Markt & Meinung

Verkehrte Welt und richtige Preise


Steigende Getreide-, Mehl- und Brotpreise und jüngst lassen Meldungen über drastische Preiserhöhungen bei Molkereiprodukte Verbraucher aufhorchen: Milch, Käse und Quark sollen zwischen 20 und 50 Prozent teurer werden. Die Medien forcieren das Thema massiv. Genau wie die Getreideberge gehören die Milchseen längst der Vergangenheit an. Nicht nur Milchpulver wandert in großen Mengen nach China, die Globalisierung ist in der kleinsten Handwerksbackstube auf dem Lande angekommen. Rohstoffknappheit war in Vergessenheit geraten, Milchquoten und Stilllegungsprämien beherrschten die Landwirtschaft – heute öffnen sich Perspektiven für den Abbau von Subventionen. Die Marktwirtschaft lässt grüßen.

Bisweilen eine groteske Situation: Milchprodukte und europäische Backwaren erobern den asiatischen Raum, Brötchen aus China landen in deutschen Discountabbackstationen. Die „Geiz ist geil-Mentalität“ ebbte hier zu Lande ab, sie taugt nicht für den Einkauf von Grundnahrungsmitteln wie Brot- und Brötchen und die Billiganbieter bekommen das geänderte Marktverhalten zu spüren. Trotzdem tun sich Bäcker jetzt wieder schwer, Preise zu erhöhen. Der Markt ist gesättigt, Dumpingpreise bei Brot gibt‘s nach wie vor und machen die Entscheidung nicht einfach. Die Milchpreise heizen die Stimmung auf. Ich kenne von Hause aus die eh schwierigen Überlegungen im Familienunternehmen, wenn dass Brötchen um 2Pfennig bzw. heute um 2 Cent teurer werden soll – ob und wann, das bereitet nicht selten schlaflose Nächte.

Auf steigende Brötchenpreise wird emotional reagiert – ähnlich wie bei Benzinverteuerungen. Es ist aber ein gewaltiger Unterschied, ob sich ein Rohstoff wunderlicher Weise zum Ferienbeginn deutscher Bundesländer „verknappt“, Milchpreise flächendeckend
emporschnellen und sich das Bundeskartellamt die Augen reiben muss, oder „reale'“Marktgesetze einen Preis bestimmen. Viele Verbraucher wissen, wie sich die Preise bilden. Eine Preiserhöhung für Brot- und Brötchen sichert schlicht das Auskommen mit dem Einkommen. Also Mut beweisen und Notwendiges tun – die Preise müssen steigen.

Werner Kräling


Artikel vom 02.08.2007
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