr. Baeckler. In Sangerhausen/Mansfelder Land wurde die Kreishandwerkerschaft aufgelöst und zehn Minuten später neu gegründet. Seitdem erhalten die Bäcker keinerlei Informationen und Unterstützung mehr. „Die wollen wir auch gar nicht mehr, denn die Kreishandwerkerschaft ist völlig überflüssig und gehört abgeschafft. Wir wollen ein Zeichen setzen und bezahlen auch unseren Pflichtbeitrag nicht“, wetterte Obermeister Hans Morgenstern.

„Wenn wir als Landesverband nicht schnell aktiv werden, gehen uns die Mitglieder verloren und die Zahlen rutschen uns völlig weg“, befürchtet der Geschäftsführer. „Zum Jahresende 2009 werden wir wohl nicht mehr jene knapp 200 Mitgliedsbetriebe haben, die noch vor wenigen Monaten zu Buche gestanden hatten – mit den zu erwartenden einschneidenden finanziellen Konsequenzen.“

Da den verbliebenen Betrieben in wirtschaftlich schwierigen Zeiten eine Beitragserhöhung nicht zuzumuten sei, bleibe nur, Kosten zu sparen. Weil die Geschäftsführung des Landesinnungsverbandes bereits ehrenamtlich erfolgt, stünden im Fall der Fälle als Alternativen nur der Austritt aus dem Zentralverband des deutschen Bäckerhandwerks oder der Gang in die Insolvenz zur Debatte. „Dieser düsteren Vision können wir nur vorbeugen, wenn wir selbst endlich aktiv werden, denn von außen wird uns niemand retten“, appellierte Dr. Baeckler an die Runde und verwies darauf, dass die Veränderungen in der Branche letztlich auch zu Neuansätzen in der Organisationsstruktur des Verbandes führen müssen.

Denkbar sei, künftig auch Einzelmitglieder aufzunehmen, obwohl dies sicherlich auf den Widerstand der Kreishandwerkerschaften treffen werde.

Selbst über Verband entscheiden

„Doch das Bäckerhandwerk ist kein Spielball der Kreishandwerkerschaften. Deshalb müssen wir entscheiden, wie wir den Verband und die Innungen aufstellen wollen. Wir müssen entscheiden, wie wir bei weniger Mitgliedsbetrieben und weniger Lehrlingen unsere Prüfungshoheit weiterhin umsetzen wollen.“ Diese und weitere Fragen sollte sich der neue Landesverbandsvorstand gleich nach seiner Wahl im November stellen.

Abschließend informierte Dr. Joachim Vogel vom Gründungs- und Technologietransferzentrum Handwerk Magdeburg über die Entwicklungen auf dem Energiemarkt beim Bezug von Strom und Gas sowie über das vorläufige Bildungs- und Qualifizierungsprogramm 2010 des Landesinnungsverbandes.


Artikel vom 14.10.2009
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