Branche_Politik

Vor historischer Kulisse aktuell am Ball

Verbandstag des LIV Bayern im Rahmen der „Landshuter Hochzeit“: Staatssekretär Müller als Fürsprecher der Bäcker / Beitragsanpassung beschlossen


Landshut (wo). Auch wenn der Verbandstag des bayerischen Bäckerhandwerks im Rahmen des traditionellen Historienspektakels „Landshuter Hochzeit“ stattfand, so wurde doch deutlich gemacht, dass der Landesinnungsverband Bayern bezüglich der aktuellen Probleme am Ball ist. Leider musste sich Ministerpräsident Horst Seehofer in Landshut von Staatssekretär Gerd Müller vertreten lassen, der mit seiner sprichwörtlichen Sonntagsrede nicht alle Mitglieder überzeugen konnte – auch wenn er den Bäckern glaubhaft versicherte, dass zum Beispiel die Ampelkennzeichnung nicht kommen wird. Erfolgreiche Überzeugungsarbeit wurde hingegen in Sachen Beitragsanpassung geleistet, der auf der Mitgliederversammlung nahezu einmütig zugestimmt wurde.

Großes Vertrauen

Das bayerische Bäckerhandwerk hat im Jahr 2008 den Umsatz insgesamt um 2,8 Prozent gesteigert. Im Bundesdurchschnitt waren das 4,4 Prozent. Doch immerhin 61,7 Prozent der Betriebe in Bayern haben im Jahr 2008 investiert. Das zeige, dass nach wie vor ein großes Vertrauen in die wirtschaftliche Entwicklung der Unternehmen und die Entwicklung der Wirtschaft herrscht, wie Landesinnungsmeister Heinrich Traublinger in seinem Situationsbericht auf der Mitgliederversammlung im Festzelt des Landshuter Zehrplatzes betonte. „Wir sollten uns aber nicht in Sicherheit wiegen“, appellierte er an die Kollegen, sich rechtzeitig Gedanken zu machen, wie sie die Krise meistern wollen, die etwas zeitverzögert auch das Bäckerhandwerk erreichen kann. Denn gehe Kurzarbeit in Arbeitslosigkeit über, kippe die Stimmung, was bedeute, dass die Verbraucher wieder preissensibler einkaufen. Traublinger empfahl hier, das Szenario im Vorfeld taktisch durchzuspielen.

Gleichwohl sei es wichtig, dass der Mittelstand seitens der Politik mehr Unterstützung erfahre. „Ich kritisiere, dass sämtliche Verordnungen und Gesetze immer nur aus dem Blickwinkel der Großen gemacht werden“, gab Traublinger seinem Unmut Ausdruck. Es müsse per Gesetz wieder dafür gesorgt werden, dass es dem Mittelstand besser gehe. Zwar gebe es einen Mittelstandspakt mit einigen guten Ansätzen, aber eigentlich sei die Förderung von Mittelstand und Handwerk selbstverständlich. Schließlich sei das Handwerk erwiesenermaßen ein stabilisierender Faktor der Wirtschaft.

„Es muss wieder stärker auf den Binnenmarkt geachtet werden“, so sein Credo mit Blick auf die globale Wirtschaftskrise. Und da seien Steuersenkungen eben ein wichtiges Thema. „Mehr Netto vom Brutto, das ist es, was wir brauchen!“ Nur wenn die Steuern und Abgaben sinken, sei mit spürbaren Entlastungseffekten für das Handwerk zu rechnen. Eine Erhöhung des reduzierten Mehrwertsteuersatzes, wie sie von Günter Oettinger, dem Baden-Württembergischen Ministerpräsidenten, in die Debatte geworfen wurde, sei in diesem Zusammenhang schlichtweg fahrlässig.

Auch die zunehmende Regelungswut der EU sei nicht gerade mittelstandsfördernd oder zielführend. Zum Beispiel die drohende Ampelkennzeichnung. „Hier verdummt man die Verbraucher und verniedlicht die Situation“, gab LIM Traublinger zu bedenken. Als weiteres Beispiel nannte er die Deklarierung loser Ware – ein unnötiger Zusatzaufwand, zumal das Bäckerhandwerk im Verkaufsgespräch und durch Informationen mittels Kassenbon oder Kladde für ausreichende Aufklärung sorgen kann. Hier sei man seitens des Verbands weiter am Ball, um dauerhaft für eine handwerksfreundliche Lösung zu sorgen.

Ein Beispiel für gelungene Lobbyarbeit sei das Thema Unter-Einstandspreis. Hier sei es gelungen, deutlich zu machen, dass Lebensmittel einen materiellen und ideellen Wert haben. Und um die Wertigkeit der Backwaren geht es auch im Zusammenhang mit dem Frühstücksgeschäft. „Das ist unser Markt“, forderte Traublinger die Kollegen auf, diesbezüglich dran zu bleiben. Der Verband bietet hier eine neues Aktionspaket rund um das Frühstücksgeschäft (siehe auch Bericht auf Seite 3). „Der Verband ist jedenfalls dran und tut einiges, um Ihnen zumindest einige Kastanien aus dem Feuer zu holen“, verwies Traublinger auf den Wert der Berufsorganisation.

„Sie backen die besten Brote der Welt!“, so startete Staatssekretär Gerd Müller, der Ersatzmann für Ministerpräsident Horst Seehofer, seine als Bäckerlob gedachte Festrede. Folglich war auch von einer grandiosen Ausbildungsleistung und davon die Rede, dass das Bäckerhandwerk auch im Ausland ein Aushängeschild sei. Insgesamt sei die Ernährungswirtschaft mit insgesamt 4,5 Millionen Mitarbeitern für die Volkswirtschaft der wichtigste Wirtschaftszweig. Zwar sei das Konsumverhalten momentan noch stabil. „Aber die Einschläge kommen näher“, gab Müller zu bedenken, der gleichzeitig die staatlichen Stützmaßnahmen bei Banken als gerechtfertigt bezeichnete.

„Auch wir stehen auch auf der Seite des Handwerks und des Mittelstands“, sicherte er dem Bäckerhandwerk seitens des Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz volle Unterstützung zu. So werde man alles tun, um die Kennzeichnung loser Ware abzuwenden und auch bezüglich der Ampelkennzeichnung sei er sicher, dass sie nicht komme.

Beitragsanpassung

Abschließend nutzte Geschäftsführer Wolfgang Filter seinen Geschäftsbericht, um die Leistungen des Verbands und den Nutzen einer Innungsmitgliedschaft zu verdeutlichen. Lobbyarbeit, Tarifpolitik, Fortbildung oder Betriebsberatung – ohne eine entsprechende finanzielle Ausstattung könne man diesen Aufgaben aber nicht gerecht werden. Aus diesem Grund wurde auf dem Verbandstag in Landshut eine Beitragsanpassung beschlossen.

Mit dem gefassten Beitragsbeschluss sollen die Beitragsrückgänge der letzten Jahre gestoppt, die Einnahmen nivelliert sowie die Beiträge an die künftige Aufgaben- und Kostenentwicklung angepasst werden. Tatsächlich handelt es sich um eine Beitragserhöhung, die aber angemessen und durchaus moderat sei, wie einer der Obermeister glaubhaft versichert.


Artikel vom 01.07.2009
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